North Sea Echoes - How To Cast A Shadow

Review

NORTH SEA ECHOES, die Band der beiden FATES WARNING-Legenden Ray Alder (Gesang) und Jim Matheos (Gitarre), melden sich mit ihrem Zweitwerk “How To Cast A Shadow” zurück. Dem Debüt „Really Good Terrible Things“ attestierte Kollege Michael angesichts seiner Poppigkeit wenig Tiefgang und insgesamt, ein „Klang gewordenes Schlafmittel“ zu sein. Ein wenig Voreingenommenheit sei dem Rezensenten dieser Scheibe also zugestanden, wenngleich die beiden Hauptakteure zu Recht darauf hinweisen, dass “How To Cast A Shadow” ein wenig härter ausgefallen ist und bei einigen Songs sogar echtes Schlagzeug beinhaltet.

Alder/Matheos machen’s (ein bisschen) anders

Ist also auf dem neuen Album alles anders? Selbstredend nicht: Ein Rock/Metal-Album mit progressiven Ausflügen, einer gewissen Poppigkeit und einem Hang zu Soundscapes, wie im Opener „A Time Of Innocence And Purpose“. Die kann man als NORTH SEA ECHOES interpretieren und den inneren Blick über das weite Meer schweifen lassen. Die Verweise auf MARILLION und LUNATIC SOUL können teilweise ebenso stehen bleiben. Allerdings steht die angesprochene Rockigkeit einigen der Songs gut zu Gesicht: „I’ll Leave A Light On“, „Villains Or Saints“ und „All That Comes After“ sind ziemlich souverän gerifft und als Rocksongs völlig okay: Hooks, Refrains und Identität sind jedenfalls vorhanden.

Leider zeigt sich, dass es bei anderen Stücken ein Fehler war, auf echtes Schlagzeug zu verzichten: „Revenge“ würde ja als cooler Gothic-Song zwischen KILLING JOKE und alten FIELDS OF THE NEPHILIM durchgehen, wenn nicht der fürchterlich pluckernde Drumcomputer wäre. Der vermiest leider auch beim abschließenden, PINK FLOYDigen Titeltrack den Hörgenuss, während er sich in „All Fall Away“ immerhin geschickter in den Song einfügt.

Man könnte also sagen, dass “How To Cast A Shadow” von seiner Vielfelt lebt, aber bisweilen an schlechten Entscheidungen krankt. Wo wir bei dem gerade verwendeten Wort „cool“ angelangt sind: “How To Cast A Shadow” ist das jedenfalls nicht. Vielmehr ist stets eine deutliche Melancholie zu vernehmen, die sich mit der Stimme Alders durch die Songs zieht. Und zwar durch alle. Man würde sich jedenfalls ab und zu wünschen, dass er aus seiner Komfortzone ausbricht und sein Stimmorgan ein wenig spielerischer einsetzt. So wird die angesprochene Vielfalt dann eben doch wieder eingeschränkt.

“How To Cast A Shadow“: Keine richtige Begeisterung

Also, Ihr merkt schon: So richtige Begeisterung will nicht aufkommen. Als Anästhetikum geht “How To Cast A Shadow” aber auch nicht durch, wodurch sich das Album irgendwo in der Mitte platziert. Immerhin kann man den Songs attestieren, Hooks und zumindest nominell eine eigene Identität zu besitzen. Wenn Ihr also bei den genannten Protagonisten und Referenzen neugierig (geworden) seid, hört vorab rein.

15.09.2026

- Dreaming in Red -

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