Secret Sphere
Secret Sphere

Interview

Das Donzdorfer Label Nuclear Blast scheint im Moment eine kleinere Expansionsphase durchzumachen. Ständig schlagen einem neue Namen wie Mnemic, Mystic Prophecy oder Misery Index entgegen. Zu dieser Gruppe von NB-Neulingen gehören auch die Italiener von Secret Sphere, die dieser Tage ihr bereits drittes Album "Scent Of Human Desire" (ihr Debüt für NB) veröffentlichen, auf dem Power Metal mit einem breit gefächerten Einflussfeld zu hören ist. Gitarrist und Bandgründer Aldo Lonobile stand mir diesbezüglich Rede und Antwort.

Secret SphereHi there! Könntest du anfangs bitte etwas über euren Werdegang erzählen? Wie kam es zu Secret Sphere? Was waren bisher die wichtigsten Schritte in eurer Karriere?

Ich habe Secret Sphere im Juli 1997 gegründet. Das erste Line-up sah folgendermaßen aus: Ich spielte alle Gitarren und noch mit dabei waren Andrea Buratto (Bass), Cristiano Scagliotti (Drums) und Ramon (Vocals). Nach einigen Änderungen wurde es dann im Dezember selbigen Jahres endlich stabiler, als wir zwei neue Mitglieder gefunden haben: Antonio Agate (Keyboards) und Paco Gianotti (Rythmusgitarre). Von Anfang an war unsere Musik inspiriert von Hard Rock, Heavy Power Metal und klassischer Musik, wobei wir immer versucht haben, einen ganz eigenen Stil zu spielen. Im September 1998 nahmen wir unser erstes Demo „Between Story and Legend“ auf. Danach verließ Cristiano Scagliotti die Band und wurde sofort durch Luca Cartasegna ersetzt. Mit dem Demo konnten wir einen Deal mit einem italienischen Undergroundlabel an Land ziehen. 1999 gingen wir in Luigi Stefaninis New Sin Studios (Labyrinth, Eldrich, Domine, White Skull) und nahmen dort unser erstes Album „Mistress of the Shadowlight“ auf. Die Reaktionen der Presse und der Fans waren sehr gut, vor allem in Italien und Japan. 2001 erschien unser zweites Album „A Time Never Come“, mit dem wir unseren Bekanntheitsgrad nochmals steigern konnten. Die Reviews waren wieder sehr gut, diesmal in aller Welt und so konnten wir einige gute Gigs an Land ziehen, z.B. in Frankreich (Metyallian Festival) und Italien (Gods of Metal). Musikalisch starteten wir mit „A.T.N.C.“ einen neuen Weg. Das erste Album war eher symphonisch ausgefallen. Diesmal aber waren die Kompositionen erwachsener und wir entwickelten den Gedanken, uns einen ganz eigenen Look zuzulegen. Unglücklicherweise bekamen wir nun Probleme mit unserem Label und mussten es verlassen. Wir nahmen zwei Promos auf und schckten diese an Plattenfirmen. In diesem Jahr haben uns dann Nuclear Blast unter Vertrag genommen, was eine große Chance für uns darstellt. Unser neues Album „Scent of Human Desire“ steht bald in den Läden und bringt uns einen Schritt weiter, unseren ultimativen Musikstil zu erreichen.

Bei „Scent Of Human Desire“ handelt es sich um euer drittes Album. Was hat sich geändert an der Arbeitsweise und an der Musik generell?

Wir spielen einen etwas anderen Stil als früher. Wir sind erwachsener geworden und haben andere musikalische Möglichkeiten entdeckt. Das ist eine natürlich Entwicklung. Wir planen da aber nichts. Wir spielen immer das, was wir gerade fühlen. An unserer Arbeitsweise hat sich nichts geändert. Wir sind immer noch mit derselben Leidenschaft wie am Anfang dabei. Allerdings müssen wir uns jetzt noch mehr anstrengen, da wir bei einem größeren Label sind.

Du hattest schon erwähnt, dass eure Musik viele verschiedene Elemente enthält, die da wären: Hard Rock, Power Metal, progressive Parts und klassische Strukturen. Was sind eure Einflüsse? Hört ihr privat alle diese verschiedenen Stilrichtungen?

