Mystic Festival 2022
Ahoi, Gdansk!

Konzertbericht

Billing: Judas Priest, Mercyful Fate, Saxon, Hellripper, Celtic Frost, Leprous und Opeth
Konzert vom 01.06.2022-04.06.2022 | Werft Gdansk, Gdansk

04.06. Tag 3 – Das Ende einer Reise – Land in Sicht

Es ist Samstag und das bedeutet, der letzte Tag eines bisher sehr schönen Festivals bricht an. Mit etwas Schwermut in den Beinen zieht es uns ein letztes Mal in das alte Gdansker Hafengelände. Ein letztes mal begrüßen uns die alten Stahlkräne im Hintergrund. Doch die Veranstalter haben natürlich dafür gesorgt, dass das Abschied nehmen nicht ganz so schwer fällt.

Verrückt – Durchgeknallt – IGORRR

Schnell ist alles vergessen, denn auf der Hauptbühne wartet der wohl ungewöhnlichste Act des gesamten Festivals auf uns: Die französische Ausnahmeband IGORRR. Es ist gar nicht leicht zu beschreiben, was da musikalisch auf einen zukommt. Man kann es nicht anders beschreiben, als mit genial. Im Grunde vermischen IGORRR Elemente des Industrial/Elektro mit Death- und Black-Metal-Elementen und garnieren diese mit Klängen von Oper und Balkan Beats. Mag nach einer ungewöhnlichen Mischung klingen. Ist es zwar auch. Doch sie geht gerade live sehr gut auf. Mittlerweile hat Mastermind Gautier Serre eine starke Live-Band zusammengetrommelt, die den Sound von IGORRR selbst auf der größten Bühne mächtig und erhaben klingen lässt. Die teils wirren Sound-Samples, die man auf den Alben kennt, wurden für das Live-Set fallen gelassen. Man konzentriert sich vorrangig auf die Banger. Und die kommen bei dem Publikum am frühen Abend extrem gut an.

Konzertfoto von Igorrr - Mystic Festival 2022

Igorrr – Mystic Festival 2022

Norwegischer Noise-Rock mit ÅRABROT

Glücklich und zufrieden nach dem gelungenen Konzert von IGORRR lohnt sich für manche Insider ein Blick auf die Desert Stage. Dort präsentieren sich die NorwegerInnen von ÅRABROT stilecht und ganz in weiß gekleidet. Ihre Mischung aus Noise-Rock, Gothic und Sludge sagt aber nicht unbedingt jedem zu, weswegen sich das Interesse des Publikums eher in Grenzen hält. Ein weiterer Grund könnte auch die Band sein, die sich mittlerweile auf der Shrine Stage warm macht.

Konzertfoto von Årabrot - Mystic Festival 2022

Årabrot – Mystic Festival 2022

Spitzenklasse mit WIEGEDOOD

Mit WIEGEDOOD spielt dort nämlich parallel nicht nur eine der aktuell besten Black-Metal-Bands der Niederlande. WIEGEDOOD haben sich auch international mittlerweile zur Speerspitze der aktuellen Black-Metal-Bewegung hochgekämpft. Doch nicht nur auf ihren Alben können WIEGEDOOD volle Punktzahlen erzielen. Auch live sind die Niederländer eine Urgewalt eingehüllt in blutrotes Licht. Die Songs präsentieren sich brachial auf der einen, aber fragil und verletzlich auf der anderen Seite. Das ist natürlich nichts neues im Black Metal. Doch ist es eine wahre Freude dem Trio dabei zuzuschauen, wie sie es auch live schaffen, auf einem technisch so hohem Niveau zu bleiben.

Konzertfoto von Wiegedood - Mystic Festival 2022

Wiegedood – Mystic Festival 2022

Polnische Death-Metal-Urgewalt

Für Fans des klassischen Death Metals gibt es auf der Main Stage nun ein wahres Sahnehäubchen. Die polnische Death-Metal-Legende VADER tritt hier in ganz spezieller Form auf. Das heutige Konzert steht nämlich ganz im Sinne ihres 1995 erschienen Kultalbums „De Profundis“. Dementsprechend dreht sich die Setlist auch vornehmlich um Songs von diesem Album. Die geballte Ladung traditionellen Deaths kommt bei den heimischen Fans sehr gut an und VADER werden immer wieder unter großem Jubel gefeiert. Dennoch präsentiert sich das Set wenig abwechslungsreich und rumpelt zwar mächtig, aber dennoch auf 70 min gemessen monoton vor sich hin. Zum Glück, kann man das „Spektakel“ auch beim Essen genießen.

