Vomitory
Interview mit Tobias Gustafsson zu "Opus Mortis VIII"

Interview

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Bereits zum achten Mal präsentieren sich VOMITORY als konstant hochklassige Schlachteneinheit, die sich dennoch von Album zu Album ein wenig weiterentwickelt. Auch das neuste Werk “Opus Mortis VIII“ hat, neben den typischen Trademarks der Truppe, auch einige Neuerungen zu bieten, über die metal.de mit Fellhauer Tobias Gustafsson sprach.

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Hallo Tobias, alles fit bei euch in Schweden?

Abgesehen davon, dass es draußen etwa 20 Grad zu kalt ist, ist bei uns alles klar – ich hab echt keinen Bock mehr auf den ganzen Schnee im Moment.

Zunächst möchte ich sagen, dass ich über viele Jahre ein großer VOMITORY-Fan bin, wobei ich erstmal von “Opus Mortis VIII” ein wenig enttäuscht war. Nach einigen Durchläufen mehr, gefällt es mir aber mittlerweile richtig gut. Würdest du sagen, dass euer neustes Album komplexer als seine Vorgänger ist?

Schön zu hören, dass du es letztendlich doch magst. Also ich denke, dass “Opus Mortis VIII” definitiv variabler und vielfältiger als unsere anderen Alben ist, über Komplexität kann ich allerdings nichts sagen. Schließlich haben wir ja kein Album etwa im Stil von MESHUGGAH gemacht. Klar, es trägt eine Menge neue Ideen von uns in sich, aber mal Hand aufs Herz – “Opus Mortis VIII” ist immer noch geradliniger Old-School-Death-Metal ganz in der Tradition von VOMITORY. Die Texte sind ebenfalls äußerst straight, wie sie eben immer sind.

Weiter ist mir aufgefallen, dass “Opus Mortis VIII” durchweg heavier klingt als “Carnage Euphoria”, was eher eine recht schnelle Platte war. Woher rühren diese Entwicklung und die vergrößerte Variabilität in eurem Songwriting?

Ich finde es ist eigentlich nur eine logische Weiterführung, von dem, was wir auf “Carnage Euphoria” gemacht haben. Bevor wir anfingen, an dem Material zu schreiben, haben wir nicht großartig darüber nachgedacht, wie die Songs strukturiert sein sollten. Ich stimme dir zu, dass die Platte an vielen Stellen durchaus heavier ist, was sich aber in meinen Ohren super mit den schnelleren Parts mischt. Innerhalb der letzten Jahre ist uns glaube ich bewusst geworden, dass es sehr wichtig ist, mehr groovigere und brachialere Passagen einzubauen, um die Musik interessanter zu gestalten, nicht allein für uns selbst.

Für mich ist es dein typisches Drumming und das fiese Organ von Erik, aber was macht “Opus Mortis VIII” für dich zu einem charakteristischen VOMITORY-Album?

Danke dir für das Kompliment! Abgesehen von den individuellen Spielweisen am jeweiligen Instrument oder am Mikro, sind es unsere typischen Songstrukturen und Trademarks (z.B. das Benutzen von Crust-Parts/D-Beats oder die Gitarren die immer wieder zwischen gewissen Harmonien einsetzen und so weiter) denke ich. Das macht “Opus Mortis VIII“ zu einem typischen Album von VOMITORY.

Nebenbei springt natürlich gleich das sicherlich detaillierteste Cover-Artwork in der Bandgeschichte ins Auge. Könntest du einmal erklären, was genau zu sehen ist und wie sich das mit der Thematik der Platte verknüpfen lässt?

Ja, es ist in der Tat ein absolutes Killer-Artwork! Wir sind wirklich hochzufrieden damit. Dabei handelt es sich um den polnischen Künstler Lukasz Jaszak, der eine Riesenarbeit für uns mit diesem Cover geleistet hat. Es zeigt ein Streicherquartett aus verwundeten Soldaten, die spielen, während im Hintergrund der Kriegsalltag im vollen Gange ist – Explosionen, tote und sterbende Soldaten, Bomber, Fallschirmjäger und einiges mehr. Es ist brutal, wunderschön und friedvoll in einem. Das Cover-Artwork ist nicht direkt mit einem Song auf dem Album verknüpft, aber natürlich gibt es einige Stücke, die thematisch mit einem unserer Lieblingsthemen in Verbindung zu bringen sind – das ist Krieg. Es war Peter Östlund, unser Gitarrist, der mit der Idee des “Opus VIII” (so war es zuvor angedacht) und dem Streicherquartett auf dem Schlachtfeld kam.

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Nochmals in Bezug auf die Lyrics und den thematischen Aspekt: Womöglich liege ich falsch, aber es scheint, als sei “Opus Mortis VIII” das konzeptionellste und tiefgängigste Werk bisher von euch. Würdest du zustimmen und was wollt ihr mit eurem achten Album erzählen?

Nein, also ich weiß es nicht wirklich. Ich finde es super, wenn sich die Leute Gedanken über unsere Texte machen, allerdings war das nie die Intention von VOMITORY. Erik, der die meisten der Lyrics schreibt, steckt sicher eine Menge Mühe dort hinein, dennoch ist er nicht gerade der tiefgängigste Schreiber. Er schreibt lieber direkt und unverblümt. Hinsichtlich der Musik würde ich dir dahingehend eher zustimmen. Dort passieren deutlich mehr unterschiedliche Dinge als noch auf unseren älteren Alben, dennoch sage ich ganz deutlich, es ist wieder mal charakteristischer Death Metal der Marke VOMITORY.

