Mourir - Nous, Le Venin

Review

Soundcheck Juli 2026# 7

Die Wenigsten werden bisweilen etwas von der südfranzösischen Band MOURIR gehört haben, die zwar mit „Nous, Le Venin“ bereits ihr drittes Album veröffentlichen, aber in unseren Wahrnehmungshorizonten eher unter dem Radar geflogen sein dürften. Von der südlichen Lebensweise und dem Leben zwischen Urlaubsstimmung und mediterranem Flair nimmt das Quartett allerdings bewusst Abstand. Hier fängt man viel mehr die Austauschbarkeit des modernen Lebens ein, das eher in tristem Beton, denn in Aperol und Bella Vita aufgeht. Das Handwerkszeug dazu liefert moderner Black Metal, der sich gleichsam wagt über die Genregrenzen hinauszublicken.

Dunkle Schleier vorm Urlaubsparadies

Was den Sound von MOURIR mit den Wurzeln seiner Kernspielart eint, ist das Gefühl des Unbehagens und der unbedingten Ablehnung. Der Opener „Feu D’Un Regard“ baut sich zwar langsam und bedrohlich auf, doch benötigt fast ein Dreiviertel der Spielzeit, um wirklich in treibendem Schwarzmetall aufzugehen. Davor bereiten einem die Franzosen durch schürfende Riffs aus der Dissonanzabteilung sowie beklemmende Schreie von Vokalist Olivier Lolmède absoluten Diskomfort.

„Nous, Le Venin“ ist mit seinem zeitgenössischen Ansatz über weite Strecken des Albums eher als abgründige Irrfahrt zu verstehen – eiskalte, nordisch geprägte Melodien sucht man schließlich weitgehend Vergebens, stattdessen regieren wahnhafte Seelenabgründe der Landsleute von BLUT AUS NORD mit einer gehörigen Beimischung von Post Metal. Dadurch ist der dritte Langspieler der Truppe aus Toulouse auch alles andere als leicht zugänglich und genauso wenig für jeden Höranlass zweckmäßig.

Abstoßende Fratze

Auf die strahlkräftigen Lichtblicke aus Hoffnung muss man eigentlich bis zum Ende des Albums warten, denn erst der über zehnminütige Titeltrack, der auch qualitativ den Anker der Platte bildet, setzt den düsteren Gedankengängen etwas entgegen. Auch wenn „Nous, Le Venin“ durch seinen zuvor sehr erbarmungslosen Stiefel so etwas wie eine klare, abstoßende Fratze zeichnet, hätte man sich anlässlich dieses Schlusstracks noch mehr Nebentöne in diesem Bereich gewünscht. Wer seine schmelzende Zuversicht gerne vertont hätte, der hat mit MOURIR vielleicht den richtigen Begleiter gefunden.

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03.07.2026

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2 Kommentare zu Mourir - Nous, Le Venin

  1. elLargo sagt:

    Die ersten beiden Alben waren schon geil widerliche Brocken und der Titeltrack gefällt mir schon mal sehr 😍

  2. Se Wissard sagt:

    „geil widerlicher Brocken“…klingt wie meine Ex-Frau…ne da höre ich lieber nicht rein.