Stefan Rydehed - Pure Fucking Mayhem

Review

Was wäre wohl passiert, wenn sich vor nunmehr fast 25 Jahre eine Handvoll norwegische Jugendliche nicht zusammengefunden hätte, um unter dem Namen MAYHEM mit ihren Lärmorgien gegen den etablierten Metal anzustinken? Wo stünde der Black Metal heute, wenn einige Mitglieder ebendieser Band ihren Lifestyle nicht mit letzter Konsequenz ausgelebt hätten? Nun, diese Fragen zu beantworten, wäre vermutlich etwas zu hypothetisch. Sicher ist indes, dass MAYHEM die norwegische Black-Metal-Szene wie keine andere Band geprägt hat. Und so gehören die Exzesse und Geschichten rund um diese Band zum Grundvokabular eines jeden Black-Metal-Fans, egal ob dieser nun vierzig oder vierzehn Jahre alt ist.

In dieser Hinsicht ist es gerade wenig erstaunlich, dass sich noch niemand daran gemacht hat, die Bandgeschichte und –geschichten im Rahmen einer Dokumentation aufzuarbeiten. Denn eine Dokumentation entsteht nicht im luftleeren Raum, und ohne die Kooperation der Band lässt sich solch ein Vorhaben kaum vernünftig realisieren. Kein leichtes Unterfangen, denn MAYHEM haben es immer wieder verstanden, Gerüchte zu streuen oder sie einfach nicht zu kommentieren. So kursieren von einzelnen Begebenheiten auch heute noch mehrere Versionen, deren Wahrhaftigkeit nur annähernd einzuschätzen ist. Und so macht sich vermutlich jeder angreifbar, der sich mit der Geschichte von MAYHEM auseinandersetzt. Andererseits ist einem solchen Projekt einiges an Aufmerksamkeit sicher, nicht zuletzt dadurch, dass das Thema MAYHEM wohl keinen Black-Metal-Anhänger unberührt lässt.

Eine solche Dokumentation erscheint nun unter dem an MAYHEMs erste Veröffentlichung angelehnten Titel „Pure Fucking Mayhem“. Darin arbeitet der schwedische Filmemacher Stefan Rydehed in 90 Minuten die Bandgeschichte von MAYHEM auf, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf den Jahren bis 1993. Er richtet dabei den Fokus auf die Ansichten von Necro Butcher, der in „Pure Fucking Mayhem“ ausführlich zu Wort kommt. Einen weiteren gewichtigen Teil trägt Ur-Schlagzeuger Manheim bei, der heute zwar nicht mehr in der Black-Metal-Szene aktiv ist, doch gerade zur Frühphase von MAYHEM interessante Details beitragen kann. Dazu gesellen sich einige wenige Kommentare von Kurzzeit-Sänger/-Bassist Occultus sowie vom aktuellen Sänger Attila. Dazwischen noch ein paar Live-Mitschnitte aus Necro Butchers Privatarchiv, fertig! Was fällt auf? Weder Hellhammer noch Blasphemer kommen zu Wort, und auch die An- und Einsichten von Maniac bleiben außen vor. Befreundete Bands und Musiker – auch das wäre eine Möglichkeit gewesen – werden in die Betrachtungen genauso wenig miteingeschlossen.

Der Grund dafür mag das kleine Budget gewesen sein, das für den Film zur Verfügung stand. Das wird überdeutlich daran, dass Necro Butcher offenbar in einer Art Turnhalle interviewt wurde, Occultus gar nahe einer Durchgangsstraße, Hintergrundgeräusche inklusive. Ein Studio mit guter Akustik hätte sicherlich die eine oder andere Krone gekostet. Genauso wie eine professionelle Sprecherin oder noch tollere Animationen. Dramatisch ist das aber nicht, denn was passt besser zu einer Band wie MAYHEM, die einst mit auf Tonträgern gebannten Krachorgien begann? Offensichtlicher ist die Tatsache, dass Rydehed in „Pure Fucking Mayhem“ zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen möchte: Einerseits will er die Geschichte von MAYHEM aufarbeiten, andererseits Necro Butcher und Manheim porträtieren. Im Ergebnis wirkt „Pure Fucking Mayhem“ etwas inkonsequent und unentschlossen. Rydehed hätte sich besser auf ein Ziel konzentrieren sollen, auch wenn er dabei das Storyboard hätte umschreiben und auch gute Szenen fallenlassen müssen.

Insofern kann „Pure Fucking Mayhem“ nicht in letzter Konsequenz überzeugen. Sicherlich, die Dokumentation ist nett anzusehen und beispielsweise das Lachen von Occultus ist weltklasse. Revolutionäre Enthüllungen darf der geneigte Fan aber nicht erwarten, genauso wenig wie einen tiefen Einblick in die Persönlichkeiten von Jørn Stubberud und Kjetil Manheim. Konkret angreifbar macht sich Stefan Rydehed mit seiner Dokumentation aber mit dem Fehlen wichtiger Akteure und mit dem gesetzten Schwerpunkt: Ein „klarer Fokus“ lässt sich nicht ausmachen, wie es im Infosheet steht, und „eindrucksvoll“ ist die Dokumentation so gesehen auch nicht. Nett ist hingegen die schmucke Aufmachung im Digipak, die hier ebensowenig verschwiegen werden soll wie die beigelegte Audio-CD mit ruhigen Piano-Liedern, die von MAYHEM-Songs inspiriert wurden.

14.11.2008

- Dreaming in Red -

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