Hideous Divinity - LV-426 (EP)

Review

Das EP-Format ist schon eine feine Sache, zumindest wenn eine Band dieses nutzt, um mal etwas neues auszuprobieren. Denn über die kurze Spielzeit fällt es leichter, ein gescheitertes Experiment zu verzeihen. Im Idealfall gelingt die Transformation allerdings. Case and point: Die in Italien beheimateten Schlagetote HIDEOUS DIVINITY spielen, zuletzt in voller Länge etwa auf „Simulacrum“ zu hören, einen straff gebündelten, ultrabrutalen Tech-Death, der so tight geschnürt und klanglich zugemauert ist, dass kein Blatt zwischen die einzelnen Noten passt. Während das an diversen anderen Stellen für Frohlocken innerhalb der hungrigen Death-Metal-Meute sorgte, empfand unsereins diesen Umstand mehr frustrierend hin zum Punkt, wo sich durch die konstant hohe Intensität stellenweise ein Gleichklang einstellte.

HIDEOUS DIVINITY drehen die Stellschrauben im Sinne des Hörgenusses

Nun erscheint mit „LV-426“ eine neue EP der Italiener und knüpft im weiteren Sinne dort an, wo „Simulacrum“ seinerzeit aufgehört hat. Der kleine aber feine Unterschied ist der, dass nun deutlich atmosphärischere, teils gar schwarzmetallische Klänge ihren Weg in das Songwriting gefunden haben. Zwar ist der Sound immer noch durch eine penetrante Loudness geprägt, allerdings erledigt die neue, atmosphärische Note einiges an Beinarbeit, um das neue Werk deutlich dynamischer klingen zu lassen und damit zugänglicher für all jene zu machen, die mit dem Vorgänger aufgrund dieses Problems nicht wirklich warm werden konnten. HIDEOUS DIVINITY sind hinsichtlich dessen also schon auf einem guten Weg der Besserung.

Wer jetzt befürchtet, dass die Herren deshalb Abstand genommen haben vom brutalen Gekloppe, kann sich beruhigt zurücklehnen. Denn „LV-426“ büßt kein bisschen an Härte ein, sondern beißt, schlägt und tritt genauso unnachgiebig zu wie sein Vorgänger. Tatsächlich hat sich sogar ein COHEED AND CAMBRIA-Cover in Form von „Delirium Trigger“ auf die EP geschlichen, das jedoch so gut von der Band kraft ihrer eigenen Stilmerkmale adaptiert wird, dass man es wohl kaum bemerken würde, wenn man es nicht besser wüsste. Besonders schön ist hier die klassische Klavierornamentik, die im Mittelteil des Tracks zu hören ist. Unsereins hätte es sich denken können aufgrund der ausgefeilteren Melodik des Stückes, die den Track vom Rest prägnant unterscheidet.

Auch EPs können Konzeptwerke sein – „LV-426“ handelt im „Alien“-Universum

Apropos Rest: Bei den beiden anderen Stücken handelt es sich um Eigenkompositionen, die dem qualitativ in nichts nachstehen, aber den HIDEOUS DIVINITY-Stempel schon deutlich erkennbarer aufgedrückt bekommen haben. „Acheron, Stream Of Woe“ beginnt mit beinahe melancholischen Melodien, die schon ein bisschen programmatisch für den atmosphärischeren Anstrich der EP sind. Bevor man sich es aber zu gemütlich damit machen kann, kloppen die Herren wieder alles zu Klump, lassen aber immer wieder Platz für wiederum angenehm kühle, melancholische Melodien, die erhaben in der Hook auf- und wieder abebben. Unterdessen implementieren HIDEOUS DIVINITY in „Chestburst“ ähnlich pulsierende Melodien, ähnlich wie sie auch im Hauptthema des Films „Aliens“ zu hören sind.

Ach ja, „Aliens“ ist ein gutes Stichwort. Denn „LV-426“ ist ein Konzeptwerk, das in diesem Universum spielt. Dass „Chestburst“ also solche Melodien mit integriert, ist also ein ziemlich cleverer Kniff seitens der Band. Und die Tatsache, dass sich die Brutalos an eine Konzept-EP über den Charakter Newt aus dem „Alien“-Franchise – spätestens hier ergibt der Titel der EP auch Sinn – herangewagt haben, zeigt zudem, wie ambitioniert so eine EP tatsächlich sein kann. Wie eingangs erwähnt: Das EP-Format ist eine feine Sache, wenn eine Band diese nutzt um mal wirklich kreativ zu werden, ohne zu sehr Gefahr zu laufen, sich zu in einer Sackgasse verrennen. Operation gelungen, Patient tot. „LV-426“ ist ein voller Erfolg trotz des weiterhin überdurchschnittlich dichten Sounds.

17.04.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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