Angra - Angels Cry

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

Galerie mit 30 Bildern: Angra - The Shadow Shows Tour 2016

Da die brasilianischen Vorzeige-Power-Progster ANGRA demnächst mit “Cycles Of Pain” ein starkes neues Album vorlegen, ist es langsam mal Zeit, auch das Frühwerk der Band nicht zu kurz kommen zu lassen. Zwar sind “Rebirth” und “Temple Of Shadows” aus den Nuller-Jahren unbestreitbare Klassiker des melodischen und progressiven Power Metals, doch baut der Ruhm der Band ja eigentlich auf den ersten drei Alben auf, die gesanglich und kompositorisch noch maßgeblich von dem leider viel zu früh verstorbenen Sänger André Matos geprägt waren. Daher widmen wir uns diese Woche im Blast From The Past dem ANGRA-Debüt “Angels Cry”, das zudem in wenigen Wochen unglaubliche 30 Jahre alt wird. Time flies!

Die Melodie inmitten des Krachs

Anno 1993 boomten Death Metal, Grunge und Alternative, on top veröffentlichen MAYHEM in jenem Jahr die vielleicht einflussreichste Black-Metal-Scheibe aller Zeiten. Die Zeiten standen objektiv nicht gut für melodischen Metal, doch insbesondere die mitteleuropäischen Fans geben auf derlei Trends eher einen gepflegten Keks. So verwundert es auch nicht, dass ANGRA sich im Studio von den renommierten deutschen Musikern Kai Hansen, Dirk Schlächter (beide GAMMA RAY) und Sascha Paeth (ex-HEAVEN’S GATE, AVANTASIA) unterstützen lassen und das Album von Charlie Bauerfeind (BLIND GUARDIAN, HELLOWEEN) produziert wird, der auch gleich dafür sorgt, dass Drummer Marcos Antunes die Band verlässt und “Angel’s Cry” von SIEGES-EVEN-/RHAPSODY-OF-FIRE-Drummer Alex Holzwarth eingespielt wird. Bauerfeind drohte nämlich, das Projekt zu verlassen, wenn die Band sich nicht bereiterklären würde, die Drumspuren entweder durch einen Drumcomputer oder durch einen besseren Session-Drummer zu ersetzen.

Somit ist “Angels Cry” im Kontext seiner Zeit bemerkenswert. ANGRA waren unverkennbar Fans von HELLOWEEN (“Carry On”, “Streets Of Tomorrow”) und QUEENSRŸCHE (u. a. “Time”), flochten aber ebenso gekonnt Einflüsse aus der klassischen Musik (das Intro “Unfinished Allegro” zitiert Franz Schubert) und der südeuropäischen Folklore (“Never Understand”) ein. Mit üppig orchestrierten und arrangierten Songs der Marke “Stand Away”, “Evil Warning” oder “Lasting Child” nahmen ANGRA zudem Standards des europäischen Power Metal späterer Zeit vorweg, die zum Beispiel ein Tobias Sammet kompositorisch noch sehr erfolgreich kopieren sollte. Das KATE-BUSH-Cover “Wuthering Heights” ist zudem eine außergewöhnliche Wahl, fügt sich mit seinem Bombast jedoch gut in das Album ein.

Glänzender Start für ANGRA

Ein besseres Debüt-Album hätten ANGRA vor dreißig Jahren vielleicht gar nicht vorlegen können. Das Songwriting ist ungemein abwechslungsreich und wird nach ähnlicher Formel auf den Folgealben nur perfektioniert, statt vollkommen verändert. Wichtig war für diese Band letztlich immer, dass keines ihrer Elemente die Vorherrschaft übernahm, sondern sich Eingägiges mit Progressivem, Härte mit Melodie stets die Waage hielten. Zudem wurde “Angels Cry” von ausgezeichneten Musikern eingespielt. Gerade bei Kiko Loureiro wundert es wenig, dass er inzwischen bei MEGADETH mit Virtuosität glänzen darf und dort inzwischen sogar maßgeblich zum Songwriting beiträgt.

Die kristallklare und ziemlich hohe Stimme von André Matos fällt sicher eher unter die Kategorie “Geschmackssache”, ist aber vom rein technischen Standpunkt mehr als nur bemerkenswert. Doch auch er verfügte über eine selten zu hörende Bandbreite von Stimmfarben und Tonlagen und zählte zu den gefragtesten Charakterstimmen im Genre, wie weitere Alben mit seiner Beteiligung belegen.

ANGRA bleiben die “etwas andere Power-Metal-Band” – auch für die nächsten 30 Jahre

Durch den Ausbau der lateinamerikanischen Einflüsse in Text und Musik auf dem Nachfolger “Holy Land” konnten ANGRA ihren Status als eine der originellsten Bands im Power Metal weiter ausbauen, in den folgenden 30 Jahren haben sie zudem kaum je eine wirklich schwache Platte veröffentlicht. Doch das ist eine Geschichte, der wir uns ein andermal widmen. Fürs Erste gilt: Mit “Angels Cry” in Nostalgie schwelgen und auf “Cycles Of Pain” freuen.

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20.09.2023

Redakteur | Koordination Themenplanung & Interviews

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1 Kommentar zu Angra - Angels Cry

  1. MetalGerhardt sagt:

    Habe mich erst vor kurzem auch mal mit der Diskografie von Angra auseinandergesetzt. Normalerweise höre ich keinen reinen Power Metal, aber es stimmt schon, dass Angra von Anfang an anders waren und die progressive Note hat mich immer gereizt. Dieses Debüt-Album ist solide und hat schon ein paar ordentliche Hits, aber für mich persönlich geht trotzdem nichts über „Rebirth“. Dieses Album überschattet einfach alles, weshalb es für mich als Nicht-Fan des Genres auch nur für gute 7 Punkte reicht 😉

    7/10