Melvins - Five Legged Dog

Review

Lange bevor der Seattle-Grunge-Zug so richtig Fahrt aufgenommen hat, trieben sich Bands wie MELVINS, MUDHONEY und TAD im Staate Washington herum und boten schleppende Beats und disharmonische Harmonien en masse. 38 Jahre nach ihrer Gründung, schaut die erstgenannte Truppe um Mastermind Buzz Osborne auf ihr Schaffen zurück und feiert die ungeheure Menge an bisherigen Veröffentlichungen jetzt mit einer akustischen Retrospektive. Satte 36 Songs befinden sich auf “Five Legged Dog”, allesamt in bester MTV-Unplugged-Manier eingespielt. Neben vielen Band-Klassikern finden sich auch einige Covers wie “Halo Of Flies” vom Horror-Rocker ALICE COOPER oder “Woman” aus dem Hause FREE.

“Five Legged Dog”: Mehr als nur ein Rückblick

Während andere Bands an gleicher Stelle ein unübersichtliches Box-Set mit unzähligen, schlechten Live-Mitschnitten, Backstagepässen und Flaggen veröffentlicht hätten, gibt sich Wuschelkopf Osborne allein mit solchen Spielereien nicht zufrieden. Das richtig viel Arbeit in dieser Zusammenstellung und auch im gesamten Vermächtnis der MELVINS steckt, hört man schon nach wenigen Songs. Mit viel Hingabe wurden neue Arrangements gefunden und gleichzeitig eigenständige Fassungen von “Night Goat”, “Honey Bucket” und den meisten Evergreens produziert.

MELVINS mit Eigensinn und Hingabe

Sicher, wer diese Band nicht schon immer geliebt hat, wird seine Meinung beim Durchhören dieser Werkschau nicht noch einmal überdenken. Alle Fans von durchgedrehtem Sludge-Punk dürfen ob dem Überangebot an zynischem, unangepasstem Songwriting mit Mut zur Lücke aber frohlocken. Allein der Klassiker schlechthin “Honey Bucket” sorgt in dieser Version für Gänsehaut, weil man neben der treibenden Boshaftigkeit jetzt auch die Musikalität in dem Lied mühelos erkennt.  Diese Beschreibung passt allerdings sehr gut für die meisten Stücke. Auch die bereits genannten Cover-Versionen wurden nicht einfach hingerotzt sondern kommen einem Fausthieb in die Eingeweide eines gewissen Jesse Hughes (EAGLES OF DEATH METAL) nach der Veröffentlichung seines fast schon beleidigenden “The Best Songs We Never Wrote” gleich.

Bösartige Musik ohne Weichmacher

Natürlich ist die Stimme von Buzz Osborne nicht für jedes Paar Ohren gedacht und natürlich stecken MELVINS allen Pseudo-Gören den Mittelfinger direkt durch das Nasen-Piercing, vereinen sie nach wie vor Avantgarde im Stile von SONIC YOUTH und die Slacker-Formel des NIRVANA-Hitalbums “MTV Unplugged In New York”. Dabei verlieren sie aber niemals ihren Biss und das unterschwellig Böse. Das wird vielen Nebenbei-Hörer:innen an den Nerven sägen, denn eine Gesamtspieldauer von 2 1/2 Stunden kann lang werden.

Diese, nennen wir es mal Kompilation hat im Einsteiger-Plattenschrank wahrscheinlich kaum etwas verloren, wohingegen alle Teenage-Dirtbags, die mit Flanell-Hemden, Doc Martens und viel Melancholie im Bauch aufgewachsen sind, bedenkenlos zugreifen und in Erinnerungen an den ersten Rausch, das erste Konzert, den ersten Sex und die beste Zeit ihres Lebens schwelgen können. Denn all das kommt nie wieder.

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09.10.2021

Left Hand Path

Der metal.de Serviervorschlag

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