
Spere
"Die Synthies machen, was sie wollen."
Interview
Wo zieht ihr denn die Grenze? Gibt es ein Element, bei dem ihr sagt: Bis hierhin und nicht weiter? Sauflieder? EDM-Drops?
Niklas: Wir haben solche Dinge definitiv schon drin. Keinen klassischen Drop, aber einen sogenannten Sub-Drop. Dabei hast du einen Sub-Bass, der langsam runtergeht. Das ist ganz typisch bei Rave-Tracks, ganz am Ende. Den haben wir zweimal drin.
Ehrlich gesagt, ich könnte mir sogar einen Drop vorstellen. Wir haben auf „Blotters In Saline Water“ teilweise schon mit der Stimme gespielt, dass die sich immer wiederholt, und haben sie dann runtergepitcht. Dann vielleicht wieder hoch, kurze Pause – und dann geht‘s los.
Benjamin: Eigentlich gibt es keine Grenzen, Hauptsache der Song funktioniert. Wenn man etwas nur ausprobiert, um es ausprobiert zu haben, bringt das nichts. Aber wenn der Song dadurch geiler wird, dann machen wir das.
Niklas: Das sehe ich definitiv und auch andere Elemente aus dem elektronischen Bereich, die wir bei uns noch gewinnbringend einbauen können. Ich glaube, wir haben die Leute schon ganz gut eingenordet. Auf der Tour waren viele, die dem Ganzen gegenüber erst mal skeptisch waren. Das sieht man auch, wenn die vorne stehen. Sie finden es aber nicht scheiße. Eher so nach dem Motto: „Ja, ist okay.“
Das wird schon grundsätzlich die Marschrichtung sein. Ich scheue mich nicht davor, neue Elemente aus der Elektronik einzubauen und vielleicht auch mal mit Loops zu arbeiten. Ich glaube, damit könnten wir unseren Sound noch einmal verfeinern.
Wir haben jetzt das erste Album mit diesem Konzept gefahren, beim nächsten Mal wird sicher noch die eine oder andere Nuance mehr drin sein. Wir werden das sicher noch verfeinern und ausreifen, aber beim Thema bleiben, das wir jetzt gerade machen.
Sauflieder werden es aber wohl nicht werden, eine SANTIANO-Collab gibt’s nicht. Wir wollen es wirklich ernst halten. Auch wenn wir diese elektronischen Sounds haben, wollen wir keine Party-Musik damit machen. Ich denke, das funktioniert ganz gut so.
Wenn man uns auf der Bühne sieht, machen wir auch keine Faxen und stacheln die Meute nicht dazu an, beim nächsten Mal mitzutanzen. Es ist immer noch Black Metal.
Gibt es einen Song auf dem neuen Album, bei dem ihr euch beim Schreiben selbst überrascht habt?
Niklas: Nicht bei einem spezifischen Song. Das ganze Konzept mit den Synthesizern war etwas, das wir erst einmal ausprobiert und hin und her getestet haben. „Boneless Casket“ zum Beispiel ist einer von den Songs, die noch am verhaltensten sind, da gibt es nur normale Bläser.
Wir hatten vorab zwei Single-Tracks gemacht. Zum einen „Engine Fire“, der sehr elektronisch ist – und dann eben „Boneless Casket“, der eher Dungeon-Synth-Vibes hat. Wir wollten das einfach mal in die Menge werfen und schauen, wie es ankommt.
Benjamin: Für mich persönlich war „Slip The Oar“ überraschend. Da dachte ich am Anfang: Das können wir nicht machen. Ich dachte, das finden die Leute mit Sicherheit scheiße – und es ist genau das Gegenteil passiert. Das ist einer der Songs, die ziemlich gut funktionieren.
Wie ist denn die Resonanz? Gibt es schon einen Fan-Favoriten?
Niklas: Ich denke, das wird „Slip The Oar“ sein. Der zündet schon und hat auch die meisten Hörerzahlen. Der hat auch am meisten Wiedererkennungswert, wenn wir ihn spielen – zumindest für die Leute, die ihn schon mal gehört haben, weil er mit am elektronischsten ist.
