Panzerballett
live in Münster

Konzertbericht

Billing: Panzerballet, Consider The Source, Monophonist
Konzert vom 15.10.2012 | Sputnik, Münster

MONOPHONIST

Galerie mit 10 Bildern: Monophonist - Panzerballett - Tank Goodness-Tour 2012 - Münster

Die selbsternannte „Vorspeise des Abends“ stellen die Kölner MONOPHONIST mit ihrem HardBreakJazzPunkNRoll auf die Bühne des Sputniks. Serviert wird diese deftige Vorspeise mit Gitarre, Bass, Drums, dezenten Synthieeinsatz, viel Geschrei und gelegentlichen Saxophon-Einlagen. Der Titel „Nach uns die Sintflut“ gibt auch grob die Geschmacksrichtung vor: Sänger Jonathan brüllt seine Gesellschaftskritik punkig, aber monoton ins Mikro, unterfüttert mit Drum & Bass, Synthieklängen und komplexen Rhythmen. In „Old Fashioned“ wird ein Cocktail besungen, und mit „Kadenz“ wird zwar ein Liebeslied angekündigt, was aber überhaupt nichts mit Romantik zu tun hat, jedenfalls nicht musikalisch. Den Schluss bildet ein Lied über den Krieg im Kopf, was dann auch irgendwie den Auftritt passend charakterisiert – man weiß nicht so recht, was man von der Musik halten soll, sie divergiert in viele Richtungen gleichzeitig, vieles reibt und kracht – aber genau das ist auch die von den drei Jungs gewünschte Wirkung ihrer Musik. So gesehen: Mission accomplished.

 


 

CONSIDER THE SOURCE

Galerie mit 16 Bildern: Consider The Source - Panzerballett - Tank Goodness-Tour 2012 - Münster

Die drei New Yorker von CONSIDER THE SOURCE sind extra für die Tournee mit PANZERBALLET über den großen Teich gehüpft, wobei man sie rein musikalisch schon nicht mehr als Vorband, sondern als zweiter Main Act einstufen muss.

In der (fast) klassischen Besetzung Doppel-Gitarre, Bass und Schießbude hauen sie uns einen sehr jazzigen Sound um die Ohren, ein meist treibender, recht komplexer Rhythmus lässt das Publikum gespannt zuhören, welches sich zu sehr wohlwollendem Mitnicken hinreißen lässt. Schon zu Beginn überrascht Gabriel Marin mit sehr nach klassischer Jazztrompete klingenden Sounds, die er der oberen Hälfte seiner Doppel-Gitarre mit entsprechendem Modeler entlockt. Aber auch auf der unteren Hälfte kann er mit meist cleanem Sound und seiner hervorragenden Spieltechnik beeindrucken. Auch das in den jazztypisch langen Titeln unvermeidliche Saxophon-Solo, unterlegt mit Drum&Bass-Rhythmen, klingt sehr überzeugend und wird mit viel Applaus und Jubel belohnt. Zwischen den Titeln leidet der Kontakt zum Publikum etwas an den sehr spärlich gesäten Ansagen, erst die Musik knüpft dann wieder dieses Band.

Beim letzten Titel darf John Ferrara am Bass in einem Solo nochmals sein Können unter Beweis stellen, bei dem er  sich richtig in Ekstase spielt, sodass alleine schon das Zuschauen eine wahre Freude ist. Wo ein Solo ist, ist das nächste nicht weit, und so wird auch die E-Gitarre nochmals so richtig rangenommen – wahrscheinlich würde Gabriel am liebsten drauf rumtrampeln, nur um ihr noch krassere Sounds abzuringen.

Und aller guten Dinge sind drei – so fährt auch Jeff Mann hinter der Schießbude nochmals großes Geschütz auf und feuert aus allen Rohren. Mit dem wohl verdientem Applaus endet dann der Auftritt der Amerikaner, die jetzt bestimmt ein paar Fans mehr haben.

Es folgt ein kurzer Auftritt unserer Lieblingsband UMBAUPAUSE, um Platz zu schaffen für das nun anrollende PANZERBALLET.

