The Dillinger Escape Plan - One Of Us Is The Killer

Review

Galerie mit 20 Bildern: The Dillinger Escape Plan live in Leipzig 2017

Die Chaos-Frickler THE DILLINGER ESCAPE PLAN haben sich in den vergangenen Jahren als absolute Referenzband im Bereich des kopflastigen und abgedrehten Extrem-Metals etabliert. Jetzt legt der Fünfer aus New Jersey mit „One Of Us Is The Killer“ das nunmehr fünfte Studioalbum nach. Und auf dem toben sich die Mannen um Fronter Greg Puciato wieder einmal in ihrer Lieblings-Disziplin aus: dem Überraschungsmoment. Denn neben den mittlerweile für die Band typischen, abgedrehten Mathcore-Parts hält das neue Werk auch einige neue und unerwartete Klänge bereit.

So klingt „Prancer“ – der Opener der Platte – zu Beginn noch sehr charakteristisch und vertraut: Wütende, scheinbar willkürlich platzierte Gitarren-Ausbrüche (ob man sich dafür der berühmten MESHUGGAH-Telefonbuch-Methode bedient hat?) und heißeres Geschrei leiten den Track ein, der in der Folge dann allerdings merklich grooviger und zäher daherkommt, bevor bei den verschroben-melodischen Harmonien im Mittelteil schließlich sogar Erinnerungen an THE MARS VOLTA aufkeimen. Das anschließende „When I Lost My Bet“ wartet dann erneut mit rhythmisch verkorkstem Anfangspart auf, und auch insgesamt geht es hier über weite Strecken wesentlich wüster und chaotischer zu Werke als noch zuvor – ein Song, der in dieser Form auch auf einem der früheren Langspieler hätte stehen können.

Der Titeltrack, an dritter Stelle platziert, markiert dann die erste Zäsur des Albums. Die Nummer überrascht mit sphärischen Clean-Gitarren, melodisch-eingängigem Refrain und einer recht simplen Struktur. Das Bemerkenswerte daran ist vor allem, dass THE DILLINGER ESCAPE PLAN auch im rockig-balladesken Gewand eine beängstigend gute Figur abgeben – eine Tatsache, die sich auf den vergangenen Releases zwar mehrfach angedeutet hat, in dieser Form für mich aber noch nicht zweifelsfrei zementiert war. Und konsequenterweise gibt es auch in den anschließenden Songs immer wieder zurückhaltendere, zugängliche Parts, beispielsweise im abwechslungsreichen „Nothing’s Funny“ oder bei „Paranoia Shields“, bei dem sich – so man will – stellenweise INCUBUS-Parallelen erkennen lassen. Aber keine Sorge – zwischendurch wird natürlich auch standesgemäß geschrotet, so beispielsweise im über weite Strecken rasend-komplexen „Magic That I Held You Prisoner“ oder dem mächtig walzenden „Crossburner“.

„One Of Us Is The Killer“ ist letztlich eine sehr reife und unglaublich versiert dargebotene Platte, mit der THE DILLINGER ESCAPE PLAN der Konkurrenz wieder einmal vor Augen führen, warum sie zurecht dort oben auf dem Mathcore-Thron sitzen. Ich behaupte sogar, dass die US-Amerikaner auf diesem Album so etwas wie den perfekten Spagat zwischen technischem Irrsinn und melodischer Zugänglichkeit hinlegen – unbedingt antesten!

Shopping

The Dillinger Escape Plan - One of Us Is the Killerbei amazon53,52 €
16.05.2013

"Am Ende isses immer Arbeit."

Der metal.de Serviervorschlag

Oder auch: "Wer 'One Of Us Is The Killer' von The Dillinger Escape Plan mag, wird auch das hier mögen." Lass andere Leser wissen, welche Platten sie noch anchecken sollten, wenn ihnen "One Of Us Is The Killer" gefällt.

Es gibt noch keine Empfehlungen zu diesem Album. Willst du die erste abgeben? Dann registriere dich oder logge dich ein.

Shopping

The Dillinger Escape Plan - One of Us Is the Killerbei amazon53,52 €

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 33625 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

7 Kommentare zu The Dillinger Escape Plan - One Of Us Is The Killer

  1. Bubka sagt:

    Sehr tolles Review! Macht Bock aufs Album. Allerdings fand ich die Formulierung „die Mannen um Fronter Greg Puciato“ unpassend, da sich die Band unumstritten um Ben Weinmann dreht, andererseits ist es einfach eine abgedroschene Floskel ;). Aber um das Urteil nicht zu trüben: Schönes lesenswertes Review!

