Naked Six - The Lost Art Of Conversation

Review

Soundcheck März 2020# 14

Wieder mal ein Beispiel, wie ein uninspirierter Waschzettel den Ersteindruck eines Albums verzerren kann: Die Presseinfo beschreibt den Sound des in Manchester beheimateten Trios NAKED SIX als ein musikalisch inszeniertes Handgemenge von sechs Leuten, in dem man sich als Hörer wiederfindet. Ein solcher Satz macht natürlich Lust auf einen Hardcore-induzierten Balls-To-The-Wall-Sound, bei dem man sich vor der Bühne austoben und Schellen kassieren/verteilen möchte. Oder man denkt an etwas der Marke RAGE AGAINST THE MACHINE, das wütend macht und aufrüttelt, um auf die Straße zu gehen und Stunk gegen das Unrecht zu machen.

Ein klassischer Fall von Oversell?

Wonach die Beschreibung der Presseinfo nicht klingt, ist eher konventionell klingender Alternative Punk, der mit ein paar tighteren Grooves und Blues-Licks jongliert und dessen Gesang Zorn zwar gekonnt simuliert, aber zu selten auch gekonnt ausstrahlt. Definitiv also kein vor Unmut protestierend aufstampfendes IDLES-Flair – damit einhergehend auch längst nicht mit vergleichbarer, emotionaler Tiefe versehen – und mehr eine kompromissbereite Variation, die zwar Wut schüren möchte, aber bloß nicht zu viel. Und eine Variation, die auch hier und da mal ein bisschen Saxofon injiziert bekommt, ohne diese Linien zu sehr ins Songwriting zu integrieren.

Jetzt ratet mal, wonach NAKED SIX nun tatsächlich klingen.

Für Blitzmerker: „Lost Art Of Conversation“ ist in letzterer Kategorie beheimatet. Das Trio macht seine Sache dabei ziemlich solide, vor allem in der ersten Hälfte dieses Debüts. Gitarrist Seb Byford schmipft mit ein bisschen Übersteuerung versehen und klingt dadurch relativ angepisst, was etwa dem bestimmt nach vorne drückenden Titeltrack zu Gute kommt. Er bellt aber längst nicht so inbrünstig wie ein Joe Talbot. Dadurch findet man sich umso seltener an seinen Lippen hängend und die geballte Faust gen Himmel streckend wieder. Da sehnt man sich in den Durststrecken, gerade in Byfords melodischer gesungenen Passagen, nach den klischeehaft punkig-frechen „Lalalas“ von „Gimme Something“.

„The Lost Art Of Conversation“ konversiert noch nicht souverän genug

Dazu steht sich die Band mit unintuitiver Rhythmik gelegentlich auch selbst im Weg. Bei „Split“ drücken die Herren noch hinreichend beherzt auf die Tube. „Sticky Gum“ dagegen nennt stämmige, repetitive Riffs sein eigen, die mit etwas mehr Tempo ordentlich Dampf machen würden. Doch der Song hat die Ruhe weg und beschleunigt erst zum Ende hin merklich. Und siehe da: Mit ordentlich Dampf unterm Kessel sieht die Sache schon besser aus. Bei „Song Of The City“ taucht das gleiche Problem auf, aber ohne rettendem Beschleungigungsstreif am Horizont.

Wenn es etwas Groove-orientierter wird, schneiden die Herren insgesamt besser ab. „Grapevine Telegraph“ beispielsweise geht mehr in eine Stoner-Rock-Richtung mit markanter FU MANCHU-Schlagseite , weshalb die trägen, schweren Grooves hier zu den bluesigen Riffs passen wie Arsch auf Eimer. „Peace By The Pistol“ schlägt in eine ähnliche Kerbe und ist ebenfalls nicht übel. Vor allem verträgt sich das erstaunlich gut mit der punkigen Rotznase, die Byford ja dann doch ziemlich überzeugend rüberbringt. Der etwas schwelgerische Abgang ist dagegen nicht ganz so gelungen. Gleiches gilt auch für den schwelgerischen Abgang der Platte in Form des Rausschmeißers „Outside Looking In“, der aber immerhin mit einem stimmungsvollen Saxofonsolo aufgewertet wird.

Dennoch haben NAKED SIX Potential

Für ’nen Jungfernflug ist „Lost Art Of Conversation“ also in Ordnung. Es klingt eben noch so, als müsste sich die Band noch finden. Beide Seiten – die Groovende und die Punkige – haben ihre Vorzüge und Schwächen. Ob sich NAKED SIX künftig auf eine spezialisieren oder beide sogar stilvoll zusammenführen, werden wir sehen. Vor allem aber herzhafter zubeißen sollten die Jungs aus Manchester. Dann klappt das mit dem Sechs-Mann-Handgemenge-Sound künftig auch besser.

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01.03.2020

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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