Disillusion - Ayam

Review

Soundcheck November 2022# 1 Galerie mit 19 Bildern: Disillusion – Rock For Animal Rights 2023

DISILLUSION haben ihre Versprechen tatsächlich wahr gemacht. Die Angst war groß, die Leipziger konnten nach dem famosen Comeback-Werk „The Liberation“ vor drei Jahren erneut wieder einfach jahrelang verschwinden und nichts von sich hören lassen. Aber hier sind wir nun, „Ayam“ ist aufgenommen und hier vorliegend und natürlich machen es sich ein paar Schweißperlen auf der Stirn bequem. Schafft es die Band, die mit „Back To Times Of Splendor“ vor nunmehr 18 Jahren ein übermächtiges Debüt veröffentlicht hat, auch auf ihrem vierten Langspieler wieder diese spezielle Magie heraufzubeschwören?

DISILLUSION führen ihr Vermächtnis konsequent fort

Mit dem bereits im Vorfeld veröffentlichten Longtrack „Am Abgrund“ beginnt unsere Reise in „Ayam“. Der deutsche Titel sollte hierbei nicht in die Irre führen, DISILLUSION singen weiterhin ausschließlich auf Englisch. Musikalisch wird der Stil, der mit „The Liberation“ aufgenommen wurde, konsequent fortgeführt, das Oberthema des progressiven Metals wird mit den für die Band typischen Versatzstücken aus Epic-, Death- und Thrash-Metal garniert.

Bereits auf dem eröffnenden Elfminüter verbrät die Leipziger Band mehr Top-Riffs und -Soli als manch andere Gruppe vergleichbaren Genres auf ihrem ganzen Album hinbekommt. Die seit „Alea“ mehr Raum bekommenden, orchestralen Elemente fügen dem Sound eine Komponente hinzu, von der wir bisher nicht wussten, dass wir sie brauchen. „Am Abgrund“ liefert direkt zu Beginn ein hartes, stürmisches Meisterwerk und dickes Ausrufezeichen ab.

Keine halben Sachen bei DISILLUSION

„Ayam“ besteht aber nicht nur aus seinem Opener. Ebenfalls im Vorfeld als Musikvideo veröffentlicht folgt auf „Am Abgrund“ der fast schon knackig-kurze Track „Tormento“, der in seinen ruhigen Passagen schon ein bisschen an „Gloria“-Zeiten erinnert, dann aber zu einer brutal-death-doomigen Höchstleistung mutiert und ein paar der bösesten Growls Andy Schmidts, die es bisher bei DISILLUSION zu hören gab, auf die Hörer:innen loslässt. Zwischendrin gibt es dann noch ein wunderbar tänzelnd-proggyeskes Solo.

Das melancholische, über weite Teile akustische „Driftwood“ gibt uns Zeit zum Durchatmen. Hier zeigt sich wieder einmal die besondere Stärke DISILLUSIONs, ihre Songtitel perfekt auszuwählen. Das Stück überträgt sofort die Atmosphäre eines Stück Treibholzes, das durch ein nicht zu wildes Flussbett schwimmt. Zwischenzeitlich nimmt die Strömung etwas an Fahrt auf, aber auch nicht zu stark, bevor es wieder in ruhigere Gewässer driftet.

Spannend ist auch „Abide The Storm“, welches abgesehen von einem kurzen Part am Anfang recht lange mit einem Stimmungsaufbau samt atmosphärischer Blasinstrumente spielt. Erst ab der achten Minute mischt sich ein langsam empor steigendes Tempo unter die trügerische Ruhe des knapp zwölfminütigen Werkes, die Ruhe vor dem Sturm sozusagen. Das Kopfkino ist jedenfalls durgehend aktiv.

„Ayam“ bietet acht Songs mit eigener Identität

Wenn du nicht weißt, welche Highlights du dir raussuchen sollst, weil das Album keinen Song hat, der nicht im Spotlight stehen sollte, dann hast du sowohl als Musikkonsument viel Spaß als auch als Produzent derselbigen alles erreicht. „Longhope“ verläuft anfangs schon fast unauffällig, doch mit jedem Durchlauf finden sich in den ruhigen Parts immer mehr Facetten, die beleuchtet werden soll und das üppige Finale ist melodietechnisch zum Niederknien.

