Phantom - Not Midnight Yet

Review

Soundcheck Juni 2026# 12

Die Mexikaner von PHANTOM bewerben sich schon seit Jahren für das Projekt „Jugend forscht!“. Mit gerade einmal 15 Lenzen gründete Frontmann Juan Carlos Garcia Gutiérrez das Speed-/Thrash-Quartett und ließ nur zwei Jahre später mit „Handed To Execution“ das Debütalbum folgen. Wo andere also noch um den Weihnachtsbaum rennen oder erste musikalische Gehversuche niemals an die Öffentlichkeit geraten, ist man hier eingeladen, eine bemerkenswerte Entwicklung hin zum dritten Album „Not Midnight Yet“ zu begleiten.

Das herrlich trashige Cover-Artwork, was vom Stil her auch einem klassischen He-Man-Ableger entlehnt sein könnte, steht symbolisch für das, was PHANTOM auch auf ihrem dritten Output anzubieten haben. Abwechslung war schon beim Vorgänger „Tyrants Of Wrath“ ein Thema, da man aber jetzt nochmals fast zehn Spielminuten auf die Gesamtlaufzeit aufgesattelt hat, machen die Mittelamerikaner eine recht breite Spielwiese fast unabdinglich. Im Kern bedient der Vierer eine gewisse trendlose Archaik, wie es dieser Tage auch DEATHHAMMER auf „Crimson Dawn“ tun und touchieren Referenzen von frühesten KREATOR („Summoned To Kill“) bis hin zu SLAYER und VENOM.

Garcia selbst bewertet „Not Midnight Yet“ wie ein Ausbruch aus der etablierten Formel mit größerem Texturumfang und entsprechender Vielschichtigkeit. Gewissermaßen gibt ihm das Ergebnis auch Recht. Jedenfalls wirken sowohl Songstrukturen als auch dahinter liegende technische Finessen etwas ausladender präsentiert, ohne dass PHANTOM ihre ursprüngliche Verortung aufgeben. Man hört Garcia und seinem Nebenmann an den Saiten, Harel Alejandro Olguin, an, dass hier zuletzt viel Zeit mit Klampfen biegen verbracht wurde, während die Vocals – sicher teilweise bewusst („Curse The Name“) – immer mal mächtig am Schlingern sind.

Während Einflusssphären durchaus umfassend sein können und etwa am Schluss von „Out Of The Mausoleum“ eine kleine Tetris-Homage einbaut, beschreitet man mit dem deutlich introvertierteren „The Pale Remains Of Time“, das PHANTOM mutigerweise sogar als Single ausgekoppelt haben, ganz andere, aber spannende Wege. Zusammenfassend bleibt dennoch ein gutklassiges Album mit prominenten Gitarrenläufen und Soli, dem vielleicht noch ein klein wenig mehr Fokus gut getan hätte.

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20.06.2026

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