Wisdom Tooth Festival 2026

Konzertbericht

Billing: Dominum, Asenblut, Cytotoxin, Hackneyed, Abbie Falls, Excrementory Grindfuckers, Gutrectomy, Deus Vult, Gossenpoeten, Black & Damned, Home Reared Meat, Tag My Heart, Enfys, Death In Fiction, Call Me Messiah, Sprachrohr, Lorraine, Red To Grey, Deadfreight Of Soul und Elchwut
Konzert vom 24.07.26 - 25.07.26 | Wildbachstadion Bissingen, Bissingen

Freitag, 24.07.2026

Als wir bei schönstem Kaiserwetter in Bissingen auf dem für Tagesgäste kostenlosen (!) Parkplatz aus dem Auto steigen, bekommen wir noch die letzten Töne der FLÖTENKIDS BISSINGEN mit, die einer Tradition der großen Festivals wie dem Wacken Open Air oder dem Summer Breeze folgend die Main Stage zünftig eröffnen und uns standesgemäß mit QUEENs “We Will Rock You“ beglücken. Damit verpassen wir leider den Rest eines Auftritts, der dem Vernehmen nach zeigt, dass es um die musikalische Früherziehung der nachfolgenden Generation gar nicht so schlecht bestellt zu sein scheint.

Der Tagesparkplatz sowie der unmittelbar angrenzende Campingplatz, auf dem es derzeit leider keine Möglichkeiten für Strom- und Wasseranschlüsse gibt, befinden sich auf einer stark abschüssigen Wiese mit bestem Panoramablick auf das Festivalgelände und die Baby Tooth Stage – wer also gerade einmal ein bisschen verschnaufen und am Zelt Sonnencreme nachlegen möchte, verpasst hier überhaupt nichts. Von der auf dem von Bäumen umringten Sportplatz befindlichen Main Stage bekommt man zumindest akustisch noch alles mit. Der Laufweg vom Campingplatz zum Einlass, an dem sich eine für die Besucher frei zugängliche Trinkwasserzapfstelle befindet, ist ebenfalls entsprechend kurz und der Empfang sehr freundlich. Noch herrscht dabei, dem Wochentag und der Tageszeit geschuldet, angenehme Leere im Infield.

Was direkt ins Auge fällt, ist die professionelle Organisation hinter dem Wisdom Tooth Festival, das für ein so kleines Festival mit überraschenden Details aufwartet. So gibt es in Bissingen tatsächlich ein Cashless-Konzept – zwar nicht per Chip-Bändchen, aber per Stempelkarte. Direkt am Zugang zur Hauptbühne steht ein Kassenhäuschen, an dem die Besucher Karten in unterschiedlichen Größen erwerben und sich ihr eventuelles Restguthaben wieder auszahlen lassen können. Ebenfalls ist hier die Pfandrückgabe verortet, was die Schlangenbildung am Ausschank deutlich reduziert. Direkt daneben befindet sich ein Stand, an dem Eis am Stiel erworben werden kann.

Auf der anderen Seite neben dem Eingang geht direkt die kleine, aber feine Fressmeile los. So gibt es hier frisch belegte Pizza, Grillwurst und Steak im Brötchen, Käsespätzle mit Röst- oder Schmelzzwiebeln oder knusprige Pommes. Alles wird auf Bestellung frisch zubereitet, beziehungsweise im Fall der Würste und Steaks frisch angerichtet. Nach einer kleinen Testreihe können wir bestätigen: Es sieht nicht nur appetitlich aus, es schmeckt auch alles hervorragend! Und sogar der Geldbeutel freut sich, denn verglichen mit den aktuellen Infield-Preisen anderer Festivals sind 4 Euro für eine Wurstsemmel und 7 Euro für einen Teigfladen geradezu unverschämt günstig.

Für den Bandmerch stehen drei Holzhütten bereit, in denen im Wechsel der Merch der jeweils auftretenden Bands angeboten wird. Dies ist ebenfalls eine angenehme Überraschung, ist man von anderen Festivals dieser Größe bestenfalls windschiefe Pavillons aus Plastik gewohnt. Da hier die jeweiligen Bands komplett in die eigene Tasche wirtschaften, darf auch bar bezahlt werden und die Preise fallen ohne überzogene Veranstalterprovision ebenfalls recht fair aus. Wie auch die Preise für die Tickets generell human ausfallen. Ein Wochenendticket kostet im Vorverkauf 82 Euro, ein Tagesticket jeweils 44 Euro. Camping kann für 8 Euro dazugebucht werden.

Auch über Schatten und Sitzgelegenheiten haben sich die Veranstalter im Rahmen der Möglichkeiten Gedanken gemacht. Vor dem Getränkeausschank gegenüber der Merchstände wurden Tarnnetze aufgespannt, um für Schatten zu sorgen. Lose verteilte Stehtische im Bereich hinter dem FOH-Turm sorgen dafür, dass man sein Essen auch mal abstellen und in Ruhe verzehren kann. Und für Fußlahme stehen an den seitlichen Absperrungen ein paar Bierbänke bereit, die immer wieder dankbar in Anspruch genommen werden.

Um zur parallel ausgerichteten Baby Tooth Stage oder dem daneben gelegenen “Dixi-Dorf” zu gelangen, braucht es nur zwei Minuten Fußweg. Die lohnen sich für alle Kuchenliebhaber, denn dort gibt es nebst eines zweiten Ausschanks tatsächlich einen kleinen Biergarten mit Sonnenschirmen und eine kleine Theke mit einer schönen Auswahl an Kaffee für zwei Euro die Tasse und frischen Kuchen und Torten für drei Euro das Stück, hier sogar in vegan und laktosefrei. Herz, was willst du mehr? Einzig die Schattenplätze sind vor der Baby Tooth Stage rar gesät, obwohl auch hier der Versuch stattfindet, mit Tarnnetzen über den seitlichen Absperrungen ein bisschen Erleichterung zu schaffen. Dafür gibt es hier Abkühlung per Wasserschlauch direkt in den Pit.

