Schandmaul - Anderswelt

Review

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Wie, ein neues SCHANDMAUL-Album? Tatsache, schon wieder sind zwei Jahre seit dem letzten Studio-Output „Mit Leib und Seele“ der Münchener Folkrock-Combo vergangen.
Zeit genug also, dem auf Platz 10 in den Media Control Charts gelandeten Vorgänger, rechtzeitig zum 10 jährigen Band-Jubiläum, einen würdigen Nachfolger hinterher zu schicken.

Auf den Namen „Anderswelt“ hört diese neue Scheibe, die sich über eine Spielzeit von knapp 52 Minuten, verteilt auf 14 Songs, erstreckt. Das Album-Cover ziert eine schlichte Berglandschaft mit den Silhouetten eines kleinen Mädchens und eines monsterähnlichen Wesens, Hand in Hand auf einem großen Baumausleger. „Anderswelt“ – stehen die Zeichen auf Wandel bei den Schandmäulern?

Nun, nicht wirklich. Musikalisch sind die sechs Münchener auch auf diesem Album ihren Wurzeln treu geblieben. Es wird mit allem musiziert was die Liederkiste hergibt, von den rockigen E-Gitarren Martin „Ducky“ Ducksteins, über die sanft anmutende Violine Anna Kränzleins und die Flöten von Birgit Muggenthaler, bis hin zu exotischerem beziehungsweise altertümlichem Material wie Drehleier und Dudelsack. Nicht zu vergessen natürlich die markante Stimme von Leadsänger Thomas Lindner, der auch diesem Album mit seinem Gesangstalent seinen ordentlichen Stempel aufdrückt. Dabei gelingt es SCHANDMAUL, diese vielen musikalischen Elemente nicht im Überfluss in die Songs zu pressen und Bombast zu produzieren, vielmehr werden die unterschiedlichen Instrumente immer wieder geschickt und passend zur Stimmung des Songs eingesetzt. Eine fröhlich dudelnde Flöte trägt, zusammen mit der akustischen Gitarre, viele der lustigeren Songs, während gerade die treibenden, hymnischeren Stücke auf härtere Gitarren-Riffs oder Dudelsackmelodien setzen. Das schafft im höchstens Maße Atmosphäre.

Wie beim Opener der Platte: „Frei“. Dieser beginnt langsam und bedächtig, nimmt dann aber an Fahrt auf und wird zu einem typischen SCHANDMAUL-„Uptempo“ Stück. Griffiger Refrain, eine schöne Melodieführung der Drehleier und ein paar metallische Gitarren-Breaks, ein Song wie man ihn von den Folkrockern gewohnt ist. Auch bei den Texten hat sich nichts großartig verändert. Den Kitsch kann man, gerade bei den mittelaterlichen Stücken, mit beiden Händen greifen. Mich stört das aber nicht, denn letztlich gehört es ganz einfach zum Stil des Sechers. Über den Verlauf des Albums wird dann einmal mehr die volle Bandbreite an Stimmungsmusik auf den Hörer losgelassen. „Krieger“ verdient noch am ehesten das Prädikat „Anderswelt“. Düster und mit gedoppeltem Gesang, der sich fast schon ein wenig nach den Kollegen von „Tanzwut“ anhört, schleppt sich dieser daher, die panikartige Violine verleiht dem Morddrama noch mehr Dramatik. Ähnlich düster und melancholisch ist auch „Königin“, der orchestralste Song der Platte.

Ganz im Gegensatz dazu stehen die fröhlichen Nummern. „Missgeschick“ zum Beispiel, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt, oder das Instrumentalstück „Fiddlefolkpunk“, dessen Name nicht die einzige Ähnlichkeit zu FIDDLER’S GREEN ist. SCHANDMAULS Stärke bleibt aber nach wie vor die marschierenden, aufpeitschenden Stücke, die sich mit ihren Refrains einfach ins Trommelfell einfräsen. Nach 10 Jahren Bandgeschichte und einem halben Dutzend Alben bleiben kleinere Wiederholungen natürlich nicht aus, und so erinnert „Zweite Seele“ zu Beginn stark an eine moderne Variante von „Eine Waldmär“, wird aber mit seinem absoluten Ohrwurm-Refrains zu einem der stärksten Stücke des Albums neben dem Titeltrack.

Kurzum, die „Anderswelt“ hat so ziemlich alles, was ein typisches SCHANDMAUL-Album ausmacht. Es bietet einige sehr gute, mitreissende Songs aber auch ruhiges Material, das zum entspannten Zuhören und dem Eintauchen in die „Anderswelt“ einlädt. Den Weg der letzten zwei Alben ist man auch diesesmal konsequent weitergegangen, die „Anderswelt“ wirkt erwachsener und streckenweise lyrisch ernsthafter als noch zu „Narrenkönig“-Zeiten. Wer bisher nichts mit der Band anfangen konnte, den wird auch dieses Album kaum vom Gegenteil überzeugen können. Jeder aber, der mit Folk und fröhlicher Musik etwas anfangen kann, sollte zumindest mal ein Ohr riskieren. Für SCHANDMAUL Fans stellt die Platte wohl ohnehin einen Pflichtkauf dar. Ich freue mich jetzt schon darauf, die Songs bei der kommenden Tour live hören zu können. Ein Glück, dass die „Anderswelt“ letztlich doch garnicht wirklich anders ist.

06.04.2008

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1 Kommentar zu Schandmaul - Anderswelt

  1. Anonymous sagt:

    Tolles Review!
    Stimme vollkommen zu.
    Keine Weiterentwicklungen bei Schandmaul, finde ich persönlich etwas schade.
    Aber es muss eben nicht immer Gourmetessen sein, zwischendurch braucht man auch mal Hausmannskost 😉
    Anspieltipps für mich sind vor allem: Frei, Sirenen und vor allem der herausragende Titelsong \"Anderswelt\".
    Nur zu empfehlen!

    8/10