Avralize - Liminal

Review

Soundcheck November 2025# 23 Galerie mit 22 Bildern: Avralize - Metalacker Open Air 2025

Über 5 Millionen Plays auf Spotify – der traurige Ritterschlag der Neuzeit, in der immer deutlicher wird, dass sich Dinge, auf die man immer noch einen verklärten Blick hat, einfach ändern. Dennoch sagt das etwas aus für eine junge Band wie AVRALIZE, die mit ihrem Debütalbum „Freaks“ offensichtlich den Zahn der Zeit getroffen hatte. Kaum ein Jahr später erscheint mit „Liminal“ bereits der Nachfolger und zeigt auf, wie eine ohnehin modern wahrgenommene Spielart noch weiter in die Gegenwart geholt und neu interpretiert werden kann.

Oberlippenflaum und Weltschmerz

Würden böse Zungen grundsätzlich unken, dass Metalcore als das Subgenre gilt, das die Brücke zwischen Heavy- und Mainstream-Charts schlägt, gibt ihnen das Quartett aus Rottweil mit ihren Outputs Recht. AVRALIZE erinnern gleichzeitig an Skateboarder mit Oberlippenflaum, verletzlichen Coming-Of-Age-Weltschmerz und einer Prise metallischer Härte. Konzeptionell beschreibt „Liminal“ einen Übergang, der einflusstechnisch und durch kurze Intermezzi futuristisch anmutet. Wie auf dem Artwork dargestellt, ist der Übergang in die Schwerelosigkeit aber tendenziell eher einladend.

„Medicine“, „Wanderlust“ oder „Cyanide“ sind bittersüße Songs zwischen poppigem Cyber-Metalcore, Punk, Nu Metal und stilfremden Zusätzen. Ob AVRALIZE damit wirklich ein Genre revolutionieren, sei einmal dahingestellt, doch zweifellos ist „Liminal“ nicht der generische Core-Hybrid, der bis in die späten 00er-Jahre inflationär über die hiesigen Plattenteller gespült wurde. Der Härtegrad nimmt zwischenzeitlich über den Titeltrack bis hin zum Techno-Rhythmus im Metalcore-Gewand („Helium“) zu und wird dann mit „Like A Boomerang“ und „Fading Faster“ wieder ausgeschliffen.

Keine Totkomprimierung

Was „Liminal“ sehr positiv auszeichnet, ist der differenzierte, überhaupt nicht totkomprimierte Sound, der es zulässt, Phillip Tenberken als wirklich guten Gitarristen zu präsentieren. Mit teilweise tollen Soli in den Kompositionen, bleibt hier keine Sci-Fi-Matschepampe mit Clusterbomben-Breakdowns zurück. Stattdessen fehlt es AVRALIZE noch ein wenig an der Idee, wie man die Versatzstücke aus Metalcore und Pop denn auch innerhalb des eigentlichen Songwritings zu richtigen Hits formt.

Die Ausrichtung ist praktisch prädestiniert für die großen Songs, für mitsingbare Refrains und Riffs wie solche der damaligen Pop-Punk-Szene, die bei den ersten Bildern der dazugehörigen Filme direkt wieder im Kopf sind. Auf die ganz großen Einschläge wartet man bei „Liminal“ vergeblich – zuvor wird der hohe Pop-Faktor wohl den einen oder anderen ohnehin schon vergraulen.

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11.11.2025

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