The Dillinger Escape Plan - Option Paralysis

Review

Galerie mit 20 Bildern: The Dillinger Escape Plan live in Leipzig 2017

CD eingelegt, Play gedrückt. Leicht angezerrte Gitarrenakkorde erklingen. Warum ist das so leise? Lauter drehen. Fünf Sekunden später: WHAAAMMM!!! Plötzlich ist alles doppelt so laut, ein komplexer Blastbeat holzt kompromisslos durchs Geäst und es ist klar: So fies führen nur wenige Bands ihre Zuhörer hinters Licht. THE DILLINGER ESCAPE PLAN brechen gekonnt Hörgewohnheiten auf und vernichten konventionelle Erwartungshaltungen. Komplexe Rhythmik trifft auf schief klingende Akkorde und anarchische Songstrukturen. Dem ganzen Geholze stehen akustische Klavierpassagen, griffige Refrains und bittersüßer Falsettgesang entgegen. Von DILLINGER-Songs kann man nur eines erwarten: Das Unerwartete.

Bisher war jede DILLINGER-Platte ein Quantensprung. Das neue Album „Option Paralysis“ knüpft dagegen vom Gesamtsound her erstaunlich stark an den Vorgänger „Ire Works“ an. Weiterentwickelt hat sich vor allem das Songwriting. Verschiedene musikalische Sphären und Klangfarben – zum Beispiel Jazz, Grindcore und Pop – tauchen im selben Song auf, trotzdem wirkt das nicht zusammengelötet, sondern wie aus einem Guss.
Textlich befasst sich das Album mit den negativen Begleiterscheinungen der heutigen Informationsgesellschaft. Die Band ist beunruhigt über die Reizüberflutung, der wir täglich ausgesetzt sind. Durch die Medien dringt so viel Information auf uns ein, dass wir dem ihrer Meinung nach nicht mehr gewachsen sind.

Im Vorfeld hatte Songwriter Ben Weinman angekündigt, dass „Option Paralysis“ sehr vom Metal beinflusst sei. Und tatsächlich: Von den wenigen neuen Elementen auf „Option Paralysis“ stechen in den Songs „Farewell, Mona Lisa“ und „Room Full Of Eyes“ langsame schwere Riffs hervor, die an Doom-Metal-Bands wie CANDLEMASS erinnern. Mit „Widower“ und „Parasitic Twins“ befinden sich aber auch zwei melancholische, klavierlastige Songs auf dem Album, die gar nicht nach Metal klingen. Ben Weinman sagte dazu im metal.de-Interview: „Wenn die Leute tatsächlich geglaubt haben, dass wir eine Metal-Platte machen würden, die keine DILLINGER-Metal-Platte ist, dann sind sie verrückt.“

Auf einer klassischen Metal-Platte wäre der einzige Gastmusiker wohl auch fehlangebracht gewesen. Mike Garson ist seit 40 Jahren professioneller Avantgarde-Pianist und hat unter anderem auf DAVID BOWIEs Klassiker „Ziggy Stardust“ mitgespielt. Bei „Widower“ hat er DILLINGER unterstützt und das Stück so zum Übersong gemacht. Wahnsinn, wie nach einer langen Steigerung von leisem Klavier bis zu harten E-Gitarren-Riffs plötzlich alles in eine rauchige Barjazz-Atmosphäre umkippt. Weitere Hits sind „Chinese Whispers“ mit hymnischem Blastbeat, das an „Black Bubblegum“ erinnernde „Gold Teeth On A Bum“ und der Live-Kracher „Good Neighbour“.

„Option Paralysis“ schlägt in die selbe Kerbe wie „Ire Works“, aber mit verfeinerter Schlagtechnik. Es ist alles da, was ein Album von THE DILLINGER ESCAPE PLAN braucht: Komplexer Krach, poppige Refrains und klagendes Klavier. Dieses Album zu übertreffen wird schwer.

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08.03.2010

Der metal.de Serviervorschlag

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