Bleeding Red - Evolution's Crown

Review

Kaum ein Album habe ich in den letzten Monaten mit so großer Spannung erwartet, wie das nun endlich vorliegende BLEEDING RED-Debüt „Evolution’s Crown“. Und wie das nun mal so ist, können hohe Erwartungen zu großer Enttäuschung führen, wenn sie nicht erfüllt werden.
Doch um das gleich vorwegzunehmen: Es kann Entwarnung gegeben werden! Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, knüpfen die Aalener genau da an, wo sie mit ihrem großartigen Demo „Unmaster“ (das ihnen zahlreiche Top-Reviews und nebenbei noch den Sieg beim New-Blood-Award 2010  eingebracht hat) aufgehört haben.   
Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass diese vier Tracks den Weg auf „Evolution’s Crown“ gefunden haben. Es wäre nämlich tatsächlich eine Schande, dieses Material all denen vorzuenthalten, die das Demo nicht ihr Eigen nennen können.

Getreu dem Motto „never change a winning team“, macht die „Unmaster“-Intro/Opener-Kombination „Bloodforce/“The Running Man“ auch auf „Evolution’s Crown“ den Anfang. Läuft!

So richtig spannend wird es dann mit „Nameless“, dem ersten neuen Song: Können es BLEEDING RED schaffen, das hohe Niveau zu halten, oder geht ihnen doch auf der langen Distanz die Puste aus? Nur kurze Zeit später ist klar: Ja, sie können. Und wie! Fulminant hart der Einstieg, das Schlagzeug rattert thrashbetont, nur um kurz darauf in einen sagenhaft entspannten Double-Bass-Groove, begleitet von astreinen IRON MAIDEN-Leads, zu verfallen. Wieder einmal beweisen BLEEDING RED, wie leicht es ihnen fällt, harschen Death/Thrash mit melodischen Heavy-Metal-Parts zu verbinden und so für eine ausgewogene Mischung zu sorgen.

Nachdem die ersten Bedenken nun erfolgreich zerstreut sind, geht es zur Beruhigung mit dem schon an anderer Stelle völlig zu Recht abgefeierten „Wasted Screams“ weiter. Ein Lehrstück in Sachen Songwriting, genialen Hooks und Einfallsreichtum. Kurzum: ein wahrer Hit. Punkt!
Und was jetzt folgt, hätte ich mir zuvor nicht vorstellen, nein, nicht einmal erträumen können: BLEEDING RED vollbringen das scheinbar unmögliche und setzen mit „Thoughtcrime“ noch einen drauf! Dieses hauptsächlich im Mid-Tempo gehaltene Stück strotzt nur so vor zwingenden Harmonien und großartigen Ideen. Da darf sogar die Akustische nicht fehlen. Gänsehaut pur. Gekrönt wird der Song von einem absolut gefühlvollen Gitarrensolo, das mit Tappingeinlagen und verschwenderischem WahWah-Einsatz glänzt. Ganz großes Kino, dieser Song. Überhaupt wird hier so richtig klar, was die Klasse der jungen Burschen ausmacht. Aus einem schier unerschöpflich scheinenden Fundus an hochklassigen Riffs zehrend, vereinen sie alles, was im Metal Laune macht und wirken dabei so souverän, wie es nicht vielen vergönnt ist. Spieltechnisch bewegen sich die Jungs auch schon sehr weit vorne, agieren dabei aber – gottlob (jaja…) – nie verkopft, sondern immer höchst songdienlich.

Dass die Band seit ihrem letzten Werk noch ein bisschen dazugelernt hat, zeigt (das zwar nach selbigem Demo benannte, darauf aber nicht vertretene) „Unmaster“. Die von Sänger Timo einmal als großer Einfluss genanten NAGLFAR haben diesem Song eindeutig ihren Stempel aufgedrückt. Folglich herrschen eine düstere Atmosphäre (es wird sogar mit dezenten Keyboardflächen experimentiert) und gemäßigte Raserei, die nur vom epischen, Gänsehaut erzeugenden Mittelteil unterbrochen wird, bei dem kurzzeitig auch wieder unverstärkt gezupft wird.
Allgemein fällt auf, dass bei den neuen Songs noch etwas mehr Black-Metal-Einflüsse als früher umgesetzt wurden, was sich aber hauptsächlich in der Atmosphäre und einzelnen Parts (z.B. die gnadenlosen Blast Beats in „Involution“, oder das beklemmende Ende von „Tritoxine“) widerspiegelt.
Die einzelnen Songs jeweils auf ein bestimmtes Genre festzunageln, ist sowieso nicht möglich, lassen sich doch, wie bereits beschrieben, in jedem Stück so viele verschiedene Einflüsse ausfindig machen.

Leichte Abzüge gibt es lediglich für „Frequencies“. Hier haben BLEEDING RED für meinen Geschmack etwas zu tief in die Experimentalkiste gegriffen. Zwar kann der schwarzgestählte Song eigentlich mit Eingängigkeit punkten, die Chorkeyboards im Refrain sind dann aber doch etwas zuviel des Guten und verzerren das Gesamtbild ein wenig (Stichwort „Gothic-Black-Metal“).
Egal, denn mit „Goddess Of Black“ folgt ein weiteres Highlight. Ein wogender Rhythmus, ausgefeilte Gitarrenarbeit, wunderbare Harmonien: DISSECTION, anyone?
Den Abschluss (und den Sack zu) macht dann schließlich – wie auch schon auf „Unmaster“ – „Calling For Your Downfall“. So schließt sich der Kreis und der Hörer hat die Gewissheit, dass BLEEDING RED die Mission Debütalbum zur vollsten Zufriedenheit erfüllt haben, was angesichts der zahlreichen Vorschusslorbeeren sicher nicht gerade einfach war.

Dass die Messlatte für folgende Veröffentlichungen dadurch natürlich extrem hoch liegt, dürfte allen (und vor allem der Band selbst) klar sein. Doch irgendwie habe ich jetzt schon das Gefühl, dass die Jungs auch das hinkriegen.

Weitere Infos findet ihr auch im Interview.

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18.03.2012

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