Tieflader - Tieflader Geht Durch Die Wand

Review

Seit Jahren warten Fans der deutschen Modern-Metal-Pioniere FARMER BOYS auf ein neues Lebenszeichen der Band, manche haben die Hoffnung auf ein neues Album schon lange aufgegeben, aber immerhin gab es kurz vor dem letzten Weihnachtsfest 2008 eine Art Reuniongig in ihrer Heimat Stuttgart, wobei sich die Band ja nie offiziell aufgelöst hat. Unterdessen haben sich die einzelnen Bandmitglieder musikalisch oder künstlerisch auf anderen Ebenen bewegt, wozu für Gitarrist Alex Scholpp u.a. auch die Undergroundler TIEFLADER gehören, wobei die Schwabenbande schon zu Hochzeiten der FARMER BOYS aktiv war und immerhin vier eigenproduzierte EPs rausbrachte.

Anno 2009 veröffentlicht das Quartett um Scholpp nun ihren ersten Longplayer. Mit Ratzer Records hat man auch ein alteingesessenes Stuttgarter Plattenlabel an Land ziehen können, die Zeichen stehen also durchaus auf Sturm. Stellt sich vor alledem natürlich die Frage, inwieweit der Sound von TIEFLADER auf „Tieflader geht durch die Wand“ mit den FARMER BOYS vergleichen lässt und dazu gibt es eine einfache Formel: Sound FARMER BOYS minus Pathos, Melodien und Pop-Appeal = TIEFLADER.

Man merkt recht schnell, wer bei den Bauern für die fetten Riffs und Grooves zuständig war, denn was sich Scholpp an druckvollen, groovenden und latent eingängigen Gitarrenriffs aus dem Ärmel schüttelt, kann durchaus mit den Breitseiten der FARMER BOYS mithalten. Trotz einer modernen, dichten Produktion haben sich TIEFLADER ihren rauen Charme bewahrt, wozu auch der eindimensionale, aber extrem akzentuierende Gesangsstil von Patrick Schneider gehört, der sich am ehesten mit den deutschsprachigen Ergüssen von Tom Angelripper (SODOM, ONKEL TOM) vergleichen lässt. Das macht klar, dass es dem TIEFLADER nicht um Schönspielerei geht, sondern um richtige Musikmaloche. Auffallend ist, wie gleichmäßig die elf Tracks zwischen brettharten Uptempo-Fegern und brachialen Midtempo-Groove-Monstern pendeln. „Tieflader geht durch die Wand“ ist, wie man musikjournalistisch so schön sagt, ein straight-forward-Album oder auf Deutsch: das Teil haut richtig in die Fresse! Es setzt den Hörer sofort in Bewegung, macht aggressiv und verzichtet nahezu komplett auf melodische Momente (die man immerhin in Tracks wie „Gib Alles“ oder dem mehrstimmig vorgetragenen Chorus von „Wir sind bereit“ mit dem Mikroskop erforschen kann). Tanzflächenfeger wie „Hier kommt der Hammer“, besagtes „Gib Alles“ oder das mit einem Metalcore-mäßigen Breakdown versehene „Abwärts“ begeistern extrem, während auf der anderen Seite Groove-Blaupausen wie „Fahr Zur Hölle“ und „Schlag Zu“ zum Mitmachen animieren.

In der Kürze liegt die Würze und TIEFLADER taten gut daran, ihre erste LP nicht unnötig in die Länge zu ziehen, denn um ehrlich zu sein, irgendwann nutzt sich der Hammer etwas ab. Wer vor allem die pathetische Seite der FARMER BOYS mochte, wird mit TIEFLADER nicht glücklich werden, wer einfach nur ein deutschsprachiges Haudrauf-Album zum Abreagieren braucht, sollte seine Moneten schon mal für den TIEFLADER zur Seite legen.

26.10.2009

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