Royal Quest - The Tale Of Man

Review

Yannis Androulakakis ist ein griechischer Gitarrist und Komponist, der ROYAL QUEST bereits 1999 mit Bassist Dennis Bekatoros gründete und seit dieser Zeit an einem Konzeptalbum inspiriert von einer Geschichte vom „Ewigen Champion“, einem fiktionaler Charakter von Michael Moorcock, arbeitete. 2010 entschied sich Androulakakis, das Album selbst zu produzieren, nachdem die Kooperation mit seinem Bassisten aus verschiedenen Gründen zu Ende gegangen war. Die 14 Songs auf „The Tale Of Man“ erzählen eine epische Form der Menschheitsgeschichte, musikalisch spricht der Terminus „Metal Oper“ wohl für sich.

In Part I, dem „Intro“ spricht Erzählerin Cassandra (Angeliki Frangos) vom ewig währenden Streit zwischen dem „God of Law“ und dem „God of Chaos“. Als es endlich zu einem Waffenstillstand kam, schuf der „God of Law“ Raum und Zeit und das Leben. So entstand ein Universum und der Mensch war teil desselben. In Part II, „Raising Empire“ berichtet Cassandra diesmal singend von der Zeit, als der „God of Law“ über die Erde herrschte und von dessen letzter Erschaffung, dem Menschen, der für ihn in den „Ewigen Krieg“ gegen den niemals schlafenden „God of Chaos“ ziehen wird. Der knapp siebenminütige Track entfaltet sich langsam und wird schließlich durch flotte, rhythmische Gitarren und schnelle, eingängige Keyboardmelodien sowie Männerchöre getragen, der weibliche Gesang lässt aber mehr als nur zu wünschen übrig.

Cassandras Sprechstimme leitet in Part III „Days Of War – Intro“ mit musikalischer Kampfesstimmung zum über neunminütigen „Days Of War“ über, das viele helle und schneidende Gitarren und Keyboards in flottem Tempo zu bieten hat, aber über keinerlei Chöre oder Orchesterschläge verfügt, die den Sound bombastisch aufblasen würden. Schlagzeug-Experimente lassen in einem Break den Rhythmus verkommen, seltsam.

Part IV „The Reign Of Law“ überrascht mit Gesang im Renaissance-Stil und barockem Cembalo-Sound im Hintergrund, der sich auch zu Beginn des nächsten Tracks „In The Name Of Man“ (Part V) findet. Die harten und schnellen Gitarren und das Schlagwerk überlagern den hohen, weiblichen Gesang dynamisch viel zu sehr. Hier tritt zum ersten Mal Vasilis Axiotis auf, der den Part des „Man“ singt. Vermutlich live eingespielte Violinen (Kalliopi Mitropoulou) klingen leider etwas unharmonisch sowie auch unrhythmisch.

Ein etwas typischerer Metal-Song ist „Part VI – Dark Ages“. Wenigstens geht der rockige Rhythmus hier gut in die Beine und der Gesang des „Man“ überzeugt im epischen Chorus. Der Song bietet ein sehr reizvolles, virtuoses Instrumentalstück am Ende – hörenswert. „Man“ und der „Lord of Chaos“ (Yannis Androulakakis) führen in „Part VII – Dark Lord’s Words“ ein Zwiegespräch, in dem der „Lord of Chaos“ dem Menschen eine Möglichkeit bietet, mehr Macht zu erlangen, wenn er für ihn ein wichtiges Artefakt, einen Stein, aus der „Höhle der Toten“ holt. Der Auftritt des „Lord of Chaos“ wird mit sich überlagernden Gitarren- und Keyboardmelodien angekündigt, die wohl das Chaos darstellen sollen. Leider verliert sich dieses Experiment in unrhythmischer Strukturlosigkeit, die den Song schwer als einen zusammengehörigen Part erkennbar macht.

„Man“ durchwandert schließlich die „Höhle der Toten“ in „Part VIII – The Cave Of The Dead“, wo er schließlich das gewünschte Objekt findet: Einen Mondstein. Stimmungsvoll eingeleitet wird der Track mit flötenähnlichen Keyboardsounds, die den Song in den Strophen auch gemeinsam mit Gitarren melodisch vorantreiben. Der „Lord of Law“ (Basil) hat in Part IX „Moonstone“ seinen ersten eigenständigen Auftritt und ermahnt den Menschen, dem „Lord of Chaos“ mit diesem Stein nicht die Macht zu geben. Der siebenminütige Track wartet mit rhythmischen Gitarren auf, die melodisch gut ins Ohr gehen. Gerade in den Strophen ist der Song unheimlich flott, das Schlagzeug treibt unbarmherzig voran, hier scheint die Instrumentierung ausnahmsweise in Rhythmik, Harmonik und Melodik einmal stimmig. Auch die Geige fügt sich in der Mitte des Stückes gut ein. Cassandras Sprechstimme erklärt am Ende des Songs den Fortgang der Geschichte.

Mit düsterer, soundtrackähnlicher Untermalung (Streicher, Bläser) spricht „Man“ im ersten Teil von „The Realm Of Chaos“, „The Encounter“ von der unheimlichen Atmosphäre im Reich des „Lord of Chaos“, zu dem er aufbrach, in der Hoffnung ein Artefakt zu finden, um auch ihn zu kontrollieren. Eine unheimliche, dunkle Gitarrenmelodie unterlegt den erzählenden, kurzen Track. Im zweiten, mit Chören unterlegten Teil „The Prayer“ bittet „Man“ den „Lord of Law“, den er einst verleugnete, um Unterstützung. Auch hier beendet Cassandras Sprechstimme das Stück, bevor der dritte Teil „Umbralith“ beginnt – ein energiegeladenes, rasantes Instrumental.

Im elften und letzten Part „The Last Scene“ kulminiert der Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen den Lords „of Law“ und „of Chaos“, in dem „Man“ zerrieben wird, obwohl er sich in der Hoffnung trug, im Besitz beider Steine die beiden Götter endgültig vernichten zu können, bevor Cassandra die letzten Worte spricht, mit denen die Metal Oper bereits begann. Eine Beschreibung der Musik fällt hier schwer, da hier eindeutig der Fokus auf der Erzählung der Geschichte lag. Die musikalische Untermalung bleibt in ihrer Belanglosigkeit nicht im Gedächtnis. Wer die Lyrics mitliest (und das sollte man bei diesem Album!), kann den Grundgedanken vielleicht eher verstehen, der dem Gesamtwerk zugrunde lag.

Mit „The Tale Of Man“ hat ROYAL QUEST ein langjähriges Projekt zum Abschluss gebracht, das an einen fiktionalen Charakter von Michael Moorcock angelehnt ist. Leider verliert sich der Versuch, Inhalte mit Metal-Musik auszudeuten, häufig in unrhythmischen Abenteuern. Songs sind strukturell selten als solche zu erkennen, da hin und wieder auf die konservative „Strophe – Chorus“-Einteilung verzichtet wurde, um dem Fluss der Geschichte zu folgen. Dieser Erzählfluss wird aber oft von virtuosen Soli und den unsäglichen Sci-Fi-ähnlichen Echo-Effekten zur Sprechstimme der Cassandra-Figur unterbrochen. Kreativ, aber Geschmackssache. Experimentelles und anspruchsvolles Konzeptalbum, das seine Zielgruppe erst noch finden muss.

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10.06.2015

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