Painted - Lynchburg Tapes

Review

Mein lieber Scholli, was ist das denn?! Wenn das Debütalbum einer bis dato relativ unbekannten Band ins Haus flattert, sind Vorbehalte mitunter berechtigt; hapert es doch häufig an der Umsetzung der bisher nur live gespielten Songs im Studio. Guter Sound und qualitativ ausgereifte Songs sind leider eher selten, und so erwartet der geneigte Rezensent in dieser Hinsicht vornehmlich mäßige Klänge. PAINTED belehren den Hörer ihres ersten Longplayers jedoch von Anfang bis Ende eines Besseren: Die Gifhorner Metalheads überraschen mit einem Werk, von dem sich so manche namhafte Combo gleich zwei, drei Scheibchen abschneiden könnte. Und das, obwohl „Lynchburg Tapes“ komplett in Eigenregie, nur mit der Hilfe von ein paar Kumpels, produziert wurde.

Ohne Druck, aber extrem druckvoll

Um es gleich vorweg zu nehmen: PAINTED ist keine neue Heavy Metal-Formation, denn drei Mitglieder der aktuellen Besetzung gründeten die Gruppe bereits 2008 im jugendlichen Alter von 14 und 15 Jahren als Schülerband. Druck haben sie sich jedoch nie gemacht, und so erscheint das erste Album des Fünfers nun erst nach 12 Jahren. Dafür kommt „Lynchburg Tapes“ aber umso druckvoller daher, wie das Intro des Openers „Cycle Of Stones“ sofort klarstellt. Ein wahres Schlagzeuggewitter mit Beats wie Donnerschlägen knallt dermaßen aus den Lautsprechern, dass man sich bei entsprechendem HiFi-Equipment locker davon massieren lassen könnte. Auch die einsetzenden beiden Gitarren sowie der Basslauf lassen auf ein positives Hörerlebnis schließen. Weil der Gesang ebenfalls auf den Punkt eingebunden ist, befindet sich das Quintett aus dem östlichen Niedersachsen soundtechnisch schon mal auf der mächtigen Seite – Daumen beziehungsweise ‚Pommesgabel‘ hoch! Doch was ist nun mit der Qualität der Songs?

„Lynchburg Tapes“: Spannung auf hohem Niveau

Der Eingangstrack „Cycle Of Stones“ unterhält mit zahlreichen Rhythmus- und Tempiwechseln, hart, treibend und mit ordentlicher Breitseite direkt auf die Lauscher. Abgesehen vom exzellenten Schlagzeugspiel Jan Woisczyks wissen die beiden Leadgitarristen Kevin Knocks und Nico Rossmannek sowie der Bassist Steffen Heyer ebenfalls genau, was sie ihren Instrumenten entlocken können. Die Jungs an den Fellen und Saiten glänzen durch handwerkliche Fähigkeiten, die überaus erfahren, versiert und professionell klingen.

Apropos: Was der Leadvokalist Felix Härtel in den insgesamt acht Stücken abliefert, ist ohne Umschweife verblüffend. Warum ist dieses Ausnahmetalent zuvor noch niemandem aufgefallen? Vermutlich nur, weil es die „Lynchburg Tapes“ noch nicht gab. Der 26-jährige beherrscht eine Vocal Range über mehrere Oktaven und zeigt bei Nummern wie „Born To Waste“, „Gimme Some Hooyeah“, dem geradezu bezeichnenden „Scream“ oder auch „Run Away From Vengeance“ auf beeindruckende Weise, dass er neben den durchgehend melodisch gesungenen Strophen und Refrains Töne in geradezu schwindelerregenden Höhen mühelos meistert. Fans, die auf den schreienden Rob Halford stehen, kommen bei Härtel voll auf ihre Kosten, ohne dass dieser es insgesamt betrachtet übertreibt.

Als regelrechter Ohrwurm des Albums erweist sich übrigens ein Song namens „Heroin“, der sich – ähnlich wie die Droge – einmal ins Hirn vorgedrungen, mit seinem eingängigen Refrain ganz leicht festsetzt und nachhaltig süchtig macht. „Bittersweet Mistake“ klingt wiederum so, wie der Titel es schon aussagt: Bittersüß, ein bisschen thrashig, schwer und ausgesprochen groovig, was Schlagzeug und Bass angehen. Abschließend sei noch der klassische Metaltrack „In My Head“ erwähnt, der uns auf eine Zeitreise in die frühen 90er mitnimmt (damals wurden sämtliche Bandmitglieder gerade erst geboren!), jedoch mit dem Spirit von 2020 im Gepäck.

PAINTED – grenzenlos stilistisch bunt

Mit ihrem Hauptelement Heavy Metal der 80er und 90er Jahre verbinden PAINTED weitere Stilrichtungen wie Nu Metal, Hardrock, Alternative Rock oder Grunge. Dabei gelingt es ihnen immer wieder, die (Spannungs-)Bögen innerhalb der einzelnen Titel stark aufzubauen. Old fashioned? Keine Spur! Die Inspiration durch ihre Vorbilder wie IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, ALICE IN CHAINS, STONE SOUR, METALLICA, BLACK LABEL SOCIETY und PANTERA ist zwar unverkennbar, die Gifhorner haben jedoch – bezogen auf den Bandnamen – ihre ganz eigene bunte Collage aus diesen Einflüssen gemalt. Und das ist den Niedersachsen auf kunstvolle Art und Weise richtig gut gelungen.

Dieser Gastbeitrag wurde freundlicherweise von Susann Klose zur Verfügung gestellt.

15.03.2020

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