Nachtblut - Chimonas

Review

Galerie mit 25 Bildern: Nachtblut - Wolfszeit Festival 2020

Es gibt einen ganz bekannten Aphorismus zum Begriff der Kunst, der sicher einem Großteil unserer geneigten Leserinnen und Leser über den Weg gelaufen ist: Kunst kommt von Können; käme sie von Wollen, hieße sie Wulst. Würde ich gebeten, exemplarisch zu zeigen, wie dieser Ausspruch wohl gemeint sein könnte, würde ich – zack! – „Chimonas“, das vierte Album der „Dark Metaller“ NACHTBLUT aus den (Un-)Tiefen meiner Promo-Sammlung ziehen und es interessierten Gemütern vor den Latz knallen: „Hier! Echte Wulst – geräuchert und abgehangen im Osnabrücker Land!“

Ähem.

Man verzeihe mir diese etwas oberflächliche Annäherung an „Chimonas“ – selbstverständlich will ich mich nachfolgend bemühen, den zehn Songs in all ihrer Tiefe gerecht zu werden. Hier nun aber der entscheidende Unterschied zwischen ‚Kunst‘ und ‚Wulst‘: Sobald man bei ‚Wulst‘ an der Oberfläche kratzt, ist da nichts. Überhaupt nichts. Die knapp fünfzig Minuten, die der Vierer hier serviert, sind bar jeglichen künstlerischen Wertes; sie sind eine hohle Ansammlung fast aller Klischees, die sich zwischen Neuer Deutscher Härrrrrte und Bombast-„Black“-Metal so auftreiben lassen. Seien das die vollkommen überpräsenten Vocals, die sich irgendwo zwischen Dani Filth, Michael Roth und Till Lindemann bewegen (und einerseits nicht nur selbst in balladesken Momenten nicht die Kurve zum Klargesang bekommen, andererseits auch einem geflüsterten „ihr“ das RAMMSTEIN-®®®® verpassen), die vorhersehbaren Gitarrenmotive, die ausgelutschten Harmonien oder die stereotypen Synthetik-Elemente.

Noch nicht genug? Einen Refrain in seiner Wiederholung einen Ganzton nach oben zu transponieren, gehört zu den abgegriffensten Stilmitteln, die die Popmusik(!) jemals hervorgebracht hat – NACHTBLUT sind sich auch hierfür nicht zu schade, wie mindestens zwei Beispiele auf „Chimonas“ beweisen. Dazu nehme man noch den zu Tode komprimierten Klang, mit „Wien 1863“ eine „Hymne“ in bester MANOWAR-Manier und mit „Und immer wenn die Nacht anbricht“ die Ballade des Albums – und fertig ist ein Dark-Metal-Gebräu, das den Begriff „Authentizität“ nicht einmal aus der Ferne gesehen hat.

Ähnlich dem Kollegen Erik, der sich damals sehr amüsiert zu den lyrischen Ergüssen „Dogma„s geäußert hatte, kann auch ich mir das gelegentliche Schmunzeln (im Wechsel mit Kopfschütteln) nicht verkneifen: Fieseste Reime, ins Metrum gezwungener Satzbau, Betonungen auf falschen Silben – von der inhaltlichen Ebene mal ganz zu schweigen. All das ist vollendet symptomatisch für NACHTBLUT als Wulstprodukt einer „Szene“, die ähnlich dem Zauberlehrling ihre Geister nicht mehr los wird.

Das alles dürfte für niemanden, der sich irgendwann einmal mit NACHTBLUT beschäftigt hat, eine echte Überraschung sein. Wie man NACHTBLUTs wülstlerischen Ansatz bewertet, steht indes auf einem ganz anderen Blatt – wer sich mit oberflächlicher Bedienung von Klischees zufrieden gibt und keinen Wert auf echten Inhalt oder gar Tiefe legt, kann mit „Chimonas“ durchaus glücklich werden. Alle anderen werden um NACHTBLUT auch weiterhin einen großen Bogen machen. Ich ab jetzt auch wieder.

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21.10.2014

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5 Kommentare zu Nachtblut - Chimonas

  1. De-M-oN sagt:

    Mannoman wie kann man nur jeden scheiß kritisieren.
    Wie bei Filmen: Da braucht nur ein Schauspieler zu weit nach rechts geguckt haben und der ganze Film ist Müll. Und jeder kleinste Logikfehler erstrecht. Mein Gott, wenn ich danach gehen würde, könnt ich keinen Film mehr gucken. Und komischerweise sind dann total langweilige Filme teils gut bewertet, versteh einer wer will. Vllt fand man da weniger Punkte zu meckern.

