1Mit den RATTLESNAKES schickt sich nach den bereits ziemlich erfolgreichen TAILGUNNER eine weitere blutjunge Band an zu beweisen, dass Heavy Metal „Made in the UK“ immer noch eine Qualitätsmarke ist. Nach der schon sehr vielversprechenden EP „Deeper Shades Of Torment“ lässt es die Truppe aus Nottingham mit ihrem Langspieldebüt „Shadows In The Night“ nun so richtig krachen.
Die RATTLESNAKES schmieden Qualitätsstahl „Made in the UK“ und darüber hinaus
Dabei verbeißen sich die RATTLESNAKES nicht ausschließlich in die NWoBHM-Tradition ihrer Heimat. Zwar klingt diese freilich immer wieder mit wunderbar melodischen Twin-Leads an, die knackige Grundhärte sowie das über weite Strecken erhöhte Tempo lassen aber auch an flotte Haifische und Edelstahl aus Solingen denken und auch knackiger US Metal blitzt immer wieder auf.
Die Geheimwaffe der RATTLESNAKES steht allerdings hinterm Mikrofon, denn mit Frontfrau Rowena Neale hat das Gespann von der Insel ein absolutes Ausnahmetalent in seinen Reihen. Ihre kräftige, raue und tendenziell etwas tiefere Stimme erinnert an legendäre Power-Röhren wie Leather Leone (CHASTAIN, LEATHER), Barbara Maltese (MALTEZE) und gelegentlich an Jutta Weinhold (VELVET VIPER, ZED YAGO); in ihren besten Momenten klingt gar der große Ronnie James DIO an.
Mit diesem kraftvollen Organ singt die grade mal Anfang 20jährige Britin so manche alten Häsinnen und Hasen an die Wand und führt die energiegeladenen Stücke ihrer Band durch einen mitreißenden Refrain nach dem anderen. Besonders am Anfang geht es mit dem rasanten „Shadows In The Night“, dem hymnischen, von leichtem Sunset-Strip-Flair umwehten Stampfer „Forever“, dem galoppierenden „Breakdown“ und dem groovigen „Spellbound“ Schlag auf Schlag.
Auf „Shadows In The Night“ wird ein Hitfeuerwerk abgefackelt
Die zweite Albumhälfte kann mit diesem Hitfeuerwerk nicht ganz mithalten, wenngleich sich auch hier keinerlei Ausfälle verzeichnen lassen. Das ein wenig an 80er SCORPIONS und DOKKEN erinnernde „The Other Side Of Midnight“ packt mit seinem melancholischen Refrain dann aber doch nochmal richtig. Und mit „Where The River Meets The See“ zeigt die Band, dass sie auch der klassischen Power-Ballade gewachsen ist. Besonders Rowena Neale zieht hier alle Register und zeigt eine gefühlvoll rauchige Stimmfarbe, bevor es im Refrain wieder mit ordentlich Schmackes zur Sache geht. Gänsehaut! Auch auf instrumentaler Ebene passiert einiges, denn mit rasanten MAIDEN-Leads und einer folkigen Flötenmelodie im explosiven Finale des Stücks erinnert man plötzlich vom Vibe her an die Landsleute von DARK FOREST und glänzt so erneut durch Vielseitigkeit.
Den Heavy Metal erfinden die RATTLESNAKES natürlich nicht neu, das ist im traditionellen Segment auch eher schwierig. Mit unbändiger Energie, spürbarem Enthusiasmus und nicht zuletzt auch starkem Songwriting sowie einer famosen Sängerin schlagen sie sich aber aus dem Stand eine Nische frei und dürften in der Szene schnell für Aufmerksamkeit sorgen. Buchungen auf einschlägigen Festivals wie dem Headbangers Open Air oder dem Keep It True dürften nur eine Frage der Zeit sein.

Hans Völkel



























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