Aara - Triade I: Eos

Review

Die Schweiz stand oder viel mehr steht im extremen Musikkosmos immer noch für Innovation und Eigenheit: Bands wie SCHAMMASCH, BÖLZER, CORONER, DARKSPACE, CELTIC FROST, ZEAL & ARDOR, ELUVEITIE, IMPURE WILHELMINA und viele weitere mehr bezeugen dies bis heute. Weiß „Triade I: Eos“ das auch zu liefern?

AARA, bestehend aus Multiinstrumentalist Berg und Sängerin Fluss, haben bereits mit ihren ersten beiden Alben „So Fallen Alle Tempel“ (2019) und „En Ergô Einai“ (2020) von sich Reden machen, auch wenn objektiv betrachtet ihr melodischer und atmosphärischer Black Metal rein musikalisch nichts außergewöhnlich neues war. Wobei aber „En Ergô Einai“ doch schon teilweise mit der sehr an Kammermusik mahnenden Kompositionsweise durchaus Eigenständigkeiten aufweisen konnte. Auch von der Aufnahme des festen Drummers J. haben AARA sicherlich sehr profitiert.

Rein konzeptionell, sowohl in Erscheinungsbild als auch im Hinblick auf die an humanitären Themen orientierten Texte und die ungewöhnlichen Pseudonyme samt dem Bandnamen (einer Wortneuschöpfung aus dem Schweizer Fluss Aare und dem lateinischen Ara, Altar), ließen AARA gerade bei einer im Black Metal verorteten Band allerdings aufhorchen. Und als ob die Band so etwas wie Schlaf nicht kennt oder sich vielleicht doch Vampire unter den aufwändigen Kostümen verstecken, gibt es dieses Jahr schon neues Futter. 3 Alben in 3 Jahren, alle Achtung!

„Triade I: Eos“ – Zwei Schritte vor, einen zurück

Mit „Triade I: Eos“ haben wir, so viel ist schon im Titel erkennbar, den Auftakt zu einer Trilogie, die sich ganz um eine literarische Vorlage von Weltrang drehen soll: „Melmoth – Der Wanderer“ vom Iren Charles Robert Maturin. Genau jener Melmoth ist auch auf dem für Black Metal untypischen Cover abgebildet. Auf den ersten Hör klingt „Triade I: Eos“ sehr viel basischer – hier wird der melodische Black Metal größtenteils recht traditionell ausgespielt. Aber es sind auch Post-Einflüsse in Form von cleanen Gitarren, Samples, hintergründigen Chören und weiterem vertreten, was man gleich schon im Opener „Fathum“ mitnehmen kann.

Trotzdem regieren melodische Tremolo-Riffs und Geblaste einen Großteil des Albums. Das ist auch im Diskographie-Rückblick von AARA selbst nun alles keine Neuheit, man versucht sich hier lediglich an einer etwas anders gelagerten Herangehensweise. Lediglich in Sachen Produktion wirkt das neue Album deutlich mächtiger, transparenter, aber leider auch weniger dynamisch. So ist man von der Wall-Of-Sound anfangs wahrlich erschlagen und es überkommt einen dieses epische Hochgefühl, das man an der Spitze des Berges vor dem geistigen Auge bei Black Metal als Assoziation vielleicht vor Augen hat, aber es wird auch schnell gleichförmig und über Dauer fad.

Haben AARA somit in Sachen Produktionsqualität, Konzept und Ambition einen großen Sprung gemacht, sind sie rein musikalisch doch ein wenig regressiver oder auch, weniger hart ausgedrückt, „wie gewohnt“ unterwegs. Zwar soll natürlich narrativ wie musikalisch sich an der Geschichte entlang gehangelt werden, womit auch fehlende gewohnte Songstrukturen wie etwa Refrains oder ähnliches entschuldigt werden, allerdings stellt sich gerade ein narrativer Spannungsbogen im Laufe von „Triade I: Eos“ nicht wirklich ein – zumindest nicht so gut, wie er hätte sein können.

Das hat etwa der Vorgänger „En Ergô Einai“ noch wesentlich besser hinbekommen. Dort herrscht im Grunde dasselbe Konzept vor: Es gibt nicht wirklich eine Strukturierung hinsichtlich wiederkehrender Songmotive, so doch aber hinsichtlich Songstrukturierung und Spannungskurve. Gerade die Songs „Aargesang (Aare II)“ oder „Telôs“ zeigen das Konzept sehr gut. Wiederkehrende Motive, die noch am ehesten so etwas wie einen Refrain oder eine Strophe bilden könnten, sind nämlich gerade als Stärke bei „Naufragus“ oder „Nimmermehr“ etwa auszumachen.