Konzertfoto von Vader - Mystic Festival 2022

Vader – Mystic Festival 2022

Die Sonne geht unter mit SÓLSTAFIR

Eigentlich hätten die Post-Metaller von SÓLSTAFIR den Rausschmeißer um 1 Uhr nachts machen sollen. Und eigentlich sollen an dieser Stelle die Industrial-Überväter von KILLING JOKE spielen. Ein Event, auf das sich besonders viele Besucher (und auch einige Bands) sehnsüchtig gefreut haben. Leider können KILLING JOKE aus „logistischen“ Gründen doch nicht mehr am Mystic Festival teilnehmen. Daher begleiten uns nun SÓLSTAFIR in den Sonnenuntergang hinein. Dennoch macht sich bemerkbar, dass diese Art Musik wirklich in die tiefere Nacht gehört hätte. Wer also noch nach einer gediegenen Dose Aufputschmittel sucht, weicht auf die kleineren Bühnen aus.

Konzertfoto von Sólstafir - Mystic Festival 2022

Sólstafir – Mystic Festival 2022

Kontrastprogramm der Landsleute

Auf der Desert Stage warten nämlich die ebenfalls aus Island stammenden THE VINTAGE CARAVAN auf ein sehr hungriges Publikum. Es ist schon eine Weile her, seitdem das Vintage-Rock-Trio das letzte Mal in Polen spielen konnte. Es ist außerdem das erste Sommerfestival seit Ausbruch der Pandemie für THE VINTAGE CARAVAN. Die Jungs präsentieren sich generell auf jedem Konzert mit bester Spiellaune. Diesen Abend jedoch scheinen sie aber noch mehr Bock auf Rock’n’Roll zu haben. Und damit sind sie nicht alleine. Das Publikum feiert Song um Song, als wären THE VINTAGE CARAVAN ein lang ersehnter Headliner. Auch Leute, die bisher noch nichts von den Isländern gehört haben, drängen sich immer mehr zur Desert Stage, bis es eigentlich keinen freien Sichtplatz mehr gibt. Klare Sache: Diese Jungs hätten durchaus auch auf die größere Bühne gehört.

Konzertfoto von The Vintage Caravan - Mystic Festival 2022

The Vintage Caravan – Mystic Festival 2022

Imperiales Jazzgeschredder auf der Shrine Stage

Während THE VINTAGE CRAVAN draußen den Kessel zum Glühen bringen, gibt es die perfekte Unterhaltung für alle, die es extrem und proggy mögen: IMPERIAL TRIUMPHANT schweben mit ihren düsteren Gewändern und mystischen Masken über die Shrine Stage und zeigen, wie man progressiven Black Metal zelebriert. Sicherlich keine Musik für den allgemeinen Metal-Liebhaber. Aber es gibt einige Musik-Nerds, die sich auf diesen besonderen Auftritt gefreut haben. Ganz voll wird die Halle aber dennoch nicht. Vielleicht, weil die Ablenkung draußen zu groß ist.

Imperial Triumphant - Mystic Festival 2022

Imperial Triumphant – Mystic Festival 2022

Ein Auftritt für die Geschichtsbücher – The Kings are back!

Doch dann endlich ist es so weit. Die schwarze Masse drückt sich im Eiltempo zur Main Stage. Diese ist schon voller Spannung geladen und mit einem gigantischen Vorhang eingehüllt, dessen Schriftzug schon ankündigt, wer hier gleich aufspielen wird: MERCYFUL FATE! Eine der wenigen Bands in der Historie des Metals, die von sich behaupten kann, alles angefangen zu haben (neben BLACK SABBATH und JUDAS PRIEST natürlich). Alle drücken sich nach vorne, weil sie den legendären King Diamond und seine Truppe endlich sehen wollen. Diese lassen sich aber ordentlich Zeit, und die Spannung steigt ins unermessliche.

