Hideous Divinity - Simulacrum

Review

Soundcheck November 2019# 10

Die Todesblei-Brutalos HIDEOUS DIVINITY sind ein HOUR OF PENANCE-Ableger mit ABORTED-DNA in Form von Stefano Franceschini am Bass und machen als solcher keine halben Sachen: Das vierte Album „Simulacrum“ ist ein wütender Sturm, der gnadenlos über den Hörer hereinbricht und diesen dusselig knüppelt. Es bündelt die brutaleren Momente von BEHEMOTH, man denke zum Beispiel an „Demigod“, und dreht diese durch den Tech-Fleischwolf. Das Ergebnis klingt oft so, als habe die Band ihre wie fuchsteufelswild herumfuchtelnden Songs gerade so unter Kontrolle.

Pure Gewalt = Purer Genuss?

Und der Ersteindruck bestätigt auch den buchstäblichen Einschlag, den die Band hinterlässt. Man wird von der Inbrunst und schieren, rohen Macht hinter den massiven Knüppelattacken regelrecht überrumpelt und fühlt sich als Connaisseur technischer Brutal-Death-Kost sofort pudelwohl im kranken Sound, der einem hier mit chirurgischer Präzision um die Ohren gehauen wird. Vereinzelte, erfrischend melodische Breaks hier und da lassen dabei immer wieder aufhorchen, werden üblicherweise aber direkt von der nächsten Lawine mitgerissen. Nix mit Durchatmen.

Langfristig managen HIDEOUS DIVINITY ihre Aggressivität jedoch nicht sonderlich nachhaltig. Zunächst einmal sind die Songs für einen Death Metal von dieser enormen Intensität viel zu lang oder nicht vielschichtig genug geraten. Locker über die Hälfte der Tracks sprengt die Vier-Minuten-Marke. Doch das Geballer bietet nicht genug Abwechslung, um investierte Hörer jenseits des euphorischen Wohlwollens längerfristig am Ball zu halten. Die Folge: Die Songs arten gerne in Gleichklang aus, sodass man die Tracks schlimmstenfalls kaum voneinander unterscheiden kann.

HIDEOUS DIVINITY schießen vielleicht etwas am Ziel vorbei

Dabei kann man vor der Rücksichtslosigkeit des Dargebotenen schon den Hut ziehen. Die Band lärmt definitiv nicht mit Handbremse, sondern braust mit Karacho und durchgetretenen Pedalen durch die Boxen. Es ist halt schade, dass HIDEOUS DIVINITY kaum Spitzen fernab der angesprochenen Breaks setzt, um für Aufhorcher innerhalb der Songs zu sorgen. Der konstante Druck, den die Band ausübt, ist lobenswert, erstickt jedoch jegliches Aufkommen von Dynamik nur zu gerne im Keim, sodass „Simulacrum“ bedauerlicherweise nur eine kurzfristig anregende Angelegenheit ist.

Dafür kann man sich der Platte zumindest kurzweilig mal wieder die Gedärme mit Elan gründlich durcheinanderwirbeln lassen. Speziell das erste Drittel der Trackliste – ganz besonders der Opener „Delezean Centuries“ – besteht den Langzeittest und auch der Rausschmeißer „Implemini Exitio“ ist zumindest um Vielschichtigkeit bemüht. Der Rest ist hochqualitatives Gefuchtel, das sich etwas zu schnell abnutzt. Für den kleinen Wutanfall zwischendurch geht die Platte aber absolut in Ordnung. Und ein Pfund frisch Gehacktes gibt es da natürlich oben drauf.

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06.11.2019

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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1 Kommentar zu Hideous Divinity - Simulacrum

  1. ClutchNixon sagt:

    Mangelhafte Dynamik? Quatsch. Liebhaber der italienischen Brutal Death Szene legen gut und gerne zwei bis drei Punkte auf das obige Review drauf, bekommen sie doch genau das, was sie erwarten. Ganz fein!

    8/10