  2. Anton Kostudis sagt:

    Jo, du hast schon recht. Abgedroschen ist es auf jeden Fall. Was Herrn Weinman angeht: Klar ist der das Brain von DEP. Andererseits fokussiert man sich aber immer irgendwie auf den Frontmann. Nur ein willkürliches Beispiel: Mikael Stanne & DARK TRANQUILLITY. Die Mugge machen dort der Drummer und vor allem Niklas Sundin. Trotzdem werden die beiden nur selten erwähnt. Aber ja – stimmt schon. Ich werd mir das für die Zukunft mal zu Herzen nehmen. Danke jedenfalls für deinen Kommentar!

  3. Petrarchae sagt:

    Sehr geehrter Herr Kostudis,

    auch ich empfinde Ihre Rezension als sehr lesenswert. Angebrachte Referenzpunkte (Beispiel the Mars Volta) werden sparsam aber treffend eingesetzt. Mir würde hier und da noch Mastodon einfallen, jedoch sei dies nur nebenbei bemerkt. Als Teil Ihrer womöglich noch überschaubaren Stammleseschaft auf metal.de möchte ich es trotzdessen wagen, ein wenig Kritik – an einer von Ihnen verfassten Review – zu üben: Sie müssen nicht jeden Punkt, den Sie an das Album vergeben, einzeln begründen. Mich stört jedoch ein wenig, dass Sie dem Album 8 von möglichen 10 Punkten verleihen und ich in Ihrem Text keine einzige Kritik feststellen kann. Im Umkehrschluss: Wenn Sie Phrasen wie „unglaublich versiert dargebotene Platte“, „Mathcore-Thron“ oder aber „perfekter Spagat“ nutzen und Sie aber 2 Punkte weniger – als mögliche – verleihen, so muss es doch das ein oder andere am Album gegeben haben, was Ihnen leicht kritisch aufstieß. Transparenter wäre Ihre Bewertung, wenn Sie kurz

  4. Petrarchae sagt:

    auf die Gründe für einen Punktabzug eingehen würden. Ich hoffe, Sie verstehen dies als konstruktive Anmerkung. Ich genieße nämlich in regelmäßigen Abständen Ihrer hier verfassten Beiträge – außer die zu bewertenden Bands treffen nicht vollends meinen Musikgeschmack, welcher bekanntermaßen eher relativ ist.

    Mit freundlichen Grüßen

  5. Anton Kostudis sagt:

    Lieber @Petrarchae,

    danke zunächst für das Feedback! Ich habe vor Veröffentlichung des Reviews ziemlich lange über die endgültige Bewertung nachgedacht. Und ich möchte kurz versuchen, die Gründe für die 8/10 (die ja zweifelsfrei eine Kaufempfehlung sind – da sollten wir uns beide einig sein) darzulegen:

    Wenn ich mir die Platten vor Augen führe, die ich bis jetzt mit 9/10 oder 10/10 bewertet habe, dann waren das immer Alben, die mich nicht nur musikalisch beeindruckt, sondern auch emotional mitgerissen haben. Die TDEP ist so eine Platte, vor der ich in objektiv-musikalischer Hinsicht den Hut ziehe: handwerklich top, abwechslungsreich und eben keine wesentlichen Kritikpunkte. Allerdings werde ich „One Of Us Is The Killer“ in Zukunft wohl eher selten auflegen – einfach, weil mich die Musik nicht emotional flasht. Natürlich kann man das einer Band nicht zum Vorwurf machen – es ist meine subjektive Wahrnehmung. Aber genau das ist ja auch Kerninhalt einer Rezension.

  6. Anton Kostudis sagt:

    Und ich habe mich dafür entschieden, bei der Bewertung überhalb von 8/10 dieses Kriterium anzusetzen. Sprich: Zuerst versuche ich, das musikalisch Dargebotene möglichst objektiv zu beurteilen, und dann zu schauen, welche Stimmungen eine Platte transportiert, wo und ob sie mich emotional kitzelt. Und abhängig davon lege ich dann eben noch ein oder zwei Pünktchen drauf.

    Wir können nun gern darüber diskutieren, ob das ein angemessener Maßstab bzw. eine angemessene Vorgehensweise ist.

    So viel dazu, ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen.

    Nochmals besten Dank für’s Feedback & viel Schmökerspaß weiterhin auf metal.de!
    AK

  7. Kokolores sagt:

    Geniale Platte und deutlich gelungener als der Vorgänger.
    Lest euch auch mal bei Gelegenheit folgende Rezension durch:
    http://plattentests.de/rezi.php?show=10299
    Das ist so unfassbar oberflächlich geschrieben und da wird nur so mit Phrasen rumgedroschen, dass man ernsthaft am Verstand des Rezensenten zweifeln möchte. Peinlich hoch zehn!
    Ein Beispiel, wie man Platten nicht besprechen sollte.