Für die Erstpressung im Digipack habt ihr euch dafür entschieden, vier Klassiker der Bandgeschichte zu covern. Woher kam diese Idee und warum ausgerechnet diese vier Stücke?

Mindestens drei von den vier Stücken befinden sich seit Jahren immer wieder in unserem Live-Set, daher dachten wir, es wäre vielleicht cool, diese mit aktuellem Line-Up und einer Killer-Produktion neu aufzunehmen. . Ich finde die alten Songs treten noch mächtig Arsch. Das erste Album (wo “Nervegasclouds“ und “Raped In Their Own Blood“ drauf sind) hängt ein bisschen einer eingestaubten Produktion nach und unser Sound hat sich seitdem schon ein bisschen verändert. Ich denke, den Fans wird es gefallen. Wir haben dahingehend bereits einige gute Reaktionen erhalten.

Es heißt, dass Rikard Löfgren auf “Opus Mortis VIII” den wohl klarsten und intensivsten Sound eurer Karriere herauspoliert hat. In der Tat finde ich, dass die Rohheit im Sound wie etwa auf “Terrorize, Brutalize, Sodomize” so ziemlich raus ist, allerdings klingt es immer noch reichlich brutal und auch irgendwie passend. Warum habt ihr euch für diesen durchaus moderneren Sound entschieden?

Yeah, Rikard Löfgren hat sich wieder einmal selbst übertroffen auf diesem Album. Er ist der Beste, den man sich vorstellen kann und wir können uns immer sicher sein, das Studio mit einem Top-Album in den Händen und einem dicken Lachen auf dem Gesicht zu verlassen. Wie du bereits angedeutet hast, ist der Sound auf “Terrorize, Brutalize, Sodomize” sowas von dermaßen brutal und wir lieben ihn, aber wir wollen eine Entwicklung mit jedem Album – auch wenn es sich nur um kleine Schritte handelt. Dieses Mal zielten wir also auf eine saubere, hochklassige aber gleichzeitig brutale und zerstörerische Produktion ab und ich denke, wir hatten damit vollen Erfolg. Obgleich ich finde, dass unser Sound tief im Old-School-Brutal-Death-Metal verwurzelt ist, finde ich, dass es ein logischer Weg ist, etwas Frisches auszuprobieren, was wir auch mit uns als Band vereinbaren können. Ich sage mal so, VOMITORY gibt es nun seit 1989, das ist länger als viele unserer Fans überhaupt auf der Welt sind! Wir haben immer daran gearbeitet, einen zeitgemäßen Sound beziehungsweise eine zeitgemäße Produktion in unsere Alben einzuarbeiten, aber ich würde diesen trotzdem nicht unbedingt als “modern“ bezeichnen.

Euer typischer musikalischer Stil ist immer noch Old-School-Death Metal. Bist du auch privat ein absoluter Old-Schooler oder kannst du auch den neueren Death-Metal-Releases etwas abgewinnen?

Die einzigen Death-Metal-Bands die derzeit aus dem Boden sprießen, die ich gleichzeitig auch mögen könnte, wären jene, die Old-School-Death-Metal spielen oder wenigstens einen Fuß in diesem Genre haben. Natürlich stehe ich nicht ausschließlich auf Musik der alten Schule, wenn es sich allerdings um Death Metal handelt, dann bin ich schon ziemlich Old-School denke ich. Auch da gibt es selbstverständlich Ausnahmen, allerdings sind diese sehr knapp bemessen.

“Carnage Euphoria” hat vor zwei Jahren das zwanzigjährige Bestehen der Band markiert, ihr scheint nun, zwei Jahre später, noch immer lange nicht ausgebrannt zu sein – zweifellos nicht! Sieht ganz nach einer noch recht langen Zukunft für VOMITORY aus, oder?

Nein, wir sind bis jetzt noch nicht ausgebrannt, haha. Wir haben noch einiges in petto. “Carnage Euphoria” im sogenannten Jubiläumsjahr herauszubringen war sicherlich ein tolles Gefühl für uns. Es hat uns gezeigt, dass VOMITORY nicht zu den Bands gehören, die mit aller Gewalt versuchen, weiterhin aktiv zu bleiben und sich nur noch auf ihren alten Lorbeeren ausruhen, viel mehr handelt es sich um eine Kombo, die noch nie besser, vitaler und aktiver geklungen hat, als in genau dieser Zeit. Nun, zwei Jahre später, stehen wir kurz vor dem Release unseres achten Albums ”Opus Mortis VIII”, mit dem wir hochzufrieden sind. Wir freuen uns dieses Jahr auf Tour zu gehen, um die Scheibe ordentlich zu promoten, also ja, eine sehr aussichtsreiche Zukunft für uns.

Das war alles von meiner Seite, ich hoffe euch bald wieder in Deutschland begrüßen zu dürfen – weiterhin freue ich mich schon ganz besonders auf euren kommenden Gig auf dem Summer Breeze und hoffe es wird so genial wie 2009! Die letzten Worte gebühren selbstredend dir!

Wir freuen uns ebenfalls extrem auf das Summer Breeze! Der Support von unseren Fans vor zwei Jahren war echt jenseits von Gut und Böse, demnach wird dieses Jahr sicherlich auch ein Killer werden! Danke Dir für das Interview!

Galerie mit 15 Bildern: Vomitory auf dem Summer Breeze Open Air 2017
08.04.2011

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