Conjurer - Unself

Review

Soundcheck Oktober 2025# 11 Galerie mit 14 Bildern: Conjurer - Europe & UK Tour 2025 in Stuttgart

Es ist oftmals nicht ganz einfach, sich im Bereich des morastigen, irgendwie aus Hardcore und Doom zusammengesetzten Sludge ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten. OMEGA MASSIF haben es, wie auch ihre quasi-Nachfolger PHANTOM WINTER vor allem über dichte Atmosphäre geschafft. Die Briten CONJURER verarbeiten deutlich mehr moderne Ansätze, vor allem aus dem Deathcore, in ihrem Sound und lassen allgemein den Dissonanzen mehr Raum. Mit ihrem letzten Album „Pathós“ gelang dem Quartett aber in erster Linie dank seiner Diversität ein ziemlicher Erfolg – auch in unserem Soundcheck aus dem August 2022 schaffte es die Platte auf einen überraschenden vierten Platz. Kann der Nachfolger „Unself“ daran anknüpfen?

CONJURER – Der unvermeidliche Tritt in die Magengrube

Unsere Review von „Pathós“ attestierte CONJURER damals ein extrem gutes Händchen in Sachen Mischung verschiedenster Einflüsse, insbesondere der Kontrast aus fast schon „schönen“ Melodien und dem harten, dissonanten Brett wurde gelobt. Nichts läge also näher, als auf „Unself“ diese Herangehensweise aufzugreifen und auf dem verflixten dritten Album diesen Sound zu perfektionieren. So startet der eröffnende Titeltrack auch erst einmal mit ruhigen Akustikgitarren und sanftem Klargesang – bevor ein Kopfschmerzen verursachendes Piepen den Hörer daran erinnert, wie Scheiße der Zustand der Welt um uns herum eigentlich ist und der unvermeidliche, beherzte Tritt in die Magengrube folgt.

Was folgt sind 45 Minute schwerverdauliche Kost. Ja, der Kontrast ist immer noch da, auch „All Apart“ beginnt verhalten, ruhig und unterstreicht die brutalen Screams von Brady Deeprose und Dan Nightingale mit schmissigen Hardcore-Melodien, bevor fiese, tiefe Riffs ordentlich Maulschellen verteilen. Versucht man die Gedanken einer Person zu vertonen, die sich nicht zugehörig, eben in dieser Welt nicht zu Hause fühlt, geht dies, neben einer immer unterschwellig mitschwingenden Verzweiflung, auch nicht ohne eine gehörige Portion Wut ab.

Wie schon zuvor schrecken CONJURER dabei vor absolut keinem Genre innerhalb von Hardcore/Punk und dem gesamten Metal-Kosmos zurück, sei es moderner Djent, der schon erwähnte Deathcore, oder aber auch klassischer Death Metal bis zum (Post-)Black Metal. Was „Unself“ aber im Vergleich zu „Pathós“ ein wenig fehlt, sind die fast schon leichtfüßigen Entspannungsmomente, selbst die ruhigen Passagen weisen eine eigenartige Anspannung auf. Die staubtrockene Produktion macht die Melange nicht weniger schwer zugänglich, passt aber wie die Faust aufs Auge zu Songs wie dem bezeichnenden „There Is No Warmth“.

Ab der Mitte der Platte wirken die Kompositionen ein wenig beliebiger, nicht mehr ganz so in sich geschlossen und der Gedanke „ah, das haben sie jetzt auch noch verwurstet“ kommt ab und zu auf – beispielsweise bei Einsetzen der klassischen DM-Growls zu Beginn von „The Searing Glow“. Mittelmaß ist hier trotzdem nur wenig und das stimmige „This World Is Not My Home“ rundet die Platte durch das Anknüpfen an den Opener sowieso perfekt ab.

Die rohere Version seines Vorgängers – „Unself“

CONJURER bewegen sich mit „Unself“ weiterhin auf hohem Niveau, klingen aber (noch) sperriger und schaffen es nicht ganz so charmant, all ihre verschiedenen Einflüsse unter einen Hut zu bekommen. Die Wendungen innerhalb der weitestgehend kompakt gehaltenen Songs wirken nicht so durchdacht, vermutlich durchaus beabsichtigt. So gesehen ist „Unself“ ein bisschen die rohere Version seines Vorgängers.

Ob einem nun die etwas instinktivere Herangehensweise besser gefällt oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fans von „Pathós“ werden „Unself“ vermutlich auch lieben, für alle anderen fällt CONJURER-Album Nummer drei ein kleines bisschen weniger zwingend aus, was kein schlechtes Omen sein muss, aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

23.12.2025

"Time doesn't heal - it only makes you forget." (Ghost Brigade)

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