
STYGIAN STEEL sind eine neue Band aus Norwegen, die mit „Black Lotus Veil“ ihr Debütalbum veröffentlichen. Dabei war der ursprüngliche Plan ein ganz anderer.
STYGIAN STEEL – ursprünglich anders geplant
Der Großteil des Materials auf „Black Lotus Veil“ wurde vom norwegischen Bassisten, Gitarristen und Keyboarders E.R. (bürgerlich Erlend Rønning, u. a. DESOLATION REALM, DØDSKVAD) für seine Band STYGIAN RUIN geschrieben, inspiriert vom US-amerikanischen Autor Robert E. Howard und stilistisch in der Schnittmenge Ambient und Black Metal. Dabei blieben Songs übrig, die zwischen Heavy Metal und Epic Doom liegen. Aus dem Ein-Mann-Projekt entwickelte Rønning dann mit Zunahme von Sänger Abraxas d’Ruckus (MAGISTER TEMPLI) und Schlagzeuger R.K.V. (bürgerlich Kristian Valbo, u. a. DØDSKVAD, OBLITERATION) die Band STYGIAN STEEL. Das Ergebnis ist eigenwillig kauzig, daran werden sich die Geister scheiden.
An „Black Lotus Veil“ werden sich die Geister scheiden
STYGIAN STEEL mischen kauzig-schrägen Epic Doom mit traditionellem Heavy Metal, dazu gesellen sich dezente Einflüsse des Progressive Metal und New Wave. Das liest sich nicht nur speziell, es klingt auch so eigenwillig.
Der Sound ist etwas verschwommen und mit ordentlich viel Hall, die Gitarren tönen kratzig wie das Schlagzeug undergroundig poltert, der Bass überraschend präsent und der Synthesizer teils obskure Sounds liefert. Ausgedehnte Gitarrenpassagen und -Soli und die abwechslungsreiche Schlagzeugarbeit zeugen vom Können der Musiker. Dazu der klare, schlichte, manchmal flache, leicht nasale Gesang, auch hier, natürlich, viel Hall drauf. Gewöhnungsbedürftig, sicher, gewinnt der Gesang bei längerer Beschäftigung aber an Charakter. STYGIAN STEEL erzeugen eine spezielle, okkult-morbide bis archaische Atmosphäre. Das Ganze hat schon einen eigenwilligen Underground-Charme, das liebt oder hasst man. „Black Lotus Veil“ ist konsequent speziell, wie es einen eigentümlichen Reiz hat.
Ein eigentümlicher Reiz
Die Vorbilder von STYGIAN STEEL sind schnell benannt: STYGIAN STEEL sind irgendwo in der Schnittmenge von WARLORD, CANDLEMASS, MANILLA ROAD, MANOWAR, BLACK SABBATH, FATES WARNING, BATHORY und BLUE ÖYSTER CULT.
Der das Album eröffnende, ausladend epische Titelsong macht gleich deutlich, dass hier keine gewöhnlich Genreübung zu erwarten ist. Das 40sekündige Düsterintro sorgt für die mystische Stimmung. Hallender Klargesang, zwischendurch ein wenig Achtziger New-Wavig, beschwörend gesprochene Passagen, traditionelle Metal-Riffs, atmosphärischer Synthesizer-Klangteppich. Trotz sieben Minuten Spielzeit und einiger Wendungen bleibt „Black Lotus Veil“ ziemlich eingängig.
„A Fool’s Errand“ verbindet druckvolle Bassläufe mit epischen Melodien, einprägsamen Refrain, treibenden Rhythmen und kurzem Space-Part, während „Grave Of The Giant Kings“ galoppierenden Epic Metal mit schleppendem Doom, orientalisch anmutende Hintergrundklänge und Chorgesang kombiniert.
Das zweieinhalbminütige Interlude „Incantation I“ leitet fließend in „The Serpent’s Steel“, Slo-Mo Epic Doom voll dunkler Melancholie und dezent eingesetzten progressiven Akzenten. STYGIAN STEEL beschließen ihr Album mit dem opulenten „Een Stygisk Overtyr“ mit mehr als zehn Minuten Spielzeit. In dem vielseitigen Stück kommen nochmal alle Facetten der Klangwelten von STYGIAN STEEL zum Tragen. Ein episches Finale mit vielen Wendungen, stimmungsvoller Atmosphäre, viel Melodie und Dynamik. Manko – der Synthesizerteppich stört hier zwischendurch das Hörempfinden.
STYGIAN STEEL erfinden das Rad nicht neu, bieten aber gutklassigen Epic Doom Heavy Metal, der freilich nicht an die Größen des Genres heranreicht. Aber für Fans mit Faible für kauzige Eigenwilligkeit wie ungewöhnliche Ideen hat „Black Lotus Veil“ einiges zu bieten.

Markus Endres



















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