Das stimmt. Unsere Einflüsse sind sehr verschieden. Sechs Leute, sechs verschiedene Geschmäcker. Normalerweise komponiere ich die Rohfassung der Songs, die Melodien, die Riffs und die Arrangements. Dann fügt jeder andere seine persönliche Note hinzu. Ramon schreibt noch dazu alle Gesangsparts. Wenn das dann alles steht, wird ein wenig gejammt, um vielleicht noch andere Ideen zu finden. Ich höre eigentlich jede Art von Musik, wobei mein Schwerpunkt natürlich schon auf Metal liegt. Aber ich finde auch einige Pop-Künstler sehr interessant, Nelly Furtado zum Beispiel. Am meisten beeinflusst mich aber Hard Rock der Marke Skid Row, Motley Crue und Extreme. Dann wären da noch Bands wie Dream Theater, Angra und Helloween. Und natürlich meine Gitarrenidole Nuno Bettencourt, Jason Becker und Zakk Wylde.

Stimmt es, dass Liebe und Sex für euch auch eine große Inspirationsquelle sind?

Alles, was leidenschaftlich ist, wirkt unheimlich inspirierend auf uns. Liebe und Sex sind sehr leidenschaftlich.

Eure Lyrics handeln sowohl von Fantasy, als auch vom realen Leben. Wo hört das reale Leben auf und fängt die Phantasie an? Für manche Leute ist nämlich deren reales Leben eine einzige Phantasieangelegenheit.

Bei diesem Album ist der Spagat gar nicht so groß wie auf den vorherigen. In der Vergangenheit haben wir mehr Fantasy-Texte verwendet. Jetzt wollten wir aber mehr reale Momente mit hineinpacken, weil ich es besser finde, wenn die Leute etwas von sich selbst in den Songs wiedererkennen. In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, dass ich die Art, auf die viele Bands Fantasy in ihren Texten verwenden, nicht mehr mag. Manchmal scheint es, dass diese Fantasy-Inhalte für Dumme gemacht seien. Fantasy-Literatur mag ich wirklich, weil sie meist eine große Botschaft zwischen den Zeilen transportiert. Aber es gibt wenige Bands, die selbige auch in ihren Texten transportieren können. Blind Guardian machen das meiner Meinung nach hervorragend. Um auf den zweiten Teil deiner Frage zu kommen: Die Phantasie fängt nirgendwo an und das reale Leben hört nirgendwo auf. Manchmal ist das Leben eben ein Traum, weil es wunderschön ist. Aber selbst dann bleibt es immer noch real.

Was hat es mit dem Song „Life Part I – Walking through the dawn“ auf sich? Er kommt gänzlich ohne harte Gitarren aus und weist einen latenten „Musical“-Touch. Wie kam es dazu?

„Life I“ enthält ausschließlich Akustikgitarren. Wir wollten einen „süßen“ Song voller Emotionen auf dem Album haben. Desweiteren beschreibt er auch einen Teil des Konzepts, das hinter „Life I & II“ steht, welche beide Antodio (Keys) und ich komponiert haben.

Das wäre meine nächste Frage gewesen. Was ist das für ein Konzept, das mit „Life Part II – Daylight“ fortgeführt wird? Wollt ihr, so lässt es zumindest der Titel erahnen, die Widersprüchlichkeit des Lebens aufdecken?

Das Leben ist strange. Du weißt nie, was auf Dich wartet. Deswegen sind beide Songs so verschieden. Außerdem sind sie sehr autobiografisch ausgefallen, da sie sich mit der größten Sehnsucht der Menschen befassen. „Life I“ beschreibt die Geburt dieses Verlangens an einem schönen Morgen, „Life II“ beschreibt all die verrückten Sachen, die die Menschen tun, um es zu befriedigen. (lächelt)

Neben Ramons Vocals sind auch einige weibliche Gesangsparts dabei. Wer war dafür verantwortlich?

Wir haben drei verschiedene Sängerinnen im Studio gehabt. Die, die in „Desire“, „Surrounding“ und im Refrain von „Scent of a Woman“ zu hören ist, ist eine gute italienische Popsängerin. Die Stimme am Anfang von „Scent of a Woman“ gehört einer Opernsängerin. Die Dame, die in „More than simple emoptions“ singt, ist eine Hobbysängerin. Sie macht ihre Sache aber sehr gefühlvoll, wie ich finde.

Ihr werdet immer als ein Mitglied der „New Wave Of Italian Heavy Metal“ beschrieben. Was haltet ihr von dieser „Bewegung“? Was war ihr Auslöser, wo ihr Ursprung?

Italien hat eine gute Metalszene. Heutzutage haben wir durch einige Labels und Studios, etc. eine gute Infrastruktur für Heavy Metal vorzuweisen. Dafür muss man Bands wie Rhapsody, Labyrinth und Eldritch danken, die das alles ins Rollen gebracht haben. Mit ihren grandiosen Alben wurde die internationale Aufmerksamkeit auf Italien gelenkt, was anderen Bands stark geholfen hat.

