Sonata Arctica - Reckoning Night

Review

„Reckoning Night“ ist seit langem mal wieder ein Power Metal Album, das mich überzeugt und das praktisch schon seit Wochen seine wiederkehrende Rotation vollzieht. Dabei ist es eigentlich nichts Besonderes, was dieses Album in meinen Augen auszeichnet. Sonata Arctica haben einfach eine Scheibe aufgenommen, die zu 100% auf Altbewährtes setzt. Klar kann man ihnen das auch als Stagnation oder Anachronismenpflegerei ankreiden. Aber was will man denn erwarten? Power Metal hat in den letzten Jahren eine derartige Inflation an Bands und Newcomer-Hype erlebt, dass der Acker der innovativen Ideen auf unbestimmte Zeit ausgelaugt sein dürfte. Trotzdem gefällt mir „Reckoning Night“ wirklich gut. Denn auch wenn man vergeblich Neues sucht, besticht das Album einfach durch seine unglaubliche Eingängigkeit, die sich sogar nach sechs Wochen Dauerbeschallung nicht abnutzt. Eine Hymne reiht sich an die nächste, das Ohrwurmrennen geht oft unentschieden aus. Vom lupenreinen Speed Metal Opener „Misplaced“ über etwas gezügelte verspielte Vertreter wie „The Boy Who Wanted To Be A Real Puppet“ bis hin zur unvermeidlichen Ballade „Shamandalie“ macht „Reckoning Night“ alle (Nicht-)Fans glücklich. Dass dabei jeder Song extrem catchy ausgefallen ist, liegt dabei nicht nur am freizügigen Keyboard-Einsatz sondern auch an den prima gewählten Chören, die das ganze ziemlich dick daherkommen lassen. Das auch das kein Novum darstellt muss dabei nicht erst erwähnt werden, trotzdem bestechen Perlen wie „Ain’t Your Fairytale“ oder die geniale Single-Auskopplung „Don’t Say A Word“ und können fast repräsentativ für das Album stehen. Lediglich „My Selene“ ist für meinen Geschmack ZU poppig und abgedroschen ausgefallen. Das beschränkt sich jedoch glücklicherweise auf den Chorus. Außerdem ist es eine Schande, ein extrem cheesy Keyboard-Instrumental, das so unnötig ist wie ein Kropf, zum Quasi-Titeltrack „Reckoning Day, Reckoning Night“ eines sonst so netten Scheibchens zu machen. Trotz diesen Schnitzern bleibt der Gesamteindruck formidable, Abzug gibts lediglich für erwähnte Mängel und die Hoffnung auf vielleicht ein wenig Innovation und somit Steigerungspotenzial beim nächsten Mal.

07.11.2004
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