Jupiterian - Protosapien

Review

Die Brasilianer JUPITERIAN sind im langsamen, modrigen und düsteren Doom/Death Metal zu Hause. Im Fahrwasser solcher Bands wie KRYPTS oder FUNEBRARUM sorgten die Vorgänger „Terraforming“ und „Urn“ für Aufmerksamkeit. Bei uns attestierte Herr Möller der Band immerhin ein atmosphärisch dichtes Album, dem es letzten Endes zu einem gutklassigen Album am Besonderen fehlt. Ihre neueste Platte „Protosapien“ knüpft direkt dort an. Wird man im Intro „Homecoming“ noch von Fliegen überm Scheißhaus und ominösem Soundtrack gegrüßt, bricht „Mere Humans“ über einem zusammen wie eine einstürzende Höhle im südamerikanischen Dschungel. Schleppend, modrig, runter getunt, gurgelnde Vocals – ASPHYX-Fans der „Last One On Earth“-Ära (minus Gesang und Gitarrensound, aber in Hinblick auf schleppenden Horror) oder OSSUARIUM und Konsorten fühlen sich sofort zu Hause. Oppressiv, mächtig, düster, so legt die Band schon einmal gut vor.

JUPITERIAN verschlingen mit Haut und Haaren, haben aber eine kurze Halbwertszeit

Auch „Voidborn“ und „Capricorn“ bleiben in diesem groben Stil. Mal wiegt einen ein beschwingter Einstieg in falscher Sicherheit, ehe die Daumenschrauben angezogen werden und es sogar kurzzeitig mal schneller zugeht, mal weiß man schon von Anfang an wie der Hase läuft beziehungsweise jener eher gemächlich vorwärts geht und langsam quält. „Starless“ und „Earthling Bloodline“ versuchen sich dann noch einmal an ein wenig Melancholie mit überraschend positiv aufspielendem Ende, respektive verlorenem, stimmungsvollem Finale.

Genau dieses Gespür für abwechlungsreiches Songwriting mit Monotonie und Langsamkeit, wo nicht an vielen Schrauben, aber sehr gezielt mit großer Wirkung gedreht wird, unterscheidet sie dann von Kollegen wie VOID ROT in positiver Hinsicht, da letztgenannte das scheinbar noch nicht so ganz begriffen haben. JUPTERIAN brechen aber auch nicht großartig aus dem Schema aus. Kennste einen, kennste alle trifft somit auch leider ein wenig auf „Protosapien“ zu.

Für höhere Weihen reicht es bei  „Protosapien“ noch nicht ganz, der Weg stimmt aber

Der letzte Kick, die Überraschungen oder komplett urgewaltige Riffs fehlen noch ein wenig. Trotz allem sind JUPITERIAN schon auf einem guten Weg, wenn sie sich die oppressive Atmosphäre bewahren und diese in Zukunft noch ein wenig spannender gestalten.  Für eine Doom-Sause ist das Album mit etwas über einer halben Stunde auch verhältnismäßig kurz. Das ganze Drumherum, also das fantastische Artwork von Mariusz Lewandowski und die moderne Produktion können sich aber ziemlich sehen lassen. Während JUPITERIAN  auf Platte noch das letzte Extra fehlt, wird die Musik live sicherlich eine besondere Erfahrung sein.

„Protosapien“ verschlingt Hörer wie der brasilianische Dschungel unvorsichtige Wanderer und Rucksacktouristen. Allerdings ist die ganze Chose spätestens nach ein paar Durchgängen mangels Abwechslung oder Langzeitwirkung, auch wegen der kurzen Spielzeit, schon wieder gegessen. JUPITERIAN haben Potential, dass sie noch nicht vollständig auskosten. Mit ein wenig mehr Gespür für ihren eigenen Sound und ein wenig abwechgslungsreicherem Songwriting bei gleichzeitiger Bewahrung ihrer mysteriösen, düsteren und erdrückenden Atmosphäre könnte für JUPTERIAN auf dem nächsten Album dann durchaus ein Platz auf dem Olymp im Death/Doom frei werden.

01.09.2020

- What is Gods favorite chord? - Gsus

Der metal.de Serviervorschlag

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