Disillusion
Disillusion

Interview

Die Leipziger Combo DISILLUSION präsentiert einen außergewöhnlichen Mix aus Dark-Metal, eingängigem Death & progressiven Klängen. Das neue Album "Back To Times Of Splendor" ist zweifellos das beste, was die Jungs bisher herausgebracht haben. Frisch und dynamisch, aber auch herzreißend und melancholisch weiß es mit seiner Innovation und seinem enormen Potential zu überzeugen, bezaubert und berührt auf SEINE Weise. Inwiefern diese Musik eine Widerspiegelung DISILLUSIONS Seins ist und wie sie sich zu diesem entwickelt hat, erfahrt Ihr aus meinem Interview mit dem Gitarristen Rajk.

DisillusionHallo, am besten fangen wir vorne an, auch wenn Du wohl bald die „Standardfragen“ nicht mehr hören kannst, grin. Könntest Du den Lesern von The Dark Site in kurzen Worten etwas zur Geschichte von DISILLUSION erzählen?

Du hast Recht, diese Frage nervt. Deswegen gibt es hier einen kurzen Abriss. Die ausführliche Geschichte kann man unter www.disillusion.de History nachlesen.
Die Wurzeln von Disillusion reichen ins Jahr 1994 zurück. In der jetzigen Form existiert die Band seit Anfang 2001 als Jens (drums) und ich (git.) zu Vurtox (vox, git, b, keys) stießen. Wir schrieben sehr bald die ersten Songs und bauten ein kleines Studio, wo wir unser DEMO „Three Neuron Kings“ aufnahmen. Wir unterschrieben bei einem kleinen Leipziger Label und brachten die CDSingle „The Porter“ heraus. Beide Veröffentlichungen sorgten für viel Aufregung im Untergrund. Unter anderem wurden wir „Newcomer des Monats“ im Metal Heart Magazin und gewannen den Legacy „Support the Underground“ Contest. Wir spielten viele Shows ein paar kleinere Festivals und eine selbstorganisierte Tour. Als Folge von all dem bekamen wir ein Angebot von Metal Blade Rec. über mehrere Alben… Im genannten Studio www.salvation–recording.com produziert Vurtox mittlerweile auch andere Bands.

Graben wir mal nach Euren Wurzeln: Welche Musik hat Euch beeinflusst?

Letztendlich wird man von allem beeinflusst, was man erlebt, was einem umgibt und man kann aus allem Inspiration ziehen. Die musikalischen Einflüsse sind dabei am einfachsten zu entdecken, daher auch am einfachsten zu benennen. Sie reichen von Metal bis Rock ,Pop , Jazz, Klassik, Film und Weltmusik. Alles was gut ist… Um ein paar Namen zu nennen: Opeth, Emperor, Anathema, Tool, Ulver, Dave Mathews Band, Herr der Ringe Soundtrack uvm.

In wenigen Wochen geht die Festival-Saison wieder los, wie steht’s mit Euch? Werdet Ihr bei einigen dabei sein, ob nun privat oder mit Band?

Wir sind für einige Festivals gebucht, beginnend mit den Walpurgis Metal Days, Fun And Crust Festival, Dong Open Air, Metal Forces Festival, Summer Breeze. Es werden auch noch weitere dazu kommen. Für private Festivalbesuche fehlt uns leider die Zeit…

Was sind Deiner Ansicht nach denn die drei wichtigsten Dinge, die man auf ein Festival mitnehmen sollte?

Eintrittskarte, Gehörschutz und vielleicht ein paar den Hörgenuss intensivierende Substanzen…

Und wenn Du Dir persönliches Festival-traum-billig zusammenstellen könntest, welche Bands wären dann dabei?

Emperor Reunion Show zusammen mit einem großen Orchester, welche die letzen drei Album komplett aufführen Disillusion ebenfalls mit Chor und Orchester, Dave Matthews Band, Opeth, My Dying Bride,
A Perfect Circle, Meshuggah, Sigur Ros, Dark Suns,
Pain Of Salvation.

Ist Euer Songwriting eigentlich mehr das Resultat von Kalkül, von genauem Durchdenken? Oder ist es ein eher emotionaler Prozess? D.h., kommen Eure Songs eher aus dem Kopf oder aus dem Bauch, oder gar beides?

