
Während mancher den klassischen Prog-Rock schon vor Jahrzehnten totgesagt hat, erweist sich das Genre als so zäh, dass selbst vermeintliche Dinosaurier wie YES anno 2026 noch quicklebendig wirken können. Der mythologisch verklärte Charme des Innovativen, der der Stilbezeichnung von Beginn an innewohnte, ist freilich längst verflogen und bei nicht wenigen Genrevertretern längst zur hohlen Phrase geworden. Und doch bedarf es nicht zwingend der – bei einer 1968 gegründeten Band höchst angebrachten – altersmilden Nostalgiebrille, um Gefallen an „Aurora“ zu finden. Das Album ist ein gleichermaßen unspektakuläres wie charmantes Stück Musik, vollkommen aus der Zeit gefallen und dabei doch höchst unterhaltsam.
YES setzen auf Kooperation und gute Laune
Als wahre Freude voller verspielter Experimentierlaune beschreibt Gitarrist und Bandkopf Steve Howe den Entstehungsprozess und betont besonders den kooperativen Songwriting-Prozess: „Es ging schon immer um Zusammenarbeit: Ein einzelner mag zwar einen Song schreiben, aber erst wenn alle ihren Beitrag leisten, wird es zu einem echten YES-Song.“ So verströmt „Aurora“ vom verspielten Titelstück bis zu den beiden als Bonus-Tracks deklarierten „Jambustin'“ und „Watching The River Roll“ eine überbordende Positivität, die man angesichts der abgefuckten weltpolitischen Großwetterlage gar nicht hoch genug schätzen kann.
Für Abwechslung ist im Hause YES reichlich gesorgt. Sowohl die orchestralen Momente in „Ariadne“ als auch der funkige Groove von „All Hands On Deck“ oder die vielstimmig-akzentuierten Chöre in „Outside The Box“ fügen sich zu einem harmonischen und ansprechenden Gesamtwerk. Das offensichtlich aus einen ausufernden Jam geborene „Countermovement“ beherrscht dabei den Mittelteil des Albums und wirkt trotz seiner stolzen Länge von mehr als dreizehneinhalb Minuten weder unnötig in die Länge gezogen noch hoffnungslos zerfahren. Dabei hinterlassen YES auch hier ein wohlig-warmes Gefühl in der Magenregion, ohne den Zuhörer emotional aufzurütteln oder dauerhaft zu packen.
„Aurora“ ist die perfekte Hintergrundmusik für elaborierte Hausarbeit
Das große Problem von „Aurora“ ist somit, dass es die perfekte Feelgood-Hintergrundmusik für entspannte Heimarbeit in Haus und Garten abgibt und dabei praktisch unbegrenzt in Endlosschleife laufen kann, ohne sich wirklich in den Gehörgängen festzusetzen. In Wahrheit ist dies jedoch auch die große Stärke von YES und es sollte definitiv mehr solcher Alben geben. Womöglich existieren diese aber auch bereits und wir haben sie nur längst wieder vergessen.

Yes - Aurora (CD Digipak)
Florian Schörg
Yes - Yes, Neues Album 2026, Aurora, CD Digipack































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