Backengrillen - Backengrillen

Review

Es gibt Dinge, die kann man sich schön trinken. Das selbstbetitelte Debüt von BACKENGRILLEN gehört nicht dazu. Dabei steckt hinter diesem sonderbaren Bandnamen gar nicht mal ein unbeschriebenes Blatt, sondern eigentlich sogar eine ganz große Nummer, von der man es eigentlich anders erwartet hätte. Die schwedische Band setzt sich nämlich aus Mitgliedern der legendären, schwedischen Hardcore Punk-Formation REFUSED zusammen. Ja, genau die, „New Noise“ und so. Namentlich sind hier Dennis Lyxzén (Gesang), Magnus Flagge (Bass) und David Sandström (Schlagzeug) vom nun wohl finalen Lineup von REFUSED involviert, hinzu gesellt sich Mats Gustafsson, der für Bläser, hauptsächlich das Saxofon, aber auch mal die Querflöte („Dör För Langsamt“ und der Titeltrack) zuständig ist.

Hinter BACKENGRILLEN stecken Gründungsmitglieder von REFUSED …

Gespielt wird im weiteren Sinne eine Mischung aus Doom, Noise Rock und Jazz, die sich erwartungsgemäß zäh aus den Boxen quält. Der Gesang von Lyxzén registriert mehr in der Hardcore-Ecke mit einigen cleaneren Passagen, während Gustafsson seine Virtuosität durchaus eindrucksvoll zur Schau stellt und beispielsweise in seinem Querflötenspiel an die Exzentrik, wenn auch nicht den Humor, eines Ian Anderson denken lässt. Das ganze hat eine rohe, raumgreifende Produktion auf den Leib geschneidert bekommen und in einem kann man der Band auf jeden Fall Vollzug attestieren: Vom Klangbild her schafft es das Quartett, trotz Abwesenheit verzerrter Gitarren einen recht abrasiven Sound zu kreieren. Fernab jedoch lässt sich das Selbstbetitelte der Band wirklich nur mit vielen – also wirklich GANZ VIELEN Zugeständnissen genießen.

Offenbar gab es bei der Produktion der Platte ein Credo, das die Pressinfo wie folgt paraphrasiert:

The basic idea is to take a death/doom metal, or noiserock riff and play it until it loses meaning and then break it apart like a ravenous cat would a tiny forest mouse

Vor allem den ersten Teil, ein Riff bzw. ein Motiv so lange zu spielen, bis es seine Bedeutung verliert, haben BACKENGRILLEN „erfolgreich“ umgesetzt. Das Album ist in seiner Gesamtheit so repetitiv und monoton, dass die Musik über die Zeit gesehen wirklich ihrer Sinnhaftigkeit verlustig geht. Gustafssons Saxofon-Ornamentik kämpft gegen die Monotonie an und ist im Mix auch gut in den Vordergrund gemixt, kann allein aber nicht verhindern, dass auf Hörerseite schnell Langeweile ob des gehörten einsetzt. Dynamik: Fehlanzeige. Praktisch jedes Stück ist aufgrund seiner fast schon unverschämten Länge – mit einer Ausnahme bringen alle Stücke über zehn Minuten auf die Uhr – eine Geduldsprobe, die oft abwechslungsarm vor sich hin mäandriert und selten wirklich nennenswerte Eruptionen oder andere Spannungsbögen bietet.

… was das selbstbetitelte Debüt nur umso rästelhafter und bizzarer erscheinen lässt

Da dies offenbar mit voller Absicht so eingespielt worden ist, muss man sich fragen, ob dies möglicherweise ein Anti-Establishment-Statement der Band ist. Denn unsereins kann sich nicht vorstellen, dass hier viel im Hinblick auf Hörbarkeit produziert worden ist. Angesichts dem, was die einzelnen Mitglieder bereits an hochqualitativer Musik in Form gegossen haben, wirkt das vorliegende Album jedenfalls geradezu dilettantisch. Der einzige Track, der halbwegs genießbar geraten ist, ist auch der kürzeste – „Repeater II“. Doch wir sprechen hier von einer relativen Hörbarkeit, denn auch dieser Track ist repetitiv – und nicht im Sinne von Krautrock-Größen der Marke CAN oder KRAAN, die ihre Hörerschaft durch puren Spleen an die Ausgabegeräte fesseln.

Der Mangel an Dynamik, an wirklich brauchbaren Hooks, an … ja: an allem, was auch nur halbwegs hörbare Musik im zeitgemäßen Sinne ausmacht, macht das Debüt von BACKENGRILLEN zu einem rätselhaften, bizarren Klangerzeugnis. Die Höhepunkte begrenzen sich im Grunde auf Gustafssons Querflöten-Einsätze, die jedoch einen vergleichsweise geringen Anteil im Gesamtbild ausmachen. Und nur deswegen rechtfertigt sich keine Anschaffung dieser Platte. Weil dann kann man gleich auch JETHRO TULL auflegen und hat dadurch deutlich mehr Spaß als hier. Was sich BACKENGRILLEN hierbei gedacht haben, bleibt ein Mysterium … und eines, das man sich wirklich nicht schön trinken kann. Glaubt mir, ich hab’s versucht …

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16.01.2026

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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1 Kommentar zu Backengrillen - Backengrillen

  1. Sylverblack sagt:

    „Es gibt Dinge, die kann man sich schön trinken. Das selbstbetitelte Debüt von BACKENGRILLEN gehört nicht dazu.“

    Würde ich nicht mitgehen. Nach einer ausreichenden Anzahl alkoholischer Getränke empfindet man das bestimmt als große, geniale Kunst.
    Es hat ja auch vom Vibe her was von Stoner Doom. Es ist also nicht so, als habe es solche reduzierten monotonen Klanglandschaften noch nie gegeben. Gut finde ich das aber ebenfalls nicht. Als Experiment jedoch konsequent durchgezogen und aus künstlerischer Sicht nicht uninteressant. Aber „interessant“ reicht mir nicht, am Ende muss die Musik immer noch für alleinstehend funktionieren und nicht nur im Kontext ihres Entstehungsprozesses oder einer übergeordneten Idee. Das ist hier nicht der Fall.

    Die 3 Punkte sind hart, aber vertretbar.