Symphonity - Marco Polo: The Metal Soundtrack

Review

Galerie mit 22 Bildern: Symphonity - The Eigth Mountain Tour 2020 in Essen

Historische Figuren zu würdigen und deren Errungenschaften ins Zentrum eines musikalischen Werks zu rücken, erfreut sich genreübergreifend stets einer gewissen Beliebtheit. JUDAS PRIEST („Nostradamus“), THERION („Gothic Kabbalah“) oder IRON MAIDEN („Alexander The Great“) – um nur einige zu nennen – setzten bedeutenden Persönlichkeiten musikalische Denkmäler. Damit auch der venezianische Entdecker Marco Polo (1254 – 1324) nicht zu kurz kommt, gibt es nun tatkräftige Unterstützung aus Tschechien: Die 2006 gegründete Band SYMPHONITY (eine begriffliche Mischung aus „Symphonic“ und „Eternity“) bezeichnet ihren Stil als „Symphonic Epic Power Metal“, eine Beschreibung, die zumindest aufhorchen lässt, was genau sich dahinter verstecken mag.

SYMPHONITY legen ihr drittes Studioalbum vor

Als Mastermind der sechsköpfigen Band lässt sich Libor Křivák (Gitarre, Keyboards) ausmachen, der schon anno 1994 mit seinen ersten musikalischen Unternehmungen den Grundstein für SYMPHONITY legte. Nach den Longplayern „Voice From The Silence“ (2008) und „King Of Persia“ (2016) sowie mehreren Besetzungswechseln haben die Symphonic Metaller nun Album Nummer drei am Start: „Marco Polo: The Metal Soundtrack“. Das klingt nach einer Abenteuererzählung mit metallischer Etikette, oder um es mit den Worten des Labels zu umschreiben: „Eine echte Entdeckungsreise für Liebhaber des Epic Melodic Symphonic Power Metals“. Jedenfalls scheint das konzeptionelle Skript nicht die schlechteste Grundlage zu sein, um eine lebendige, dicht orchestrierte und spannend erzählte Biografie – oder Hommage? – zu kreieren. An dieser Erwartungshaltung muss sich das vorliegende Werk allerdings auch messen lassen.

Wie für ein Konzeptalbum charakteristisch beginnt das Album mit einem Intro und schließt mit einem ähnlichen Outro ab. Bei beiden Stücken ist die tschechische Mezzo-Sopranistin Jana Hrochová stimmgewaltig involviert. Ein weiteres Merkmal ist die erzählerische Begleitung des Sprechers, der beinahe im Stil eines Hörbuchs jeden Song und jedes Ereignis der musikalischen Reise erläutert. An sich keine schlechte Idee, doch in der Umsetzung wirkt das manchmal etwas zu cheesy. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Auf der Reise von Venedig nach China und zurück

„Crimson Silk“ ist der eigentliche Opener der neunteiligen Expedition, die sich mit den Asienreisen Marco Polos beschäftigt. Der Song ist eine feierliche Hymne mit orientalischem Flair und einem mit Widerhaken behafteten Chorus. Das bereits im März als Appetizer veröffentlichte „The Plague“ schlägt in dieselbe Kerbe; auch hier dominieren flottes Tempo und ein höchst eingängiger, hymnenhafter Chorus. Der Track erinnert streckenweise an EPICA, aber auch Einflüsse von HELLOWEEN sind im Refrain kaum zu überhören.

Eines der Highlights ist das über zehn Minuten lange Epos „Mongols“, das zwar stellenweise etwas schmalzig wirkt, ansonsten aber mit einem dichten Soundteppich, Tempowechseln und herausragenden Gesangsleistungen inszeniert wird. Die beiden Piano-unterstützten Balladen „Dreaming Of Home“ und „Prisoner“ sind solide performt, qualitativ aber nicht ganz auf Höhe anderer Songs der Langrille. Das triumphierende „I Found My Way Back Home“ weiß dann wieder etwas mehr zu gefallen, auch wenn der Chorus erneut an die Kürbisköpfe erinnert.

Ein zu kurzer Trip durch die Geschichte

Nach nur 41 Minuten ist der Ausflug dann schon vorbei – schade eigentlich, denn Titel und Konzept des Albums versprechen mehr. Nur in der CD-Fassung gibt es drei Bonustracks in orchestraler Version, die aber auch nichts wirklich Neues bieten. So bleibt der Eindruck zurück, dass hier noch das eine oder andere Schüppchen mehr draufgepasst hätte.

„Marco Polo: The Metal Soundtrack“ ist ein musikalisch solides, handwerklich ordentliches und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitetes Konzeptalbum, das diese Bezeichnung zweifelsfrei verdient und seine Abnehmerschaft finden wird. Dabei mangelt es weder an Kreativität noch am Songwriting, auch eine die Handlung abrundende Atmosphäre ist dem Werk nicht abzusprechen. Dennoch gelingt es nicht, das Album stets auf demselben Niveau zu halten, und die Begleitung des Sprechers wirkt manchmal eher einschläfernd als Spannung aufbauend.

Positiv herauszuheben sind die melodischen, hymnenhaften Refrains sowie die orchestralen Elemente, die die Reise mit Leben füllen. Auch die Gitarrenarbeit und die Produktion sind nicht zu beanstanden. Apropos: Die beiden Lead- und Background-Sänger Konstantin Naumenko und Mayo Petranin harmonieren gut und überzeugen mit ihrem Stimmumfang. Als Gastsänger tritt übrigens Herbie Langhans (AVANTASIA, RADIANT) in Erscheinung, der SYMPHONITY einst als festes Bandmitglied angehörte. Unter dem Strich ist „Marco Polo: The Metal Soundtrack“ ein überdurchschnittliches Album, aus dem man aber mehr hätte rausholen können.

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14.05.2022

Redakteur | Schwerpunkte: Hardrock, Classic Metal, Female Fronted Metal

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