Milk+ - Who Was Mr Feldman

Review

Wenn eine Band wie das Lieblingsgetränk von Alex DeLarge und seinen Kumpels heißt, drängen sich Verweise auf „A Clockwork Orange“ auf. Die drei Österreicher propagieren jedoch nicht den Lebensstil und die Freizeitgestaltung der Droogs aus Anthony Burgess‘ Roman, sondern möchten „eine Veränderung der musikalischen Ästhetik und eine Aufwertung der kreativen Selbstverwirklichung gegenüber der absatzorientierten Verwertung zyklisch wiederkehrender Plagiate zu erwirken.“
Wer sich hierunter spontan wenig vorstellen kann, sei getröstet: Denn MILK+ möchten im Prinzip das, was viele Bands zumindest zu Beginn ihrer Karriere planen: eigene Ideen über die Vorstellungen musikferner, geldgieriger Labelchefs zu stellen.

Wie konsequent das Trio jede Radiotauglichkeit umgeht, ist bemerkenswert: kaum erkennbare Songstrukturen und rasante Sprünge zwischen Stilen und Tempi, gekrönt von einer Falsettstimme, auf die MERCYFUL FATEs King Diamond wohl ziemlich stolz wäre. Mit Lautstärke und Tönen wird hier jongliert, dass mir schier die Matte kreist. Melodien, Soundwände- alles wird aufgetürmt, angeschwemmt und verschwindet im nächsten Moment, um durch etwas Unerwartetes, Anderes ersetzt zu werden. So verwursten MILK+ Einflüsse von MARS VOLTA und AT THE DRIVE-IN mit viel RADIOHEAD und bewahren sich dennoch genügend eigne Ideen, um nicht als Plagiat negativ aufzufallen. Elektronische Spielereien und Progrock (bei „Ephemerol“) finden ebenfalls ihren Weg auf „Who Was Mr. Feldman“, und beim Titeltrack wird’s dank Trompete sogar leicht jazzig. Meine Verwirrung könnte größer kaum sein.

Sinn ergibt das Gesamtkunstwerk „Who Was Mr. Feldman“, wenn man es tatsächlich als solches betrachtet: Musik, Texte, Artwork. Bei alledem wird immer wieder auf das „Buch der Steine“ verwiesen, dessen Protagonist Lammond die Menschheit – ähnlich dem wilden John in „Brave New World“ oder Winston Smith in „1984“ – aus Lethargie, Unmündigkeit und kollektivem (Nicht-) Denken befreien möchte. Geht es hierbei vielleicht weniger um das Denken an sich, sondern lediglich um gleichgeschaltete Radiopopmusik?

Wenn man letzteres unterstellt, ist das Konzept hinter MILK+ zwar nicht neu, aber aller Ehren wert. Über den hierfür gewählten Weg kann man jedoch geteilter Meinung sein. Auf mich wirkt das Album, das nach dem dubiosen Mr. Feldman fragt, so zwingend auf Polarisierung und Andersartigkeit ausgelegt, dass sein Sinn nicht erfüllt wird: komplexe Musik ist die Masse nicht gewöhnt, und Interesse hieran hat sie nicht. Das zeigen die Absatzzahlen von volksdümmlichen Trällerbarden in Lederhosen oder kreativen Totalausfällen wie SCOOTER und Co. Für wen also machen MILK+ Musik? Nur für sich selbst, scheint mir. Dann sollte es die drei auch nicht verwundern, wenn ihr musikalischer Kassandraruf kaum gehört verhallt.

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21.10.2009

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