Spit Like This - Normalityville Horror

Review

Es gibt CD-Cover, bei denen weiß ich oft nicht ganz, ob ich sie unendlich geschmacklos und hässlich finden soll – oder aber so gewollt trashig, dass es schon wieder als cool durchgehen könnte. Spätere MISFITS-Scheiben und auch das ein oder andere Horror-Punk-Erzeugnis neuerer Zeit würde ich in letztere Schublade einsortieren. Vieles aus dem Power-Metal-Bereich hingegen ganz eindeutig nicht. „Normalityville Horror“ von SPIT LIKE THIS fordert mich insofern heraus, als dass ich mir bei dem Dragonball-Zombie-World-Of-Warcraft-80s-Rockstarklischee-Potpourri, welches mich da anspringt, wirklich nicht sicher bin, ob ich es mögen oder hassen soll. Aber da es hier ja glücklicherweise um die Musik geht, bleibt mir diese schwere Entscheidung vorerst erspart.

SPIT LIKE THIS erfreuen ihr Heimatland England und den Rest der Welt nun schon seit über zehn Jahren mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Glam Metal, Rock ’n‘ Roll und Horror Punk. Das neueste Werk der Gruppe trägt nun also den Titel „Normalityville Horror“ (möglicherweise angelehnt an eine bekannte Horrorfilmreihe?). Alles beim Alten also in Normalityville?

Die ersten Töne, die ich zu hören bekomme, stammen nicht von dreckig verzerrten Gitarren sondern vom Mann an den Kesseln, Vile Gilez. Wenn das eine „Painkiller“-Parodie ist, dann ist es witzig. Fast erwartet man, dass Rob Halford gleich mit Tiptons Gitarre um die Wette schreit. Stattdessen kriegt man dann aber mit „Sick“ einen ordentlichen Opener geboten, der vor allem im groovigen Schlusspart noch mal mit ein paar geschmackvollen Harmonien aufwarten kann. Der folgende Titeltrack weiß aber noch ein ganzes Stück besser zu gefallen. Klingt ein bisschen wie die BLACK KEYS in böser und mit einer Tonne Hall auf den Vocals. Die Rock-’n‘-Roll-Anteile sind hier jedenfalls wirklich hoch und der Refrain geht ins Ohr. „Zero To Sixty“ springt ungefragt an, wenn man die Website von SPIT LIKE THIS besucht, scheint also eine Art Referenzstück zu sein. Der Song kann mit etwas weniger Ohrwurmpotential aber mit mehr Tempo überzeugen.

„Very Very Good At Being Bad“ lebt vor allem von seinen Background-Chören, ist aber dann spätestens im Refrain ein bisschen schief und nervig. Hier fällt erstmals auf, dass Lord Zion eine auf Albumlänge doch etwas ermüdende Stimme hat. In Songs wie „Teen Angel“ passt sie zugegebenermaßen jedoch perfekt und wenn zum Ende eines jeden Refrains die Instrumente aussetzen und der Meister den Vers in bester ELVIS-Manier allein beendet, macht das Album wirklich Spaß. Schwächer schneiden hingegen die Hard-Rock-geprägten Songs wie „The Life & Times Of The Suicide Kid“ ab. Insgesamt aber bleibt ein positiver Eindruck hängen. „Oh No! Here We Go“ und „Dead To Me Now“ sind mit starken Refrains und Rock-’n‘-Roll-Rhythmen ausgestattet und auf jeden Fall partytauglich – mehr will ein Album wie „Normalityville Horror“ von einer Band wie SPIT LIKE THIS sowieso nicht.

Auf die Texte sollte man daher größtenteils auch nicht hören, wenn man Gesellschaftskritik oder philosophische Weltansichten erwartet. SPIT LIKE THIS bringen einfach nur den Glam Rock vermischt mit ordentlich Rock ’n‘ Roll und etwas Horror Punk ins 21. Jahrhundert. Dabei huldigen sie ihren Vorbildern MÖTLEY CRUE, den MISFITS und THE SEX PISTOLS an jeder Ecke, bringen aber auch einen Schuss Ironie mit hinein. „Normalityville Horror“ ist ein unterhaltsames Album zum Tanzen, Trinken und für ein bisschen Nostalgie geworden, und erreicht damit alles, was erreicht werden konnte.

28.09.2013

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