Luca Turilli - The Infinite Wonders Of Creation

Review

Eins steht fest: LUCA TURILLIs vorherige Werke gehörten für mich schon immer zu den unterbewertesten Platten unseres Archives. Nicht nur dass er ein begnadeter Gitarrist ist und mit dem Einbeziehen nationalfolkloristischer Elemente unverkennbar aus der Konkurrenz heraussticht, mit „Prophet Of The Last Eclipse“ ist ihm sogar die Meisterleistung gelungen, das komplette RHAPSODY-Schema ins Science Fiction Genre zu setzen, und dabei ein zeitloses Werk fast ohne Abnutzung zu schaffen. Ich wäre der erste gewesen, der dafür die 9/10 hingeblättert hätte – aber bei jener Platte die nun in meinem CD-Player rotiert, konnte ich mich nur deshalb zu einer 8 durchringen, weil man a) genau raushört wie clever und historisch „The Infinite Wonders Of Creation“ komponiert ist, und b) ich genau weiß, dass Neulinge genauso positiv von dieser Scheibe überrascht werden, wie ich negativ.
Die drei maßgeblichsten Veränderungen: Es gibt nur noch zwei typische Gute-Laune-Ohrwurmrefrains, das Tempo ist um die Hälfte gedrosselt, und Chef Turilli steht neuerdings konsequent zu seinem Keyboardkönnen. Gut, letzteres dürfte jetzt nur Gitarrenfanatikern wie mir übel aufstoßen, doch es wird noch schlimmer: Selten waren Gitarrensoli so aufgesetzt und lieblos runtergezockt wie hier. Sie bestehen meist nur aus wenigen Takten, sinnlosem Gefrickel, und stören eher beim Songaufbau, als ihn zu bereichern. Das einzige Gitarrensolo, zu dem man wirklich 100%ig stehen kann, ist ein herrlicher Blues bei gedrosseltem Tempo am Anfang des balladesken „Altitudes“ (vergleichbar mit „Princess Aurora“, nur nochmal ein gutes Stück runder). Schlechte Karten also für die Metalfraktion.
Doch was hat den 240bpm Fetzern den Rang abgekauft? Meist leben die Songs von einem Dualismus aus einem leicht progressiven Strophenthema (oft basierend auf einem tiefen Gitarrenriff), und hymnenhaften (starken) Refrains, ohne dass es dazwischen allerdings zu einer Durchführung kommt. Somit arbeiten viele Lieder nicht mehr mit dem klassischen refrainproduzierten Metalschema, sondern schlicht aus dem Zusammenspiel zweier ausgefeilter Themen. Beispiele: „Angels Of The Winter Dawn“, „Mystic And Divine“.
Trotzdem blinken ab und zu ein paar wohlbekannte Konstrukte auf, wie der Opener „Mother Nature“ mit seinem hymnenhaften Super-Refrain, oder dem ohrwurmigen „The Miracle Of Life“ – welches mit doppelt so schnellem Getrommel auch auf den letzten Alben hätte stehen können. Erinnerungen an Kirchenmusik, seien es nun alte Kyries oder Glorias, verlassen das Ohr die komplette Spielzeit aber zu keiner Zeit. Leider auch nicht im abschließenden Titeltrack, wo zugunsten des Auslebens dieser klassischen Sparte auch auf eine sonderlich einprägsame Melodie verzichtet wurde. Zweifellos der sperrigste Song des ganzen Albums.
Nun aber genug gelästert – die meisten dieser aufgezählten Kritikpunkte machen ein Album nicht wirklich schlechter, sondern einfach nur anders. Auch mit „The Infinite Wonders Of Creation“ kann man eine Menge Spaß haben, wenn man nicht gerade ein Symphony of Enchanted Lands 3 erwartet oder Musik seinerzeit in der Oberstufe abgewählt hat. Wer den offensichtlich pantheistischen Luca eine eingängigere und sakralere Version von THERION runterzocken hören will, ist hier bestens aufgehoben. Die anderen greifen vielleicht besser zu seinem zeitgleich erscheinenden Nebenprojekt DREAMQUEST.

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07.06.2006

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