Ist dies auch der Grund dafür, dass Italien hauptsächlich für Power Metal- oder Prog-Power-Bands wie Rhapsody bekannt ist?

Ja, das wird wohl der Grund sein. Aber Italien hat auch viele andere Bands zu bieten, die keinen Power Metal spielen.

Auf welche Weise kann Italien als Land mit seiner wunderschönen Landschaft und seinem Lifestyle inspirierend für eure Musik wirken?

Italien ist wirklich ein schönes Land, das ist wahr. Aber ich bin, ehrlich gesagt, noch nie von der Landschaft inspiriert worden. Vielleicht kommt das noch. Ich lasse mich eher von den italienischen Girls inspirieren. (grinst) Um ehrlich zu sein, reflektiert unsere Musik mehr Italiens Lifestyle als seine Landschaft.

Ihr habt mit Nuclear Blast erstmals ein großes, professionelles Label im Rücken. Was erwartet ihr von dieser Zusammenarbeit?

Natürlich wird unser Bandname wachsen. Wir haben in diesen Tagen viel mit Promotion zu tun, was unsere Bekanntheit steigern wird. Noch dazu wird jetzt endlich keiner mehr ein Problem haben, unser neues Album zu kaufen, da der NB-Vertrieb wesentlich größer ist als der unseres alten Labels. Ich erwarte ein gutes Feedback für „Scent Of Human Desire“, damit wir z.B. auch auf Tour gehen können. Ich möchte unsere Band größer machen, Schritt für Schritt. Dabei wird unser nächstes Album mit Sicherheit die größte Rolle spielen. Wir haben jetzt richtig verstanden, was wir spielen können und müssen.

Euer Sänger Ramon singt noch in einer anderen Band namens Alkemyst, die kürzlich auch von Nuclear Blast unter Vertrag genommen worden ist. Stimmt das? In welche Richtung geht deren Material?

Ja, das ist wahr. Sie spielen eine Mischung aus Power und Prog Metal. Mehr weiß ich aber auch nicht.

Wie sieht es aus mit Fußball? Verfolgst du, was da in Italien so passiert?

Ich habe mal fünf Jahre selbst gespielt und es geliebt, dann aber die Musik entdeckt, die ich noch mehr liebe. An der Gitarre bin ich besser als mit dem Ball. Aber ja, ich verfolge das Geschehen in der italienischen Liga schon ein wenig.

Dann müsstest du doch ziemlich glücklich sein, dass es dieses Jahr gleich drei italienische Vereine ins Halbfinale der Champions League geschafft haben. Wer wird gewinnen? AC Mailand, Inter Mailand, Juventus Turin oder doch der einzige spanische Vertreter Real Madrid?

Hmm…ich denke, der Sieger des Halbfinales Juve – Real wird auch das Finale gewinnen.

Woran liegt es eigentlich, dass Italien so ein großes Hooliganproblem hat?

Das liegt einfach daran, dass diese Hooligans Hohlbirnen sind und sich überhaupt nicht für den Sport interessieren. Aber warum das in Italien so gehäuft vorkommt, weiß ich nicht.

Die Metalszene hat aber keine solchen Gewaltprobleme, oder?

Nein, zum Glück nicht.

Wo siehst du die italienische Szene im Vergleich zu anderen in Europa?

Italiens Szene ist eine der jüngsten und es gibt viele Leute, die lieber über andere reden, anstatt im eigenen Land anzupacken. Sie verschwenden ihre Zeit. Aber das ist zum Glück die Minderheit. Aber alle, mit denen ich Kontakt habe oder befreundet bin, wollen wirklich etwas bewegen und sind durch und durch Fans der Musik. Manchmal denke ich, unsere Szene ist nicht ganz so international wie andere, obwohl wir natürlich viele bekannte Bands haben. Aber wir haben auch viel Potential, was noch in tausenden anderen Formationen schlummert, weswegen ich glaube, dass wir irgendwann das Level der anderen erreicht haben werden.

Dazu werdet ihr mit Sicherheit auch euren Teil beitragen. Ich bedanke mich für die Zeit, die du dir genommen hast, meine Fragen zu beantworten, und wünsche viel Glück für das Erreichen eurer Ziele. Die letzten Worte an die deutsche Leserschaft gehören dir.

Wir sind noch ziemlich unbekannt in Deutschland und wären sehr glücklich, wenn uns die Leute eine Chance geben würden. Passt auf euch auf! Ich hoffe, euch demnächst in Deutschland zu sehen.

12.05.2003

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