Ponte Del Diavolo - De Venom Natura

Review

Galerie mit 20 Bildern: Ponte Del Diavolo - De Mortem Et Diabolum 2024

PONTE DEL DIAVOLO machen es einem nicht einfach. Schon nach wenigen Minuten von „De Venom Natura“ steht fest: Diese Band will nicht einfach Doom spielen, ein bisschen Gothic darüberstreuen und dann im Nebel verschwinden. Die Italiener ziehen Black Metal, Post-Punk, Deathrock, Doom und avantgardistische Störgeräusche in einen dunklen Raum und schauen, was dort miteinander reagiert. Das Ergebnis klingt nicht immer sofort zugänglich, aber fast immer spannend.

Ponte Del Diavolo – eigenwillig durch die Dunkelheit

„Every Tongue Has Its Thorns“ eröffnet nach einem kurzen, unscheinbaren Synth-Intro mit ordentlichem Druck. Tremolo-Gitarren, harsche Ausbrüche und Erba del Diavolos Stimme setzen schnell die Richtung. Sie singt nicht einfach über die Songs, sie beschwört, kommentiert, droht und führt durch diese Platte wie eine Hohepriesterin mit kaputtem Kerzenständer in der Hand. Gerade diese Stimme dürfte polarisieren, gibt dem Album aber viel von seiner Identität.

Besonders stark wirken PONTE DEL DIAVOLO, wenn sie ihre Schwere nicht bloß auswalzen, sondern in Bewegung bringen. „Lunga Vita Alla Necrosi“ groovt trotz finsterer Grundstimmung erstaunlich direkt, „Il Veleno Della Natura“ schiebt mit fast tanzbarem Puls und dunkler Wave-Schlagseite nach vorne. Man merkt, dass hier zwei Bässe arbeiten: Der Sound drückt, wummert und schabt, bleibt dabei aber erstaunlich klar. Statt dumpfen Doom-Morast entsteht ein massiver, elastischer Unterbau, auf dem die Gitarren kratzen und die Rhythmen immer wieder kleine Haken schlagen.

Am auffälligsten ist vielleicht „Delta-9 (161)“. Der Song kriecht mit obsessiver Wiederholung, Sprechgesang und unheimlichen Bläserfarben durch eine Art narkotischen Albtraum. Das ist konsequent, aber auch ein Geduldstest. Man kann diese Passage als mutigen Bruch feiern oder als Moment empfinden, in dem die Band ihr Konzept etwas zu lange anstarrt. Beides stimmt irgendwie. Danach fängt sich das Album wieder, „Silence Walk With Me“ bringt mehr metallische Härte, und das abschließende BAUHAUS-Cover „In The Flat Field“ passt so gut ins Gesamtbild, dass es nicht wie ein Fremdkörper wirkt.

Wer braucht schon Genregrenzen?

„De Venom Natura“ ist kein Album für nebenbei und erst recht keines für Leute, die klare Genregrenzen brauchen. PONTE DEL DIAVOLO übertreiben manchmal, aber lieber so als mutlos glattpoliert. Diese Platte hat Ecken, Schmutz, Theater, Ritual und überraschend viel Drive. Nicht alles sitzt perfekt, doch genau darin liegt ein Teil ihres Reizes. Wer Messa mag, aber es rauer, schwärzer und weniger elegant haben möchte, sollte hier dringend reinhören.

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03.06.2026

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2 Kommentare zu Ponte Del Diavolo - De Venom Natura

  1. El Tiburon sagt:

    Mit der 8 geh ich mit. Für die Höchstnoten reicht’s aufgrund des erwähnten „Delta-9 (161)“ nicht. Den Geduldstest stehe ich als alter Doomer durch, der Song bricht aber für mein Empfinden total den Fluss des Albums und brichts in ein Davor und Danach – und so ertappe ich mich immer wieder dabei, lieber die A-Seite nochmal von vorne zu hören.

    Großes Kompliment aber für den Coversong, der fällt tatsächlich überhaupt nicht aus dem Rahmen, hat man sich schön zu eigen gemacht.

    8/10
  2. doktor von pain sagt:

    Ich bin von dem Album nicht so angetan. Atmosphärisch ist das alles einwandfrei, doch von den Songs bleibt zumindest bei mir nix hängen. Klar, dass das Material nicht zugänglich ist, steht gleich am Anfang des Reviews. Für mich ist „De Venom Natura“ nichtsdestotrotz Langeweile auf hohem Niveau.

    6/10