Doch dann endlich fällt der Vorhang unter gigantischem Jubel und das über zwei Etagen führende Bühnenbild präsentiert sich in seiner ganzen Pracht. Während Hank Shermann und Co. das Intro zu „The Oath“ einleiten, stolziert King Diamond gewohnt dramatisch aus einer Seitentür im oberen Aufbau und die Treppen hinunter. Eingehüllt in eine blutrote Robe und mit einem Widderkopf als Helm. Sicherlich trifft der mittlerweile 66-jährige (sic!) nicht mehr jeden Falsettgesang wie noch zu „Don’t Break The Oath“-Zeiten. Dennoch ist sein stimmliches Volumen immer noch gigantisch. Von den höchsten Tönen bis zum harten Gesang gelingen ihm die Übergänge immer noch fließend. Egal ob singend oder nicht, hüpft er elegant über die Bühne und spielt mit theatralischer Mimik und Gestik, als wäre er noch in seinen 30er-Jahren.

Doch nicht nur ihm, auch der ganzen Band merkt man an, dass sie richtig Bock haben, wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Doch nicht nur das: MERCYFUL FATE  haben sogar einen neuen Song geschrieben. Der erste nach 23 Jahren (!). „The Jackal of Salzburg“ ist laut King Diamond zwar noch nicht ganz fertig. Aber was wir bisher hören können, klingt verdammt nah wie ihre frühen Werke. Da könnte also in zeitnaher Zukunft etwas Großes auf uns zukommen. Es ist auch beachtlich, wie zeitlos die Musik von MERCYFUL FATE nach teilweise fast 40 Jahren Bestehen auch heute noch ist. Schon vor allen anderen haben MERCYFUL FATE Musik geschaffen, die von allen Generationen in gleichem Maße genossen werden kann. Hier liegen sich Teenager und Oldtimer gleichermaßen in den Armen und feiern die Reinheit des Metals. Leider ist das Konzert dann doch etwas kürzer als angekündigt und MERCYFUL FATE verlassen die Bühne ohne große Worte zu verlieren wieder. Ein bisschen mehr Interaktion mit dem Publikum hätte schon drin sein können.

Konzertfoto von Mercyful Fate - Mystic Festival 2022

Mercyful Fate – Mystic Festival 2022

LEPROUS – Die letzten Helden

Sie hätten eigentlich gar nicht auf dem Mystic Festival spielen sollen. Und bis Donnerstag hatten sie es auch nicht auf dem Schirm gehabt. Doch durch den Ausfall von KILLING JOKE, sind die Norweger kurzerhand nach Gdansk gereist, um uns noch ein letztes kleines Highlight eines ohnehin vollgepackten Festivals zu bieten. Spätestens seit ihrem letzten und vielseits umjubelten Album „Aphelion“ sind LEPROUS auch in Polen kein Geheimtipp mehr. Deswegen wundert es nicht, dass Einar Solberg und Co. trotz später Stunde frenetisch empfangen werden. Wie auch bei THE VINTAGE CARAVAN spielen sich LEPROUS mit jedem Song richtig in Rage und entfesseln eine Energie, die noch über die Park Stage hinaus geht. Nicht ganz umsonst füllt sich auch hier Das Publikum mit jedem Song mehr und mehr. LEPROUS schaffen es, die Energie ihrer Songs perfekt aufs Publikum zu übertragen (oder ist es anders herum?) und zeigen, dass sie ein wahrer Glücksgriff der Veranstalter sind. Besser hätte man das Mystic Festival eigentlich nicht ausklingen lassen können.

Konzertfoto von Leprous - Mystic Festival 2022

Leprous – Mystic Festival 2022

Mystic Festival 2022 – Fazit

Und damit endet dann ein wirklich fantastisches Festival, dass hierzulande (leider) nur einen viel zu geringen Bekanntheitsgrad genießt. Das mag auch daran liegen, dass der Schatten des Pol’and’Rock Festivals (ehemals Woodstock Festival) nur allzu gigantisch ist. Dennoch war und ist das Mystic Festival eine Hausnummer in Polen, die sich gewaschen hat. Ein Line-Up wie JUDAS PRIEST, MERCYFUL FATE, OPETH, MASTODON, HEILUNG, BLEED FROM WITHIN, VADER, CODE ORANGE, KATATONIA, BARONESS, SAXON, BENEDICTION, MAYHEM, CARCASS, DECAPITATED sieht man hierzulande höchstens noch auf dem Wacken Open Air (und wird wahrscheinlich in Europa nur noch vom Hellfest in Frankreich) übertroffen.