Es geht um Emotionalität, Atmosphäre, Fluss und um ein organisches Ganzes. Um das zu erreichen arbeiten wir mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen. Das heißt, natürlich ist auch der Kopf im Spiel: Alles ist gut durchdacht, tausendfach auseinander genommen und wieder zusammengefügt, ABER die letzte Instanz ist immer das Bauchgefühl. Ideal wäre es die Musik direkt aus dem Innersten fließen zu lassen, völlig durchlässig zu sein und die Gefühle ungefiltert in Klänge zu übertragen. Bei den Aufnahmen zu Back To Times Of Splendor ist dieses, Vurtox sogar teilweise gelungen. Es finden sich Passagen auf Platte die völlig spontan und ungeplant entstanden sind und einen ganz besonderen Zauber versprühen. Diese Passagen dann mit den geplanten Teilen so zu verbinden, das ein stimmiges Ganzes herauskommt, war eine Herausforderung während der Arbeit an Back To Times Of Splendor, welche Vurtox unter unendlichen Mühen über eine 8 monatige Aufnahmezeit hinweg schließlich so perfekt meisterte, dass ein wirklich einzigartiges, fesselndes und auch neuartiges Stück Musik herauskam.

Wie wichtig ist für Dich und die Band das Medium Internet?

Das Internet ist als Informationsquelle und Kommunikationsmittel unentbehrlich. Außerdem haben wir eine Homepage, die gut besucht wird und viele Informationen und Hintergründe zur Band liefert.

Wo siehst Du die Metal-Szene in zehn Jahren?

Keine Ahnung und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht so brennend, da ich nicht mehr so „Szenefixiert“ bin. Ich würde mich aber freuen, wenn sich mehr qualitativ gute Bands durchsetzen könnten und einige der alten Eisen, die seit Jahren nur belangloses Material veröffentlichen, aber trotzdem regelmäßig die Headliner Positionen der Festivals besetzen, endlich abtreten würden. Außerdem wäre es nicht schlecht, wenn es mehr Labels mit Kunstverstand und Mut zum Risiko gäbe. Damit würde sich nämlich die Masse an Durchschnittsbands die jeden Monat den Markt mit sinnloser Scheiße verstopfen verringern, was nicht zum Nachteil für die „Szene“ wäre, vorrausgesetzt es gibt Hörer, die solch ein Risiko dann auch belohnen.

Glaubst Du, dass der Erfolg eine/Eure Band verändern kann?

Das hängt davon ab, wie Du Erfolg definierst. Uns ist die Anerkennung von Leuten wichtig, die sich intensiv mit der Musik auseinandersetzen und uns Ihre Erlebnisse damit berichten. Ich werte es als Erfolg, wenn bei einem Live Konzert die Atmosphäre der Songs auf das Publikum übergreift und wir „erhebende“ Momente erzeugen. Solcherart Erfolg gibt Selbstvertrauen und Kraft. Kommerzieller Erfolg erzeugt Neid und einen Erwartungsdruck, der meistens schädlich ist.

Was würdest Du mit DISILLUSION gerne als nächstes erreichen?

Das wichtigste ist die Band am Laufen zu halten und eine gute nächste Platte zu machen.

Ein paar Gegensatzpaare, bitte entscheide Dich schnell und schreib kurze Erklärungen dazu:

Black Metal oder Gothic?

Das ist für mich kein Gegensatzpaar und gute Musik lässt sich in beiden Genres finden, auch wenn ich dafür lange suchen muss

Gott oder Teufel?

Beide „Konzepte“ spielen für mich keine Rolle.

„Lord Of The Rings“: Buch oder Film?

Das Buch und der Film (wenn Du den von PJ meinst) gehören für mich zu dem Besten, was in jeweiligen Bereich jemals erschaffen worden ist.

Mit dem Auto oder mit dem Fahrrad?

Ich vermeide Autofahrten, wann immer es geht

Sommer oder Winter?

Im Sommer wird mein Kind geboren und meine Freundin ist glücklicher in dieser Jahreszeit.

Musik machen oder Musik hören?

Mir fällt das Musik hören und das Musik spielen leichter als das Musik machen

Arbeit im Studio oder Liveshows?

Beides gleich wichtig

So, als letztes würde mich noch Deine aktuelle Top 5 interessieren, dann bist Du erlöst, hihi.

Gabriel Fauré – Piano Quintetts No.1 / No.2
Bobby Mc Ferrin, Chick Corea -The Mozart Sessions
Disillusion – Back To Times Of Splendor
Madder Mortem – Deadlands
Ulver – Themes from W. Blakes Marriage Between Heaven And Hell

Vielen Dank für Deine Zeit & das Interview!
Alles Gute für die Zukunft!
Ah und natürlich noch Deine „last famous words“ an unsere Leser von metal.de? 😉

Back To Times Of Splendor ist als Ganzes konzipiert und sollte auch so wahrgenommen werden. Also am Besten abends, bei Kerzenlicht, unter Kopfhörer, bei einem Glas guten Rotwein hören und dazu ein Blick in die Texte und auf das Artwork werfen. Dann werdet Ihr wirklich eintauchen und genießen können.

Galerie mit 8 Bildern: Disillusion - Prophecy Fest 2019
04.05.2004

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