Andrew W. K. - God Is Partying

Review

Soundcheck September 2021# 22

Der Gott Of Partying ist zurück, selbstredend nicht zu verwechseln mit dem Gott Of Schlager, auch wenn sich beide in Sachen Kultigkeit relativ wenig nehmen. Nur ist ANDREW W. K. eben die amerikanische und damit mehr dampfgetriebene Variante der Party-Musik, die deutlich mehr an rockenden Gewässern gebaut ist und so schnell wahrscheinlich nicht in den Fernsehgarten eingeladen wird. Legendär ist die Fete, die der US-Amerikaner mit „I Get Wet“ vom Zaun gebrochen hat. Zwei Alben später legte der Herr eine Pause ein um sich seiner Arbeit als Motivationscoach zu widmen, nur um dann ein Jahrzehnt später mit „You’re Not Alone“ mit ebensolch erbaulicher Message zurückzukehren, dass man selbst am Ende doch die wichtigste Person im eigenen Leben ist. Und dabei hat er natürlich nichts von seiner Euphorie eingebüßt.

ANDREW W. K. ist immer noch hart am feiern

Nun geht die Party einfach weiter. Der Titel „God Is Partying“ klingt im Falle ANDREW W. K. natürlich wie Eulen nach Athen tragen, denn das wissen wir ja schon seit 20 Jahren. Jetzt rappelt’s halt im Karton von Napalm Records, was nicht das einzige ist, das sich im Gegensatz zum direkten Vorgänger ändert. Ein bisschen von der Message hat sich der Kalifornier dennoch aufbewahrt und schießt diese beispielsweise mit „Stay True To Your Heart“ ins Rund – wiederum in vertrauter Manier, will sagen: Der Track macht mit seiner poppig-euphorischen Art den ganz großen Otto und kommt mit überlebensgroßer, süßlich käsiger Hook daher, die definitiv nicht so schnell aus dem Gehörgang entschwindet, egal ob einem der poppige Refrain jetzt angesichts des eigenen Metalherzens zusagt oder nicht.

Gleiches gilt für den Anteil an Power-Balladen, die ebenfalls ein überlebensgroßes, gar überwältigendes Gefühl von Lebensfreude versprühen und den Spirit der Party weiter am Leben halten. Während unsereins den Einsatz von Balladen innerhalb einer an sich mehr von Rock und Metal geprägten Trackliste generell eher verschmäht, gehört ANDREW W. K. zu den an einer Hand abzählbaren Acts, die Balladen wirklich draufhaben. „No One To Know“ und „And Then We Blew Apart“ legen Zeugnis davon ab, indem sie sich anfühlen wie dieser Moment, wenn man gerade die geilste Party des Lebens feiert und mittendrin in einem reflektiven Moment voller Demut und Glückseligkeit jeden einzelnen Atemzug genießt.

„God Is Partying“ ist eine buchstäblich epische Sause

Nun aber zu den Unterschieden: Waren im Vorgänger verschiedene Spoken-Word-Selbsthilfetipps über die Gesamtspielzeit verteilt, kommt die neue Platte auf gerade mal ein ganzes Interlude, „Goddess Partying“. Und kurze, symphonische Intermezzo scheint an genau der richtigen Stelle platziert zu sein, um das Album vinylgerecht in zwei Hälften zu unterteilen und ähnlich in die zweite Hälfte überzuleiten, wie auch in den Opener „Everybody Sins“ eingeleitet wird. Eine aufgeräumtere Struktur ist aber nicht das einzige, was „God Is Partying“ anders als sein Vorgänger macht. An einigen Stellen wird es hier sogar richtig düster und heavy, z. B. in den ersten beiden Tracks „Everybody Sins“ und „Babalon“, u. a. auch unter Beihilfe breitbandig und effektiv eingesetzter Synths.

Letztgenannter Track dürfte der mit Abstand beste Song sein, den GHOST nie aufgenommen haben. Man stelle sich die Klasse von „Meliora“ vor aber mit deutlich mehr Energie und Bombast unterfüttert und kommt ungefähr bei dem raus, was ANDREW W. K. mit „Babalon“ abfeuert. In die gleiche Kerbe schlägt auch „I’m In Heaven“, das eine gewisse Industrial-Kante innehat, fast als hätte er vor den Aufnahmen eine Nase MINISTRY genommen. Was zum absoluten Party-Glück mit „God Is Partying“ fehlen würde, wäre ein klassischer, treibender Party-Rocker der Marke „Party Hard“. Aber zu viel Party (vor allem in einem Satz) ist vielleicht auch gar nicht mal so gesund. Und immerhin dürfte man mit „My Tower“ hiesig den vielleicht epischsten Track des Kaliforniers erleben.

Glückseligkeit garantiert – auch ohne treibenden Party-Banger

Aber natürlich gibt es auf jeder Party was zu meckern. Man kann’s halt nicht jedem recht machen – und man kann als Gastgeber trotzdem das beste draus machen. Und wer seinen Hard Rock eben energetisch, bombastisch und – heuer – auch etwas düsterer und heavier bevorzugt, wird mit „God Is Partying“ garantiert glücklich werden, vor allem aufgrund des kontrastreichen Programms, das hier aufgefahren wird. ANDREW W. K. erweist sich zudem in gesanglicher Bestform und transformiert praktisch jede Hook mit seiner leicht angerauten Stimme in ein wahres Spektakel. So lässt sich im Grunde nur Vollzug vermelden und entsprechend konstatieren: Gott geht heute feiern. Und ihr seid eingeladen. Be there or be square.

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02.09.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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