Das bisherige Konzept des Festivals sah es vor, dass es jedes Jahr an einem anderen Ort stattfinden wird. Wie sich dieses Jahr gezeigt hat, ist das alte Hafengelände von Gdansk eigentlich wie gemacht für ein derartiges Festival. Bleibt zu hoffen, dass sie es nächstes Jahr wieder dort stattfinden lassen werden.

Wenn man etwas kritisieren möchte, dann ist es die Kommunikation vor Ort. Gerade als internationaler Festivalgast war es am Anfang nicht leicht, das Gelände bzw. den Eingang zu finden. Trotzdem Gdansk ein Touristenmagnet ist, findet man viele Beschilderungen (gerade im ÖPNV) nur auf polnisch vor. Ausschilderungen des Mystic Festivals in Gdansk selber bzw. in direkter Nähe fand man vergeblich. Viele Bewohner von Gdansk schienen auch ratlos, dass dort überhaupt ein Festival stattfinden wird. Wenn die Veranstalter mehr internationales Publikum generieren möchte, besteht hier noch Nachholbedarf.

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18.06.2022

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Judas Priest, Saxon, Hellripper, Leprous und Opeth auf Tour

31.07. - 03.08.24Wacken Open Air 2024 (Festival)Accept, Alcatrazz, Alligatoah, Amon Amarth, April Art, Ankor, Architects, Armored Saint, Archaic, As Everything Unfolds, Asagraum, Asenblut, Asrock, Avantasia, Axel Rudi Pell, Aeonik, Baroness, Beast In Black, Beasto Blanco, Behemoth, Betontod, Blaas Of Glory, Black Sabbitch, Black Tooth, Blackbriar, Blind Channel, Blind Guardian, Blues Pills, Bokassa, Brutus (BE), Bülent Ceylan, Bury Tomorrow, Butcher Babies, Cherie Currie, Chuan-Tzu, Cradle Of Filth, Crisix, Crystal Viper, Dear Mother, Deimos' Dawn, Die Habenichtse, Dokken, Dragonforce, Drone, Einherjer, Embryonic Autopsy, Emil Bulls, Endstille, Equilibrium, Evile, Extrabreit, Exumer, Feuerschwanz, Fiddler's Green, Fleshless Entity, Flogging Molly, Flotsam And Jetsam, Future Palace, Gaupa, Gene Simmons, Girlschool, Half Me, Heidevolk, Hellripper, Hirax, Hitten, Ignea, In Extremo, Incantation, Infected Union, Info, Inherited, Insomnium, Jaya The Cat, Jesus Piece, Jet Jaguar, John Coffey, Jungle Rot, Karabiner, Kasck, KK's Priest, Knorkator, Koenix, Korn, Kupfergold, Liv Kristine, Massive Wagons, Mayhem, Messiah, Metaklapa, Misery Oath, Mister Misery, Motionsless in White, Mr.Big, Nachtblut, Necrotted, Objector, Oomph!, Opeth, Paddy And The Rats, Pain, Paramena, Persefone, Phantom Excaliver, Planet Of Zeus, Portrait, Prey For Nothing, Primal Fear, Primordial, Rage, Raven, Red Fang, Robse, S.D.I., Scorpions, Sebastian Bach, Shredhead, Sick Of It All, Skeletal Remains, Skiltron, Skyline, Soil, Sonata Arctica, Source Of Rage, Spiritbox, Sunken State, Suzi Quatro, Svartsot, Swartzheim, Sweet, Tankard, Testament, Textures, The 69 Eyes, The Amity Affliction, The Baboon Show, The Black Dahlia Murder, The Darkness, The Warning, Thyrfing, Tragedy, Trelldom, Tri State Corner, Uada, Uli Jon Roth, Unleash The Archers, Van Canto, Vanaheim, Varang Nord, Vio-lence, Vogelfrey, Vreid, Walkways, Wasted Land, Watain, Whitechapel, Wolf, Xandria und ZebraheadWacken Open Air, Wacken
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