Dead Kosmonaut - Rekviem (EP)

Review

Ihr Debütalbum betitelten DEAD KOSMONAUT um den Bassisten und Hauptsongwriter Mattias Reinholdsson geschickterweise „Expect Nothing“. Da tatsächlich wenig über das Projekt bekannt war, dürften die Erwartungen tatsächlich relativ niedrig gewesen sein und wurden daher weit übertroffen. Tatsächlich enthielt die Scheibe aber äußerst hochwertigen, klassischen Heavy Metal. Nun sind die Schweden mit der EP „Rekviem“ zurück, deren Stücke allesamt aus der Entstehungsphase des Longplay-Debüts stammen. Handelt es sich also hier um eine bloße Resteverwertung von Material, dass einfach nicht gut genug für das Album war?

DEAD KOSMONAUT – Ohne Qualitätseinbußen

Schon „Frozen In Time“ zeigt klar, dass mangelnde Qualität ganz sicher nicht der Grund dafür war, den Song vor zwei Jahren nicht zu berücksichtigen. Auch wenn hier sowohl diverse Riffs als auch galoppierende Bassläufe an IRON MAIDEN erinnern, ist der Ende-Siebziger- bzw. Anfang-Achtziger-Hard-Rock-Vibe inkl. Jon-Lord-Hammonds der vorherrschende Einfluss des gelungenen Gute-Laune-Rockers.

Das bereits auf „Expect Nothing“ enthaltene „House Of Lead“ (nun mit dem Zusatz „Nobody’s Home“ versehen) wurde für die EP elektrifiziert neu aufgenommen und schlägt mit traurigen Gitarren eine völlig andere Richtung ein. Auch die Stimme von Per Gustavsson (NIFELHEIM) klingt nun weniger nach NWOBHM, sondern erinnert vielmehr an Rain Irving von WHILE HEAVEN WEPT. Musikalisch geht die emotionale Ballade ebenfalls eher in diese Richtung, bleibt aber trotzdem näher an klassischem Metal als am Epic Doom. Wie bereits im Opener haut Gitarrist Fredrik Folkare (UNLEASHED, FIRESPAWN) auch hier wieder Soli raus, die einem einfach nur die Sprache verschlagen.

Im Instrumental „Skyhooks And Sound Mirrors“ erhalten die Gitarren ein wenig mehr Fuzz, unterstützt von einem extrem groovigen Basslauf. Durch den vom Schlagzeug dominierten Mitklatsch-Teil wird zwar Abwechslung erzeugt, letztlich kann die Nummer aber im Vergleich zu den übrigen Kompositionen wenig glänzen. An manchen Stellen hätte ihr ein wenig Gesang vielleicht doch gut zu Gesicht gestanden.

Mit dem zehnminütigen Titeltrack wartet zum Ende noch eine Mammutaufgabe auf den Hörer. Die melancholischen Celli (gespielt von GRAND MAGUS-Basser Fox Skinner) reißen die Stimmung erneut herum, tempomäßig sind wir nun endgültig im Doom angekommen. Der Song trägt seinen Namen nicht von ungefähr, hier handelt es sich tatsächlich um ein Klagelied für eine verstorbene Person. Der nur sehr sparsam eingesetzte, jetzt deutlich tiefere Gesang, legt noch einmal an Emotionalität zu und fehlt, im Gegensatz zum Vorgänger, ansonsten nicht. Über die verwendeten Synthesizer kann man geteilter Meinung sein, da sie sich zunächst wie ein Fremdkörper anfühlen, aber schnell einen fantastischen Retro-Charme versprühen und perfekt in ein unfassbares Traum-Solo überleiten, dass aus der tiefsten Seele von Folkare zu kommen scheint.

Wird mit jedem Durchgang (noch) besser – „Rekviem“

Nein, von einer Resteverwertung kann man auf „Rekviem“ nun wahrlich nicht sprechen. Vielmehr haben DEAD KOSMONAUT eine unglaublich abwechslungsreiche EP erschaffen, die mit jedem Durchgang (noch) besser wird. Genau das hatte Mastermind Reinholdsson auch im Sinn. Laut eigener Aussage möchte er den Spirit der frühen Metal-Bands, die ohne den heutigen Hintergrund aufgewachsen sind und entsprechend verschiedenste musikalische Facetten in ihren Sound aufnahmen, wieder aufleben lassen.

Vom Uptempo-Rocker mit Einflüssen von IRON MAIDEN, UFO und DEEP PURPLE, über klassische Balladen bis zum, in Teilen an SORCERER erinnernden, ausschweifenden Doom-Schlusspunkt ist alles vertreten und passt erstaunlicherweise perfekt zusammen. High Roller Records untermauern mit diesem Release ihren hohen Qualitätsanspruch und die Vorfreude auf eine neues DEAD KOSMONAUT-Album steigert sich, trotz eines im direkten Vergleich nicht ganz so starken Songs, bereits jetzt ins Unermessliche.

09.09.2019

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