„Nine Days“ bietet ebenfalls reduzierte Härte aber große Atmosphäre. Generell, nicht nur bei diesem Song, sollte auch die fantastische Gesangsleistung Schmidts erwähnt werden, der auf keinem DISILLUSION-Album bisher so facettenreich mit seiner Stimme umgegangen ist. Von tief-düsteren Growls bis zum sphärischen Säuseln ist alles dabei, fieses Gekeife und gar thrashige Schreie, all das kann „Ayam“ einem während der Laufzeit bieten.

„Ayam“ – Ein Finale mit Licht

Nachdem auf „Ayam“ auch viel Dunkelheit geherrscht hat, folgt mit „From The Embers“ als vorletzter Song ein Stück mit beschwingtem Refrain, der eine deutlich hellere, optimistischere Atmosphäre ausstrahlt. Nachdem man also quasi durch Sturm und Dunkelheit geschritten ist, ist nun am Horizont schon das Licht des neuen Tages zu erkennen.

„The Brook“ schließt das Album schließlich ebenso positiv ab, die Chöre gegen Ende vermitteln das Bild eines Urschreis von einem gigantischen Felsmassiv bei Sonnenaufgang. Ja, solche eine Bildsprache muss bei DISILLUSION sein.

Vier Alben, vier Treffer ins Schwarze – DISILLUSION

DISILLUSION haben es wieder getan! „Ayam“ muss sich nicht vielen Kritikpunkten stellen. Es ist, wie alle Alben der Band, ein Grower und lässt von Durchlauf zu Durchlauf neue Facetten erkennen. Damit ist auch das vierte Album der Gruppe ein absolutes Freudenfeuer für Fans progressiver Gitarrenmusik!

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29.10.2022

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

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9 Kommentare zu Disillusion - Ayam

  1. Daemion sagt:

    Ich gebe dem Album 10/10.

    Man könnte beim erst reinhören zwar meinen, es scheint hier wieder den stilistischen Grundtenor aus der Prog-Ecke treffend vorzeigen, denn allein der Sound und die Mischung ansich sagt einem vllt. schon, in welche Richtung es gedreht werden möchte, dazu bringt ja auch Jens Bogren als Toni schon sein Zeichen mit ein, aber dieses Spielgefühl, genussvoll und gekonnt beim (nicht so) mehrmaligem reinhören, mit welcher Bravour diese, sagen wir mal Oberflächlichkeit, schwindet und mit welch phantastischer Dynamik, von der ersten Sekunde an geschmückt wird, da kann man nur von einem Meisterwerk sprechen. Auch der direkte Vergleich zum Vorgängeralbum „The Liberation“, welches hier ja auch schon 9/10 erklungen hat, kommt technisch, kompositorisch, aber vor allem auch die Qualität der Gesänge keineswegs an „Ayam“ heran. Andys Leistung ist eine Gradwanderung und trägt dazu bei, dass dieses Album anders ist. Es gibt soviel zu entdecken.

    Aber ehrlich gesagt will ich hier Nichts darüber verlieren, was ich im Einzelnen höre oder wie ich die Musik als Ganzes zu beurteilen habe, denn es soll jeder selbst reinhören und vorallem, wer bin ich schon? Ich kann für mich persönlich nur sagen, auch als Musiker, vereint dieses Album Alles was ich bisher selbst in meiner Musik vereinen wollte. Ich komme selbst aus der Melo-Prog Ecke und das schon einige Jahre, immer auf der Suche nach Neuem, aber das dieses Album mit so einer Dynamik passieren konnte, grenzt für mich an ein Wunder.

    LP und Mediabook ist bereits angekommen. Die Konzerte, so hoffe ich, werden alsbald veröffenlticht für 2023.

