
Soundcheck September 2026# 3
Galerie mit 16 Bildern: Böetes Void - Ragnarök Festival 2024


Musikalisch stecken BOÖTES VOID üblicherweise in der Schublade „Black Metal“, inhaltlich haben sie aber wenig mit der reinen Lehre zu tun – spätestens seit dem aktuellen Werk „Panta Rhei“. Denn: Statt dem Gehörnten zu huldigen, beschäftigen sich die Würzburger mit griechischer Philosophie. „Alles fließt“, wie sich Heraklits Kerngedanke des ewigen Wandels übersetzen lässt, bildet den konzeptionellen roten Faden. Die einzelnen Songs behandeln unterschiedliche Themen rund um Macht, Leid, Verzweiflung und Vergänglichkeit. Im Titeltrack münden diese schließlich in die Erkenntnis, dass Veränderung nicht bekämpft werden muss, sondern zum Wesen der Existenz gehört.
BOÖTES VOID lassen Abwechslung zu
Musikalisch bewegen sich BOÖTES VOID weiterhin in vertrauten Gefilden. Dabei entwickelt speziell die Auftaktnummer „Crown Of Vermin“ trotz ihrer eindeutigen Verankerung im Extreme beziehungsweise Black Metal eine unerwartet emotionale, leicht melancholische Wirkung. Sie bleibt bei „Shapers Of The End“ und im weiteren Verlauf zumindest im Unterton erhalten. Für Wucht sorgen rasende Drums und flirrendes Riffing, für mehr Abwechslung treffen tiefe Growls auf verzweifeltes Keifen wie bei „View From Nihil“. Zudem lassen BOÖTES VOID immer wieder ruhigere oder melodischere Passagen zu, was die Härte angenehm kontrastiert.
Quasi als Quintessenz sitzt das mit fast acht Minuten längste Stück „Lost In Oblivion“ in der Mitte: Aus anfänglich tragischer Ruhe lassen BOÖTES VOID einen mitreißenden Sog aus dichten Riffs, Melodie und Raserei erwachsen, ohne in progressive Schnörkeleien abzudriften. Auch im monumentalen Titeltrack spielen die Nordbayern diese Stärken erneut aus, allerdings verstärkt um Lukas von ELLENDE am Mikrofon. Cineasten entdecken zudem in „Nebula“ eine kleine Perle: den nahezu vollständigen „Tears In Rain“-Monolog des Replikanten Roy Batty aus Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker „Blade Runner“ (1982). Das passt gut zum Gefühl von Vergänglichkeit und kosmischer Bedeutungslosigkeit, das der Song vermittelt. Nicht zuletzt trägt die Band selbst den Namen eines der größten bekannten Leerräume des Universums.
Das instrumentale „Requiem“ beendet „Panta Rhei“ schließlich mit sphärischen Ambient-Klängen. Ob darin Hoffnung liegt oder lediglich die Ruhe nach dem vorausgegangenen Sturm, muss man für sich selbst entscheiden.
„Panta Rhei“ ist subtil im Fluss
BOÖTES VOID lassen auf „Panta Rhei“ Härte, Raserei, Melodik und atmosphärische Ruhe ineinanderfließen, ohne ihren musikalischen Kern aufzugeben. Die druckvolle Produktion hält auch bei hoher Geschwindigkeit die Details zusammen und gibt den ruhigeren Passagen genügend Raum. Wer das Album mehrfach hört, entdeckt, wie subtil die Franken Heraklits Philosophie musikalisch umsetzen. So steckt der Wandel weniger im Wechsel des Stils als in den Bewegungen innerhalb der acht Stücke. Im September-Soundcheck hat das Album mit durchschnittlich 6,7 Punkten den dritten Rang eingefahren – zwei der Kollegen teilen die Ansicht, dass acht Punkte angemessen sind.

Torsten Meierhöfer































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