Für das ganze Konzept muss ich Benni aber auch wirklich sehr loben. Ich habe mit ihm nicht nur einen Schlagzeuger, sondern jemanden, der die nötige Offenheit mitbringt. Das könntest du mit normalen Leuten nicht machen.
Als ich ihm die Sachen das erste Mal vorgespielt habe, habe ich nicht damit gerechnet, dass das was wird. Es hat auch ein bisschen gedauert, am Anfang war er nicht sicher.
Die Idee, die ich ihm gepitcht habe, waren diese zwei Songs: Der eine wie gesagt eher Dungeon-Synth und der andere sehr elektronisch. Ich habe gesagt: „Pass auf, wir machen jetzt Singles – und zwar erst mal beide.“
Das war total unverbindlich und dann haben wir geguckt. Er kann sich vorher nicht viel darunter vorstellen, bevor der Song produziert ist. Bei mir ist es anders, weil ich ihn selber schreibe.
Benjamin: Ja, das macht immer einen Unterschied.
Niklas: Deswegen war er am Anfang, bevor alles aufgenommen war, recht skeptisch, aber ich glaube, als alles fertig war, fand er es auch besser.
Benjamin: Dann war es relativ schnell klar, ja.
Wenn ich euch euer komplettes Gear wegnehme und ihr dürft nur eine Sache behalten, um „Blotters In Saline Water“ zu spielen, was behaltet ihr?
Niklas: Die Sampler. Da können wir auch Drums und Vocals draufballern, aber dann müssten wir doch tanzen. Dann brauchen wir einfach einen Tisch, ein DJ-Set, und dann drücken wir nur noch auf Knöpfe. Das Ding ist bei uns definitiv am entscheidendsten.
Daran könnte man uns noch wiedererkennen, wenn keiner von uns da wäre, aber nicht an den Drums oder nur an den Vocals. Das Teil spielt wirklich die zentrale Rolle.
Habt ihr einen Lieblings-Sound-Effekt?
Niklas: Es gibt eine gewisse Technik aus dem EDM-Bereich, die sich Sidechain nennt. Schon seit fünf, sechs Jahren hatte ich die Idee – immer mal, wenn ich im Gym war und dabei Techno gehört habe, das in den Metal zu bringen.
Das funktioniert so: Du hast einen durchgehenden Synthesizer, der einen Ton erzeugt, aber per Automation immer dann einmal komplett auf null runtergefahren wird, wenn eine Snare oder ein Kick kommt. So bekommt der Schlag im Klangraum maximale Wirkung. Das ist ein gängiges Element im Rave und Techno, eigentlich in allen möglichen elektronischen Richtungen.
„Slip The Oar“ war der erste Song, auf dem ich das ausprobiert habe. Dafür musste ich Benni erst mal ein bisschen einnorden, weil man da als Drummer nicht so viele Faxen machen darf. Da muss man super straight spielen, ohne Wirbel – und die spielt er eigentlich sehr gern. Aber an diesen Stellen müssen wir dann komplett straighte Takte haben.
Das wäre eines dieser Elemente, mit denen wir uns auszeichnen könnten. Ich würde sogar fast sagen, dass ich so etwas noch nie irgendwo anders im Metal gehört habe.
Benjamin: Es ist genau so, wie Niklas es gesagt hat. Selbst wenn es wirklich mathematisch exakt eingespielt ist, hat der Zuhörer bei diesen Effekten trotzdem das Gefühl, dass etwas ein bisschen davor und ein bisschen danach liegt. Es klingt nie tight – und das ist eben ungewohnt. Sowohl wenn man es hört als auch wenn man es spielt.
Man kennt es einfach nicht aus dieser Art Musik, wo eigentlich immer alles total genagelt sein soll. Da ist genau das Gegenteil eigentlich der Sinn und Zweck der Sache.
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| Band | |
|---|---|
| Stile | Black Metal |
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Louisa Esch
































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