Noltem - Illusions in the Wake

Review

NOLTEM existieren in irgendeiner Form bereits seit 2003, bisherige musikalische Lebenszeichen beschränken sich allerdings auf ein reichlich obskures Demo aus dem Jahr 2005 und eine EP aus dem Jahr 2015. Die inzwischen dreiköpfige Band aus Connecticut hat also bei der Fertigung ihres ersten Albums „Illusions in the Wake“ wirklich nichts überstürzt.

NOLTEM und das weite Meer

Auf ihrem Debüt spielen NOLTEM atmosphärischen Black Metal typisch amerikanischer Bauart auf den Spuren von Bands wie AGALLOCH, FALLS OF RAUROS oder ALDA. Will heißen, die Musik brät einem nicht gleich eins mit der Nagelkeule über, sondern umspielt die geneigte Hörerschaft zunächst zaghaft und lässt sich etwas mehr Zeit. Was nicht heißen soll, dass nicht doch ab und zu mal mit dem Prügel gedroht wird, aber eben sparsam und mit Bedacht.

Mit sanftem Meeresrauschen gibt „Figment“ Ton und Stimmung des Albums vor, während verspielte Harmonien auf nahezu post-rockige Riffs treffen und erst mit dem Einsetzen des Kreischgesangs von Multiinstrumentalist John Kerr klar wird, dass wir es hier überhaupt mit Black Metal zu tun haben. Nur nach und nach wird auch auf instrumentaler Seite ein rauerer Ton angeschlagen, die Gitarren werden harscher, Blastbeats kommen hinzu und am Horizont braut sich ein kleiner Sturm zusammen. Nicht unbedingt einer von der Sorte, die Ozeandampfer in die Tiefe reißen und ganze Landstriche dem Erdboden gleich machen, wohl aber einer, der die raue Erhabenheit der Naturgewalten in Klang zu fassen weiß.

Einfach treiben lassen

Mit dem erneuten Rauschen der sich wieder beruhigenden See wird zum Titeltrack übergeleitet, der zwar nach einem ähnlichen Muster gestrickt ist, sich aber noch etwas verspielter und melancholischer gibt, bevor eine kleine Marscheinlage gegen Ende tatsächlich so etwas wie Euphorie versprüht. Auch bei „Beneath the Dreaming Blue“ bleibt es atmosphärisch, insgesamt wird die Stimmung jedoch dunkler und die Wasser werden tiefer; ein Fieberträumchen von einem Song.

Im kurzen instrumentalen Zwischenspiel „Submerged“ bringen NOLTEM auch das Rauschen der Brandung zurück; danach legt „Ruse“ im Vergleich zum bisherigen Material ziemlich direkt los und verbindet dabei schwarzmetallische Majestät mit tiefer Melancholie, bevor das Stück traumwandlerisch und in sich gekehrt ausklingt. Das erneut rein instrumentale „On Shores of Glass“ entpuppt sich trotz des wegfallenden Gesangs als überaus emotionaler Trip, bei dem NOLTEM Gefühle von Sehnsucht, Aufbruchsstimmung und Ehrfurcht gleichermaßen vermitteln. Ein würdiger Schlusspunkt, der das Album perfekt zusammenfasst.

NOLTEM haben alles richtig gemacht

„Illusions of the Wake“ befindet sich trotz oft gegensätzlicher Stimmungen im steten Fluss und nimmt die Hörer mit auf eine spannende Reise. Auf diese muss man sich natürlich einlassen, denn ein solches Album will am Stück und ohne große Ablenkung genossen werden. Der Einsatz wird aber definitiv belohnt.

Mit etwas mehr als 40 Minuten nicht zu lang und nicht zu kurz, melancholisch doch nicht depressiv, verträumt aber nicht ziellos und dabei wunderschön ohne blumig zu wirken. Transcending Obscurity haben bereits in der Vergangenheit ein gutes Händchen für eigenwilligen, spannenden Black- und Death Metal bewiesen, NOLTEM passen daher perfekt ins Roster des Labels und lassen sich mit dem nächsten Album hoffentlich nicht wieder so lange Zeit.

02.10.2021

Der metal.de Serviervorschlag

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