Devourment - Obscene Majesty

Review

Was haben wir hier: Krach, höchstwahrscheinlich auch für 80% aller Metalhörer. Die Urgesteine in allem, was brutal, böse und viehisch klingt, sind zurück: Ganze zwanzig Jahre nach dem Erstwerk „Molesting the Decapitated“ sind DEVOURMENT mit dem ehemaligen Bandmitglied und auch Produzent des kultigen Debüts, D. Braxton Henry, zurück! Auch sonst hat sich ein wenig was geändert, um die Zeichen der Zeit zurück zu drehen:

Brad Fincher hat wieder hinter der Schießbude Platz genommen und Ruben Rosas kotzt sich wieder die Seele aus. Das Dreamteam auf den angestammten Plätzen. Das kann ja eigentlich nur gut werden, oder?

„Obscene Majesty“ – Gerödel von den Urvätern des Slam/Brutal Death, die Fünfte

Das letzte Album „Conceived in Sewage“ liegt nun schon ganze sechs Jahre zurück. Wenn man einen dermaßen riesigen Fußabdruck in der extremen Musikszene hinterlassen hat wie DEVOURMENT, muss man sich auch an den eigenen Standards messen lassen. Und das klappt bei DEVOURMENT auch auf dem neuen Album ganz ordentlich. Böse Zungen behaupten ja, die probenden DEVOURMENT wären für die letzten internationalen Erdbeben in Südamerika und Südostasien verantwortlich. Auch das Songwriting verstellt sich vehement jeglicher Neuerung oder Modernisierung und knüpft quasi genau da an, wo man vor 20 Jahren aufgehört hat:

Wahnsinnig schwere Drops, 8-saitige Gitarren wie ein Bienenschwarm aus der Hölle, kombiniert mit einem unnachgiebigem, aber sehr warm und natürlich produziertem Schlagzeug, was sich wohltuend vom Nähmaschinengetacker der meisten heutigen Brutal-Death-Bands abhebt. Das ergibt zusammen mit der etwas verwaschenen Produktionen eine absolute Wall-of-Sound, nach der nur noch die härtesten Hörer stehen werden.

Harmonien, Solos, wechselnden Gesang und sonstige Albernheiten, die Death-Metal-Bands heutzutage so dazu geben, packt man mit der Kneifzange nicht an. Im Gegensatz zum heutigen Sterilwahn in Sachen Sound ist dieser auf „Obscene Majesty“ in Anlehnung an die 90er direkt aus der Gosse: Blut und Modder kann man hier an den Songs beinahe riechen, die Riffs tönen so tief, dass man sie erst einmal freilegen muss in mehreren Hördurchgängen. Alles klingt ein wenig dumpf und unperfekt, die extrem verzerrten Gitarren sind höchstwahrscheinlich sogar gewollt etwas übersteuert und so undurchdringlich wie Schlamm produziert.

Das ergibt einerseits wahres „Facemelting“ beim Hören, trübt andererseits den Hörgenuss ein wenig. Passt aber wiederum auch zur asozialen Musik. Lyrisch ist man immer noch passend zur Musik bei allen menschlichen Abgründen, welche man so findet: SM mit Todesfolgen, Massensuizide von Kulten, Rachefantasien und Operationen, welche man sediert als Patient mitbekommt (soll es ja schon gegeben haben).

DEVOURMENT können’s immer noch

Im besten Sinne „old school“ unterwegs auf „Obscene Majesty“, zeigen DEVOURMENT den jungen Hasen im Slam und Brutal Death auch heute noch, wo der Hammer hängt. Im Gegensatz zu den alten Werken der Band, die in etwas über einer halben Stunde auf den Punkt kamen, wird die Chose hier mit fast 50 Minuten nach hinten raus allerdings ein wenig ermüdend.

So cool einzelne Slamparts oder manche Riffs (hat man sie erst einmal erkannt) sind, so ermüdend wird die ganze Sache auch über Dauer. Die tendenziell kürzeren Songs wie „Xenoglossisa“ oder „Arterial Spray Patterns“ kommen auch eher auf den Punkt und sind somit sehr viel effektiver als viele der in die Länge gezogenen wie „Sculpted in Tyranny“ oder „Profane Contagion“, die sich sehr Zeit lassen und wenig Abwechslung bieten.

Innovationen und guten Geschmack oder instrumentale Eleganz braucht man hier gar nicht erst erwarten und sind von DEVOURMENT überhaupt nicht vorgesehen, aber auch abwechslungsreiches und spannendes Songwriting im Slam/Brutal Death sind 2019 durchaus eine Sache der Möglichkeit, auch wenn man sich „old school“ gibt. Weniger wäre da vielleicht ein wenig mehr gewesen.

Auch die Produktion trübt trotz „Kultfaktor“ ein wenig den Hörgenuss, da selbst das Debüt trotz ebenso verwaschener Produktion noch besser hörbar war. Hier ist der überbordende Basseffekt durch die Übersteuerung über Dauer wirklich nervig. Nichts desto trotz: DEVOURMENT are back! Ob es 2019 im Metal noch irgendwas geben wird, dass einen so brutal wie das Monster „Obscene Majesty“ frontal angreift, zerfleischt und nur Stückchen zurück lässt, darf bezweifelt werden.

 

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05.08.2019

"Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann." - Wau Holland -

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3 Kommentare zu Devourment - Obscene Majesty

  1. ClutchNixon sagt:

    Infantiles Scheißartwork, beschissenes Songwriting, wahnsinnig beschissene Produktion, selbst für Slam Verhältnisse, und unfreiwillig komische Gutturals. Also alles wie immer bei Devourment.

    1. Thall_138 sagt:

      ClutchNixon, unfreiwillig komisch ist nur der vor Nicht-Ahnung strotzende Kommentar von dir. Oder eher peinlich… Wenn man keine Ahnung hat, usw…

  2. Watutinki sagt:

    Nach einem harten Tag genau das richtige zum entspannen!

    7/10