Debauchery - Rockers & War

Review

Galerie mit 18 Bildern: Debauchery - Ruhrpott Metal Meeting 2019

Vor ein paar Monaten starteten DEBAUCHERY einen Poll mit der Frage, welche generelle Ausrichtung die Songs auf dem neuen, sechsten Album der Schwaben-Metaller haben sollen: Eine knappe Mehrheit votierte für einen Mix aus brutalen Stücken und aus Rock-Songs, und hier ist das Ergebnis: „Rockers & War“ enthält im ersten Teil schnelle und brutale Songs im bekannten DEBAUCHERY-Stil, also Death Metal mit gurgelnden Grunzvocals. Der zweite Teil besteht hingegen aus Riffrock im Stile von AC/DC. Nichts neues also, haben die Süddeutschen doch bislang mit ihren fünf, in kurzer Folge abgefeuerten Alben bislang beide Zielgruppen bedient.

Aber abseits solcher aus Marketingsicht geschickten und vermeintlich basisdemokratischen Umfragen ist es doch von größerem Interesse, ob das Endergebnis etwas anderes ausstrahlt als bloßes Kalkül: Denn Auftragsarbeiten abliefern können viele, einige sogar so gut, dass das maßgeschneiderte Produkt schließlich als originärer Teil des Interpreten anerkannt wird. Dafür aber müssten DEBAUCHERY von der bloßen technischen Formel SIX FEET UNDER + AC/DC + Blastbeats + Grunzvocals abweichen.

Während der Opener „There Is Only War“ als groovende Dampfwalze beginnt, bevor das Tempo anzieht und jubilierende Keyboardklänge addiert werden, sind Stücke wie „Primordial Annihilator“ oder „Savage Mortician“ direkt im Überschallbereich angesiedelt. Trotz dieser formalen Unterschiede haben sie in ihrer Ideenarmut und Leblosigkeit doch eine entscheidende Gemeinsamkeit: Denn so beeindruckend die bloße Geschwindigkeit in sportlicher Hinsicht sein mag, so ernüchternd fällt das Ergebnis unter künstlerischen Gesichtspunkten aus. Demgegenüber gefällt mir „Honour And Courage“, das einen melodischen Zwischenpart mit einem fast schon gefühlvollen Gitarrensolo auffährt, sogar recht gut. Nach dem teilweise ordentlich groovenden „Killing Ground“ schließt das erschreckend lahme „Wolves Of The North“ den brutalen Teil ab. Richtig gehört, neu sind die erwähnten Keyboard-Einsprengsel im Soundgebäude der Süddeutschen. Allerdings erscheinen diese Einsprengel häufig wie gewaltsam aufgeschraubte Fremdkörper.

Folgt der Rocker-Part, der mit „3 Riff Hit“ eingeleitet wird: Ein erstaunlich selbstbewusster Titel für einen Song, der zwar ziemlich eingängig ist, aber doch nichts anderes darstellt als eine Aneinanderreihung von Ideen und Riffs des großen Vorbilds AC/DC. „New Rock“ wirkt dagegen fast schon elegant, wären da nicht die Vocals: Fronter Thomas versucht die Ferkelstimme von Brian Johnson zu imitieren, was zwar als Hommage an sein großes Vorbild durchgehen könnte, aber allzu aufgesetzt klingt. Vielleicht flicht er deshalb immer wieder seine Grunzvocals mit ein. „Hammer Of The Blood God“ wiederum möchte mit tragenden Pianoklängen ein lockeres Pubflair verbreiten, nervt aber mit zusätzlichen Synthiesounds – abgesehen davon, dass es ein recht mauer Song ist.

Nüchtern betrachtet ist der zweite Teil des Albums natürlich eingängiger als der erste. Aus Sicht des Musikfans ist das jedoch kaum ein Anreiz, sich „Rockers & War“ zuzulegen. Denn insgesamt bietet das Album nichts, was es nicht anderswo schon besser gegeben hätte: SIX FEET UNDER und AC/DC heißen die Originale, und TORTURE KILLER und AIRBOURNE zeigen, wie man aus den Vorgaben trotzdem etwas Frisches und Neues fabrizieren kann. Was DEBAUCHERY hier vorlegen, ist aber weder originell noch besitzt es eine eigene Identität. Vielmehr haben sie ein Stück Musik erschaffen, dessen hervorstechendstes Merkmal seine Beliebigkeit ist. Insofern würde ich mir wünschen, wenn vor dem nächsten DEBAUCHERY-Album ein Poll geschaltet wird, der die wirklich wichtigen Fragen behandelt: Die sich mit der Originalität der Musik beschäftigen… beispielsweise.

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03.04.2009

- Dreaming in Red -

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