No Raza - Transcending Material Sins

Review

Promozettel verfallen ja zuweilen in übertriebene Lobhudelei oder aber liegen gar völlig daneben. In dem zu „Transcending Material Sins“ werden explizit GRAVE, ASPHYX und OBITUARY genannt. Wie bitte? Von diesen drei Bands findet man auch mit Lupe allenfalls minimale Spuren bei NO RAZA, die verfolgen nämlich einen völlig anderen Ansatz.

Die Band gibt es bereits seit 1997, dennoch dürften die bisherigen drei Scheiben wohl eher Insidern ein Begriff sein. NO RAZA zocken Death Metal und setzen dabei auf ausgefeilte Strukturen, die kommen vor allem in den oft längeren Instrumental-Passagen gut zum Tragen. Und die Riffs malträtieren dich fast pausenlos, cooles Stilmittel. Natural born brutal quasi, mit gelungenen Auflockerungen und dezenten Farbtupfern.

NO RAZA zeigen ihr Potential nun auch außerhalb Südamerikas

Natürlich kommen einem von der Herangehensweise auch immer wieder mal Kapellen wie BLOODBATH oder BAEST in den Sinn, wobei NO RAZA das Spektrum weiter ausloten, sowohl in Richtung Härte als auch Melodik. Man findet bei den Kolumbianern ebenso durchaus den einen oder anderen Slow-Mo-Part im BOLT THROWER-Modus, auch die Abwechslung passt also. Aber man ahnt schon bei jeder dieser Passagen, dass die Handbremse diese Wucht auf Dauer nicht wird bändigen können, dafür drücken die Riffs auf Dauer einfach zu sehr. Ein gutes Beispiel hierfür ist „Fratricide“.

„Transcending Material Sins“ bietet uns wie beispielsweise bei „Ancient Wars“ ebenso aggressives Geprügel à la CANNIBAL CORPSE, DEICIDE oder MORBID ANGEL, auch damit können NO RAZA überzeugen. Dieses schwere Stakkato ist aber zum Glück weit entfernt von stumpfem Geballer.

„En Carne Y Hueso“ hingegen startet fast schon wie ein relativ moderner Melodic Death Track, kriegt dann aber ganz rasch wieder die Kurve zur Härte, ohne jedoch die Melodik völlig zu verlieren. Diesen Spagat schaffen die Herren generell richtig gut. Auch auf „Sail In Rot“ sollte man unbedingt ein Ohr werfen. Die Harmonie zu Beginn könnte 1:1 von DIMMU BORGIR stammen, das ist schon überraschend, aber dann reißt das Seil der Bremse erneut. Ein herrlicher Ritt mit kleinen schwarzen Ausflügen sorgt für ein klares Highlight.

Hart, aber nicht krampfhaft brutal

Die Jungs können einfach spannende Songs schreiben, die ziemlich gut ins Ohr gehen. Und die Soli haben richtig Qualität, das kann heutzutage auch längst nicht mehr jeder so. NO RAZA agieren hart, aber nicht krampfhaft brutal.

Die Jungs beherrschen das Wechselspiel zwischen Geballer und Midtempo sowie Härte und Melodie wirklich gut, das steht ganz klar auf der Haben-Seite. Doch man hat ebenso das Gefühl, dass bei dieser Band das Potential noch nicht ausgeschöpft ist, die können sich sicher noch in allen Belangen steigern. So haben manche Songs schon gewisse Längen, auch das darf man an dieser Stelle nicht verschweigen.

NO RAZA sind jetzt vermutlich eher nicht das große neue heiße Ding aus Südamerika. Aber die Herren zeigen ihr Qualität und sollten dank „Transcending Material Sins“ nun auch bei uns in Europa mehr Aufmerksamkeit einheimsen können. Verdient hätten es die Kolumbianer allemal.

14.03.2020

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1 Kommentar zu No Raza - Transcending Material Sins

  1. ClutchNixon sagt:

    Die bislang ausgekoppelten Songs gefallen mir gut. Insbesondere „Reborn“ ist derartig famos, dass der Fucker es mit Sicherheit in meine Top Twenty DM Hits 2020 schaffen wird. So das Album als physical copy soundtechnisch noch ein paar Pfund obendrauf packt, wird das für mich ne acht.