 


 

PANZERBALLET

Galerie mit 25 Bildern: Panzerballet - Panzerballett - Tank Goodness-Tour 2012 - Münster

Zur Einstimmung gibt es erstmal eine Popschnulze auf die Ohren – oder vielmehr das, was PANZERBALLET aus „Time Of My Life“ gemacht haben. Das musikalische Motiv ist klar erhalten geblieben, darunter liegt jetzt aber ein komplexerer, meist schneller Rhythmus, ein meistens metallisch klingender Bass, und gelegentliche Blasts und Doublebass sorgen für noch mehr Abwechslung.

Apropos – Abwechslung in jeder musikalischen Dimension scheint eines der Grundkonzepte der fünf Musiker zu sein. Keine Minute klingt wie irgendeine andere innerhalb des Konzerts. Die Songauswahl besteht aus ein paar Covern – soweit man es bei den „verkrassten“ Modifikationen überhaupt noch so nennen kann – und ein paar Eigenkompositionen, und alles strotzt nur so von musikalischen Spielereien.

Damit das Publikum nicht nur staunt, sondern auch was versteht, erklärt Jan Zehrfeld zwischen den Titeln immer wieder ein paar Besonderheiten der Stücke. So werden wir beim Titel „Mustafari Like Di Carnival“ auf den speziellen Rhythmus hingewiesen. Dieser wird zwar gefühlt langsamer, aber trotzdem kann man weiterhin dazuheadbangen, da er in Wirklichkeit konstant weiterläuft. Beim folgenden „Fake Five“ wird die linke Hälfte des Publikums aufgefordert, zu dem schnelleren der beiden gleichzeitig laufenden Rhythmen zu bangen, die rechte Hälfte zu dem langsameren. Der Polyrhythmus macht’s möglich.

Mit „Giant Steps“ von John Coltrane, einem weiteren Jazzstandard, der mit heftigen, tiefen Saitenklängen untermalt wird, geht es  weiter zur ersten Eigenkomposition des Abends namens „Zehrfunk“. Auch hier wird uns wieder eine musikalische Spielerei erklärt: die beiden Gitarristen spielen abwechselnd jede zweite Note des Hauptriffs, wodurch sich ein lustiger Stereo-Effekt ergibt. Wie im Jazz unvermeidbar gibt es in diesem Stück zahlreiche Soli, bei denen auch Heiko Jung am Bass und Sebastian Lanser hinterm Schlagzeug klarmachen, dass sie weit mehr als nur akustische Deko draufhaben. Überhaupt muss man den 5 jungen Männern ein großes musikalisches Können attestieren, welches sie mit viel Spaß und Spielfreude auf die kleine Bühne bringen.

Nach einer weiteren Runde Jazzmetal mit Anleihen bei PANTERA, angereichert mit Polyrhythmen und Saxophon und einigen nickenden Nacken im Publikum, wird zur Abwechslung (nicht dass es irgendjemand am Ende doch noch eine halbe Sekunde langweilig werden könnte) noch die Fusion-Ecke beackert: „Some Skunk Funk“ von Randy Brecker, welches durchgängig aus Quintolen besteht – was die Band ein gutes Jahr Probenzeit gekostet hat, die Hälfte davon nur für den Grundrhythmus. Die Arbeit hat sich offensichtlich gelohnt, wie alles diesen Abend klingt es sehr beeindruckend und macht trotz und wegen der Komplexität einfach Spaß.

Damit nicht mal ein taubstummer Mensch auf die Idee kommen könnte, dass hier Djent oder ähnlich monotone Stilrichtungen gespielt werden, packen PANZERBALLET nach der siebenfach besaiteten Gitarre noch die 8er-Version aus, die dem „Sex Dictator“ auch noch eine besonders grummelnde Tiefe verleiht.

Nach dem langanhaltenden Schlussapplaus beschließen die krassen Jungs diesen Abend mit einer allseits bekannten Melodie: „The Simpsons“, wie man sie (zumindest im Fernsehen) noch nie gehört hat.

Panzerballett

05.11.2012

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