Nile - What Should Not Be Unearthed

Review

Galerie mit 15 Bildern: Nile auf dem Summer Breeze Open Air 2017

Apophis, Dag?n, Ra und Amon – in die Dutzend Papyrusrollen ägyptischer Gottheiten muss sich der Normalsterbliche erst mal reinrecherchieren. Ein Karl Sanders hingegen muss das nicht. Ein Karl Sanders muss sich auch nicht mehr die Finger blutig üben, um Frickelsriffs auf höchstem technischem Niveau aus dem Ärmel zu schütteln. Verständlich aber auch, dass sich ein Karl Sanders nach sieben NILE-Alben mit zunehmenden Vorwürfen kompositorischer Abnutzungserscheinungen konfrontiert sehen muss.

Kalkül also, das Album ohne vorangehende orientalische Gaukelei mit der Knüppelhymne „Call To Destruction“ starten zu lassen? Mitnichten, liefern NILE hiermit doch eine tagesaktuelle, vor Zynismus triefende Anti-IS-Anklage. Musikalisch kein Grund gleich die DYING FETUS-Keule zu schwingen, aber solche Groove-Orgien nach feinster „Annihilation Of The Wicked„-Rezeptur wären im Kontext des mathematisierten Vorgängers nahezu undenkbar gewesen. Die erstmals wieder differenziert abgemischten Bassspuren übrigens auch. Generell scheint das US-amerikanische Lovecraft-Quartett seine Hausaufgaben in Sachen Songstrukturen zumindest in Teilen erledigt zu haben. „In The Name Of Amun“ zeigt mit seinem teils gar melodischen BEHEMOTH-Reminiszenz-Geflitze gute Ansätze, wenngleich etwaig angedachte Choruslinien natürlich von Beginn an in der steinernen Totenkiste verwesen. Denkt man als Hörer an die damalige Hookline eines „Those Whom The Gods Detest„-Titelsongs, darf da auch mal gelinde mit dem Kopf geschüttelt werden.

Erfreulicherweise setzt sich der alte Hang zu simplerem, weil fetterem Riffing aber auch im weiteren Verlauf von „What Should Not Be Unearthed“ fort. So erfinden NILE mit Stücken wie „Evil To Cast Out Evil“ oder „To Walk Forth Flames Unscathed“ im Kontext der Band-Diskografie zwar abermals kein Rad neu, dafür ertränkt man kleinere Melodieanflüge aber nicht gleich wieder in angeberisch-unruhigen Riffsalven. Das macht den Braten zwar nur minimal fetter, aber wenn alleine die zweite Albumhälfte mehr harmonische Bendings als die letzten drei Platten enthält, darf schon von einem Lichtblick gesprochen werden.

Natürlich versuchen NILE bei aller (erzwungener) Abwechslung nie, sich mit „What Should Not Be Unearthed“ des Tech-Präfixes abspenstig zu machen. Schade bloß, dass alleine schon Kollias‘ gewohnte Meisterleistung zur erschreckenden Selbstverständlichkeit avanciert. Und natürlich werden hohle Riffansammlungen wie das kaum hervorstechende „Negating The Abominable Coils Of Apep“ wieder an allen Ecken und Enden mit altbekanntem Tonleitergefiddel ausgestopft, bis die Suche nach wirklicher Innovation bloß noch einer ermüdenden Treibjagd gleicht – ausgeklügelt, aber nur selten von songdienlichem Belang.

In diesem Sinne: NILE trauen sich! Ein bisschen. Denn irgendwo zwischen erstklassigen instrumentalen Fähigkeiten, traditionellen Orient-Einspielern und der Durchschlagskraft vergangener Tage handelt es sich bei „What Should Not Be Unearthed“ noch immer um ein anständiges Stück Death Metal – und einen Hoffnungsschimmer für künftig wieder innovativeren Output.

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21.08.2015

Ja, weißt du … das ist vielleicht … deine Meinung, Mann.

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