    An jedem kleinsten Mist wird sich aufgeregt, statt einfach mal die Musik zu genießen. Meine Güte.
    Das regt echt so auf.

    Wenn ich mich nach dem Review richten würde, müsste ich das Album meiden. Zum Glück hab ichs nicht gemacht, weils ja schon nichts neues ist, das an allem nur rumgenörgelt wird + Reviews eh alle aus Subjektivität geprägt sind.

    Zum Glück hör ich nicht auf Reviews. Mir wäre sonst ein fantastisches Album entgangen.

    Dafür mag ich die Black Metal Bands nicht, die sich wie in der Garage aufgenommen anhören..
    Glaub Darkthrone zb – was sehr viele glaub ich u.a. als „TRUE BLACK METAL!!!111“ ansehen – war glaub ich zb so’ne Band die ziemlichen Garagensound hat und ziemlich langweilige Musik dazu.
    Genauso wie alte Cannibal Corpse Alben oder Six Feet Under – instrumental nicht ansatzweise hart, klingt auch wie Garage weil alles total dumpf und langweilig. Gibt paar Tracks die man sich geben kann. Neuere CC Alben sind ja immerhin in gutem Sound endlich mal.

    Aber sowas wird dann gefeiert. Kann dann zb ich wiederum nicht nachvollziehen. Ich würde sowas wie Darkthrone (wenn ich mich richtig erinner hatten die halt Garagensound und äußerst eintönige Lieder) schon eher die 3/10 geben.

    Und genau deshalb sind Reviews einfach Mist. Sie würden von Subjektivität geprägt sein, egal wie sehr man sich anstrengt neutral und objektiv zu bleiben – aber die Bewertungen hier zu Nachtblut wird ja nichtmal versucht objektiv zu bleiben. Schade.

    8/10
  2. SG sagt:

    In einem Anfall überschwenglicher Ausdauer hab ich es jetzt geschafft mir „Gotteskrieger „, „Und Immer Wenn Die Nacht Anbricht“ und „Töte mich“ anzuhören.
    Während ich über Bands wie Cradle Of Filth und Eisregen immerhin noch schmunzeln kann, ist Nachtblut dermaßen platt, da hilft nur Stecker ziehen.

    1. De-M-oN sagt:

      Trifft halt nicht dein Geschmack. Rechtfertigt aber nicht die Band schlecht zu machen, nur weils deinem Geschmack nicht zusagt.
      Cradle of Filth und Eisregen sind ebenfalls Klasse Bands.

      1. SG sagt:

        Wenn man nach deiner Logik gehen würde, bekäme jedes Album 10 Punkte und der Hörer rackert sich dann durch 4753 Alben monatlich um sich seine eigene Meinung zu bilden.
        Damit man dies genau nicht tun muss, gibt es Musikmagazine (Online wie Print) und wenn man sich etwas eingelesen hat, merkt man recht schnell, welche prinzipiell der eigenen musikalischen Ausrichtung entsprechen.
        In diesem Fall hier – und das tue ich nicht immer bei metal.de – entspreche ich dem Schreiber in einigen Punkten.
        Die da wären Klischeehaftigkeit, Abgedroschenheit, platte Texte und durch das Zusammenklauen von Versatzstücken, die schon bei anderen Bands seit Jahren nicht mehr funktionieren, eine Innovation die gegen Null geht.
        Wenn es dir gefällt, ist das ja ok für dich. Für mich geht bei der Band, ähnlich wie bei Beyond The Black (die allerdings ein anderes Genre bedienen), der Fremdschämfaktor ins Unendliche.

  3. De-M-oN sagt:

    Nach meiner Logik hör ich mir das Album selber an. Gibt Youtube, gibt zig Möglichkeiten zu erfahren wie die Band ist.

    Reviews sind so dermaßen von Subjektivität geprägt, das man sich da rein gar nichts geben sollte. Man würde vieles verpassen. Aber das schrieb ich ja schon.

    Ich halte reviews absolut unbrauchbar. Jeder Geschmack ist individuell und es gibt zig Möglichkeiten sich in die Band reinzuhören und sich selber ein Urteil zu bilden als sich auf Geschmäcker anderer zu verlassen. Dann ist man gerne mal verlassen.
    Reviews vergraulen Leute Bands, die sie vllt gemocht hätten, aber die abschreckende 3/10 dann sehen.