Time Requiem - Time Requiem

Review

Zu welch eklatanten Beispielen ihrer Selbstverliebtheit manch Musiker in ohnehin unbescheidenen Genres noch imstande sind, veranschaulicht in geradezu amüsanter Manier das Debüt des schwedischen Projekts Time Requiem, das 2001 aus der Prog-Power-Kumpanei MAJESTIC hervorging. Tastenzähler und Mastergenius Richard Andersson kombinierte also seinerzeit den buckelbereiten Teil dieser Truppe mit weiteren selbstlosen Talentanbietern – und versklavte sie gleich auf dem Debüt mittels einer ultraautoriären Keyboard-Knute, die sämtliche erkennbaren instrumentalen Überreste an allen Ecken und Kanten krachledern bevormundet. Einzig die an NEVERMORE-Assoziationen hervor rufende vokale Brillianz leistet hier und da mit stimmlicher Wärme und melodiösem Charme erfolgreich Widerstand, der jedoch nie von Dauer ist und generell von intriganter Halbton-Treppenhetzerei des ichsüchtigen Keyboards eingerissen wird, mit Tempo und Herz einer Nähmaschine. Gewissenlos gerasselte Schall-Strapazen wie „Brutal Mentor“ jedenfalls halte ich für keinesfalls geeignet für Epilepsie-gefährdete Zeitgenossen. Bemerkenswert ist ferner, dass selbst die potenzielle Solo-Beute für die Gitarren erbarmungslos an den synthetischen Diktator verfüttert wird, unabhängig von längst eingetretener Übersättigung. Wie von der makellosen Produktion fett gemästetes Beiwerk erfüllen Gitarren und Drums bereitwillig den ungeliebten Prog- und Power-Pflichtteil, erfinden hin und wieder sonderbare, wenig verwertbare Stolper-Breaks nach dem „Spiel-mal-was-Beklopptes“-Prinzip (volle Packung: „Interplay Of Matters“!) und glänzen auch sonst durch unangebrachte technische Brillianz. Nachdem man sich am zweifelsfreien technischen Genie dieser Band genug ergötzt hat und sich die Melodien mit dem fünften Durchlauf auch wieder durchs andere Ohr verabschieden, dürfte nur noch der rasanzgeile japanische Markt als Catwalk für diese überambitionierte Selbstdarstellung dienen. Dass technische Exzellenz nicht zwingend bedeutsame Musik gebärt und in Verbindung mit Imponiergehabe tödlich für das Produkt wirken kann, sollte anhand dieser Platte selbst für Die-Hard-Proggies deutlich werden.

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25.11.2002

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