
Was poltert denn da durchs kanadische Unterholz? Wo sich der Métal Noir Québécois ja oftmals durch einen gewissen Hang zu hypnotischer Atmosphäre und eingängiger Melodik auszeichnet, geht es bei NOCTURNAL DEPARTURE aus Winnipeg, Manitoba wesentlich grobschlächtiger zu als bei den frankokanadischen Nachbarn. Auf ihrem dritten Album „Spiritual Cessation“ wird roher Second Wave Black Metal mit scharfer Klinge und blutiger Nagelkeule zelebriert.
NOCTURNAL DEPARTURE lassen es poltern
Für Schöngeistigkeit und poetische Ausschweifungen haben NOCTURNAL DEPARTURE jedenfalls keine Zeit. Hier gibt es von Anfang an frostig rasende Eiszapfen um die Ohren gehauen, die auch produktionstechnisch ein wenig so klingen, als hätte man sie bei offenem Fenster während eines Schneesturms aufgenommen. Pate standen offenkundig nordische Grobmotoriker wie frühe DARKTHRONE, GORGOROTH und TSJUDER, das gelegentliche, frei nach Tom G. Warrior artikulierte „Ugh“ darf auch nicht fehlen und manch schneidendes Lead erinnert in Verbindung mit dem sportlichen Tempo an die Kollegen von SPECTRAL WOUND.
Wenn NOCTURNAL DEPARTURE wie bei „Altar Of Evocation“ oder „Torch Of Dedication“ grade mal nicht durchgängig Vollgas geben, poltert das Schlagzeug in punkiger Uffta-Manier durch die kanadische Wildnis und das verhallte Gekreische der Marke „Tschuldigung, könnten Sie das bitte nochmal wiederholen?“ rundet das Gesamtbild ab. Der Unterschied zu den Frühwerken der norwegischen Altvorderen besteht vor allem darin, dass ein Bass nicht nur gerüchteweise im Soundbild existiert.
Auf Innovation haben es NOCTURNAL DEPARTURE also offenkundig nicht abgesehen und auch sonst besticht das kanadische Gespann mehr durch kvltiges Second-Wave-Worshipping, als durch zwingende Hooks oder besonderen Wiedererkennungswert. Daher stechen Nummern wie „Deathcraft Majesty“ und „Vanity In Bloodshed“, bei denen es dann doch mal ein wenig melodischer, wenngleich nicht weniger brutal zugeht, besonders hervor.
„Spiritual Cessation“ ist eher kein Konsens-Album
Zur Konsensband werden NOCTURNAL DEPARTURE damit freilich nicht. Wer bevorzugt in Zauberhut und Robe die nächste LARP besucht oder gerne bei Mondschein über die Schönheit der Natur sinniert, während Fuchs und Eule sich gute Nacht sagen, macht um „Spiritual Cessation“ besser einen großen Bogen. Satanische Freizeit-Barbaren und Rumpel-Fans, die bei der Wildschweinjagd im verschneiten Fichtenwald oder beim Opfer-Ritual im heimischen Folterkeller mal wieder ihre liebsten mittelalterlichen Mordwerkzeuge ausführen möchten, bekommen hier aber den passenden Soundtrack und können problemlos ein bis zwei Pünktchen draufschlagen.

Hans Völkel































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