Solcher gibt es aber leider viel zu wenig. Denn „Triade I: Eos“ krankt sonst über seine Laufzeit nämlich immer mal wieder daran, aufgrund fehlenden roten Fadens die Gedanken und Aufmerksamkeit beim Liedmaterial schweifen zu lassen, das schlicht nicht zwingend genug ist. Der Mix, welcher die im Hintergrund aufkommenden oder entgegen spielenden Melodien und Riffs oft vom sehr nach vorne gesetzten Schlagzeug schluckt, ist leider in Ansätzen auch negativ zu erwähnen und hat seinen Anteil an der gefühlten Gleichförmigkeit über Lauflänge. So hat man trotz teilweise drei bis vier Gitarrenspuren zur gleichen Zeit und einer zugegebenermaßen ziemlichen Soundwand nie die Vielschichtigkeit, die man so wahrscheinlich ausdrücken wollte und könnte.

AARA hätten sich vielleicht ein wenig mehr Zeit lassen sollen

Der Arbeitseifer und die scheinbar nicht enden wollende Inspirationsquelle bei AARA ist zu beglückwünschen, aber ich glaube, mit ein wenig mehr Zeit hätte „Triade I: Eos“ zu dem reifen können, was es eigentlich sein soll(te): Der Auftakt zu einer großen Geschichte. So bleibt „Triade I: Eos“ aber leider aufgrund fehlendem strukturellen und musikalischen Faden etwas blass und hat eine gewisse Beliebigkeit, sowie eine in Teilen etwas unvorteilhafte Produktion. Auch nach mehreren Durchgängen zieht nämlich der Großteil des Albums einfach so am Ohr vorbei, ohne dass etwa groß Leitmotive oder gewisse Überraschungen innerhalb der Songs hängen bleiben könnten.

Am bemerkenswertesten bleiben noch der garstige Geschwindigkeitsausbruch am Ende von „Naufragus“ oder auch der abwechslungsreiche Opener „Fathum“, davon abgesehen schaut man in Sachen kompositorischer Kniffe leider ein wenig in die Röhre. Trotz hoher Qualität fehlt „Triade I: Eos“ somit ein wenig das Überraschungsmoment und die Abwechslung innerhalb des sonst zwar sehr nach Norm, aber durchaus geschmackvoll komponierten und ausgespielten melodischen Black Metals. Aber dafür bleibt ja vielleicht bei den zukünftigen zwei Teilen Zeit. Mit ein wenig mehr Zeit und Muße im musikalischen Reifeprozess sind AARA sicherlich zu Großem in Zukunft fähig.

 

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20.03.2021

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4 Kommentare zu Aara - Triade I: Eos

  1. nili68 sagt:

    Die Vocals sind derart nervtötend, dass ich den Song gar nicht ganz hören konnte. Das möchte ich aber durchaus als Geschmackssache verstanden wissen. Für den Stil ist die Musik ganz solide, bietet für „alte Hasen“ aber auch nichts Neues oder Aufsehenserregendes.

  2. Lord Budweiser sagt:

    ,,Für den Stil ist die Musik ganz solide, bietet für „alte Hasen“ aber auch nichts Neues oder Aufsehenserregendes.“

    Ist ’ne Beschreibung die auf so gut wie jedes Album heutzutage passt, besonders im Bereich des Black Metal.
    Ich find grade den Gesang (vielleicht auch weil er von einer Frau kommt) mal erfrischend anderes… Ich steh aber auch auf hart an der Grenze zum ertragbaren. The Body, erste Helheim, Phantom Winter aber auch Cradle Of Filth sind einfach Bands die im Kopf hängen bleiben.
    Zum Album: hervorragende Veröffentlichung mehr braucht man dazu nicht sagen. Die Schweizer habens halt echt drauf, obwohl ich da eher Bands wie Paysage D’Hiver, Ungfell, Chotzä und Samael Hervorheben würde, aber das ist wohl Geschmackssache. Musikalisch auf jeden Fall ein besonderes Land…

    9/10
  3. nili68 sagt:

    >Ich steh aber auch auf hart an der Grenze zum ertragbaren.<

    So weit würde ich jetzt nicht gehen, die Vocals nerven mich einfach nur und ich könnte die Musik mit 'nem anderem Sänger(in) mal richtig beurteilen, bzw. mich überhaupt richtig darauf einlassen. Dani Filth nervt übrigens genauso, das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun..

  4. Lord Budweiser sagt:

    Wenn ich kritik auszusetzen habe dann weil mir das teilweise zuviel des guten ist… Besonders in Kombination mit der Produktion wirkt das schon hier und da überladen.
    Aber gerade der Gesang haut soviel wieder raus…. Krass das du das so komplett anders siehts.