    10/10
  2. Dor Leo sagt:

    Stark! Locker TopTen 2022

    10/10
  3. Vlad_the_Impala sagt:

    Also wenn das wirklich Herr Bogren gemixt und gemastert hat (was wohl so ist), dann bin ich wirklich erstaunt und ihm überaus dankbar, wie dynamisch er das Material belassen/aufbereitet hat. Selbst die Snare klingt nach Snare, hehe..
    Davon abgesehen vermittelt das Material auf mich so ein gewisses Suchtpotenzial auf mich, was beim Vorgänger m.M.n. nur partiell der Fall war..
    Aber mal sehen. Ich schätze, das wird mich noch ein paar Tage lang beschäftigen.. 🙂

  4. onlythewindremembers sagt:

    Dass sie nach dem Vorgänger nochmal einen drauflegen können, ist wirklich eine krasse Leistung. „The Liberation“ war ja schon eine wahnsinnige geile Platte, teilweise aber auch etwas sperriger als „Ayam“. Das Ding hier fließt einfach so am Stück durch und trotzdem wird in der knappen Stunde so extrem viel Abwechslung geboten. Auf jeden Fall ein Anwärter auf das Album des Jahres.

    10/10
  5. Watutinki sagt:

    So im ersten Hördurchgang bin ich damit noch nicht so richtig warm geworden, ohne genau sagen zu können woran es liegt. Werde dem Album aber noch einiges an Zeit geben, Qualität ist ja eindeutig vorhanden.

  6. TrVeManSchoh sagt:

    Ist bestellt, aber noch nicht eingetroffen. Habe Tormento auf YT schon zig mal gehört und freue mich ob der positiven Resonanz hier. Ich bin gehypt. The Liberation fand ich gut, aber für Disillusion-Verhältnisse ziemlich gewöhnlich und weniger herausfordernd als erhofft. In einer Woche bin ich schlauer.

  7. Kropfverfechter sagt:

    Ziemlich geil! Die 10 traue ich mich nicht zu zücken, aber ich freue mich sehr für die Band so ein Brett rauszuhauen. Gloria hat mich 2006 schon total begeister und ich habe immer gehofft, dass Disillusion mal die verdiente Aufmerksamkeit bekommen.

    9/10
  8. Watutinki sagt:

    Geht leider weiterhin nicht an mich ran, so sehr ich mich auch bemühe. Vielleicht ist es mir zu erwachsen geworden, keine Ahnung. Muss mir mal die alten Alben anhören und schauen, was mir hier persönlich fehlt.

    7/10
  9. Watutinki sagt:

    Jetzt schon mehrfach gehört, leider hat das meinen Zugang zur Musik nur bedingt weitergeholfen, die 7 Points bleiben bestehen. Ich kann mittlerweile aber etwas besser in Worte fassen, was mich an dem Album nicht ganz so fasziniert:

    – Insgesamt finde ich, kommen die Songs etwas zu überladen daher, tlws. überambitioniert. Das kann zwar durchaus sehr interessant sein, belässt die Tiefe der Emotionen aber etwas an der Oberfläche.
    – Einiges klingt mir auch schon zu bekannt, irgendwie zu typisch nach Disillusion. So als hätten Sie gewisse Disillusion Treademarks quasi einfach recycelt. Vielleicht ähnlich dem Cover, anders als das Vorherige und doch irgendwie gleich.
    – Insgesamt sind die Musiker vielleicht auch einfach schon etwas zu sicher geworden, in dem, was sie tun. Tlws. habe ich den Eindruck, die spielen derartige Musik quasi ohne große Schwierigkeiten ein, fast schon automatisch irgendwie. Was natürlich auf der anderen Seite auch für deren Klasse spricht.

    Das alles ist Jammern auf super hohem Niveau, das ist klar!!
    Ich gönne den Jungs den Erfolg und hoffe sehr, dass sie beim Jahrespool bei metal.de oben auf der Pole Position stehen. Das wäre hier das erste Mal, dass ich dann auch mein Daumen dazu hochrecke. Auch wenn ich selbst, in dem Album jetzt nicht zwingend mein Jahreshighlight gefunden habe.