Soul Stealer - Feel The Steal

Review

Mit ihrem 2008er Debüt sorgten SOUL STEALER aus Litauen für einige erstaunte Gesichter. Denn auch wenn es nicht unüblich erscheint, dass eine Combo Songs in ihrer Muttersprache aufnimmt, klingt Metal auf litauisch für deutsche Ohren doch einigermaßen eigenartig. 2010 gibt die Band sich gewachsen, präsentiert die acht Songs ihres Albums “Feel The Steal“ komplett in englischer Sprache und nimmt somit mehr Rücksicht auf den internationalen Markt.

Musikalisch hat sich indes nicht viel verändert. Die vier Musiker zelebrieren weiterhin den guten alten Heavy Metal der 80er. Auf diesem Silberling finden sich Rhythmen, die im wesentlichen auf dem Wechselspiel zwischen Becken und Snare aufbauen. Die Gitarrenarbeit schwebt zwischen den klaren, melodischen Ansätzen der NWOBHM, SAMSON könnten hier Pate gestanden haben, und der etwas heftigeren Gangart von deutschen Bands wie ACCEPT, welche die Riffs stärker betont. Darüber streut Sänger Jeronimas seine sehr traditionell eingesungenen Vocals, die in ihrer harmonischen und erzählenden Weise häufig sehr an die Melodieführung der Sechssaiter angepasst sind. Wirklich neu und spannend ist das nicht. Und leider passiert SOUL STEALER dabei das, was einer Band in diesem Genre einfach nicht widerfahren sollte: Zwar bringen sie ihre Musik handwerklich gut auf den Punkt, aber insgesamt wirkt alles einfach ein wenig zu dünn. Eine zweite Gitarre wäre zum Beispiel hilfreich gewesen oder auch ein Sänger, der sich mal ein wenig abseits der ausgetretenen Wege der Kopfstimme bewegt und vor allem mehr Druck mit seinem Organ aufbauen kann. Auch die Standard-Soli verstärken den etwas uninspirierten Eindruck, den diese Veröffentlichung macht, leider noch.

Dennoch ist an ihr selbstverständlich nicht alles schlecht. Wie schon erwähnt, gibt es an der handwerklichen Leistung der vier Jungs nichts auszusetzen. Wirklich Mühe gegeben haben sie sich vor allem mit der Songsauswahl und der Ausgestaltung der Lyrics. Natürlich beinhalten auch diese hauptsächlich traditionelle Themen, aber insgesamt wirken sie ein wenig frischer und gleiten weniger häufig in bedeutungslose Klischees ab, als ihre musikalischen Pendants. Der sechste Titel auf “Feel The Steal“ hat übrigens keinen Namen. Die Hörer sollen an dieser Stelle nicht gelenkt werden und sollen selbst herausfinden, worum es geht. Durchaus eine Angelegenheit, die das Hörvergnügen steigert, weil sie dazu nötigt, sich mit der Musik auseinander zu setzen.
Mit “The Choice“ findet sich schließlich auch eine Halbballade im Programm, die in bester Tradition von IRON MAIDEN oder den Solo-Veröffentlichungen von BRUCE DICKINSON steht. Gefühlvolle Akustik-Gitarren stehen knackigen Riffs und akzentuierten Drums gegenüber. Nicht wirklich spektakulär, aber immerhin ganz nett.

Diese Beschreibung könnte man übrigens für das gesamte Album stehen lassen. Was SOUL STEALER auf “Feel The Steal“ abliefern, mag live durchaus funktionieren. Mit einem kühlen Bier in der Hand und einer entsprechenden Show auf der Bühne dürfte diese Mucke auf jeden Fall Anklang finden. Als Konservenmusik taugt sie hingegen weniger. Schon gar nicht, wenn die Combo auf dem internationalen Markt mitmischen will. Dafür ist alles einfach zu angestaubt, uninspiriert und hat zu wenig Durchschlagskraft.

24.11.2010

Der metal.de Serviervorschlag

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