Was außerdem positiv auffällt: Es wurde schon im Vorfeld spürbar viel unternommen, um das Festival so zugänglich und barrierefrei wie möglich zu gestalten, so dass eine offene, inklusive Atmosphäre herrscht. Gerade am Nachmittag sind sehr viele Familien mit Kindern anzutreffen, die sichtlich Spaß am Geschehen auf der Bühne haben. Für Rollifahrer wurde der Zugang zur Baby Tooth Stage aufgeschüttet, um den Höhenunterschied vom Zugangsweg zum Platz bestmöglich auszugleichen. Im Infield neben den Merch-Hütten, also unweit der Main Stage, steht ein Rolli-geeignetes Dixi-Klo. Viele Musiker scheinen das entspannte Flair ebenfalls zu schätzen und mischen sich das ganze Wochenende über immer wieder unter die Menge vor den Bühnen.

Doch nicht nur dadurch fällt das Wisdom Tooth Festival angenehm aus dem Rahmen. Das Billing weist eine ganze Reihe an unbekannteren Bands aus der Region Schwaben und Franken auf und bietet durch zum Teil gegensätzliche und ausgefallene Stile ein sehr abwechslungsreiches Programm. Damit eröffnet es kleineren lokalen Bands Auftrittschancen und den Besuchern die Möglichkeit für neue Entdeckungen und die Erweiterung des eigenen musikalischen Horizonts.

 

16:35 // Baby Tooth Stage – CALL ME MESSIAH

CALL ME MESSIAH haben es in der freitagnachmittäglichen Bullenhitze nicht leicht, ihr Publikum vor der Baby Tooth Stage zu mobilisieren. Zu verlockend sind die von Sonnenschirmen überspannten Bänke des angrenzenden Biergartenbereichs. Der Blick auf die Bühne mag von dort aus zwar versperrt sein, das derbe Grindcore-Geprügel der Ingolstädter trägt aber mühelos bis hier. Wer sich hingegen von der Sonne nicht in die Flucht schlagen lässt, darf neben der engagiert und absolut souverän aufspielenden Band eine technisch bestens ausgestattete Bühne bewundern. Neben den obligatorischen Spotlights sorgen clever ausgerichtete LED-Bänder und Laser-Projektoren für eine professionelle Ausleuchtung, darüber hinaus stehen allen Bands zwei Pyro-Fontänen und eine Seifenblasenmaschine als besondere Gimmicks zur Verfügung. CALL ME MESSIAH haben solchen Schnickschnack indes gar nicht nötig, die Jungs liefern eine fette Show ab und insbesondere Sänger Ruggero Marino glänzt mit einem Bühnencharisma, das uns gerne darüber hinwegsehen lässt, dass wir trotz deutscher Texte doch kein Wort von seinem Gegrunze wirklich verstehen.

Galerie mit 8 Bildern: Call Me Messiah - Wisdom Tooth Festival 2026

 

17:10 // Main Stage – GUTRECTOMY

Auch auf der Main Stage geht es nun mit Grindcore weiter, wobei GUTRECTOMY noch eine ganze Ecke moderner und technischer, aber auch lärmiger zu Werke gehen. Die Schwarzwälder setzen vornehmlich auf harte Break- und Beatdown-Passagen, bei denen immer wieder längere Parts aus der Konserve eingesamplet werden. Dies sorgt für unschöne Brüche in der sonst so tighten und energiegeladenen Performance der Band und lässt das dennoch positive Gesamtbild etwas zerfahren wirken. Am nachhaltigsten dürfte indes der “Macarena”-Einspieler bei “Sledgehammer Dismemberment” im Gedächtnis bleiben, der von den GUTRECTOMY-Die-Hard-Fans im Publikum mit einigen äußerst fragwürdigen Ausdruckstanz-Manövern goutiert wird.

Galerie mit 10 Bildern: Gutrectomy - Wisdom Tooth Festival 2026

 

18:00 // Baby Tooth Stage – LORRAINE

Die Anhängerschaft von LORRAINE verlässt sich dagegen auf bewährte Standard-Manöver und wahrt das Moshpit-Reinheitsgebot. Doch während sich die Zuschauer sofort in den fröhlichen Schubsetanz stürzen, brauchen die Musiker auf der Bühne etwas Zeit, um sich richtig warm zu spielen. So glaubt man zu Beginn noch eine ordentliche, aber recht gewöhnliche Metalcore-Show zu erleben, die sich mit fortschreitender Spieldauer jedoch immer stärker zum perfekten Mix aus Härte und Melodie wandelt. Sänger Patric Puppet geht nicht nur mit seinem konsequenten 2000er Emo-Styling, sondern auch bei den aggressiven Scream-Parts bis hart an die Grenze, wo es richtig weh tut. In Kombination mit den zahlreichen hoch melodischen Passagen und dem bodenständigen Freizeit-Style der Instrumentalisten stimmt aber letztlich immer die Balance. Ob es nun der anfänglichen Unsicherheit der Musiker geschuldet ist oder lediglich die Setlist alle Hits im hinteren Teil des Gigs versteckt, die Show endet jedenfalls auf der sprichwörtlichen “High Note” und zaubert letztlich allen Beteiligten ein fettes Grinsen ins Gesicht.

Galerie mit 10 Bildern: Lorraine - Wisdom Tooth Festival 2026

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06.08.2026

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